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Industriemuseum: Worauf sich Besucher 2021 freuen dürfen

Die Verantwortlichen der Lohner Kultureinrichtung erwarten aufregende Monate. Der Anbau eröffnet neue Chancen. Nicht nur das äußere Erscheinungsbild wandelt sich – auch im Innern tut sich viel.

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Das Industriemuseum stellt sich neu auf: Die Exponate rund um die Kunststoffindustrie wandern laut den Museumsleitern Ulrike Hagemeier und Benno Dräger demnächst ins Erdgeschoss. Foto: Timphaus

Das Industriemuseum stellt sich neu auf: Die Exponate rund um die Kunststoffindustrie wandern laut den Museumsleitern Ulrike Hagemeier und Benno Dräger demnächst ins Erdgeschoss. Foto: Timphaus

Alles neu macht der Mai – so lässt sich die Stimmungslage im Industriemuseum Lohne in diesen Tagen beschreiben. Die Vorfreude auf den neuen Anbau, der voraussichtlich Mitte des Wonnemonats eröffnet werden kann, vertreibt selbst die dunklen Wolken, die die Corona-Pandemie zuletzt über die Kultureinrichtung an der Küstermeyerstraße gebracht hat. 

Die Museumsleiter Ulrike Hagemeier und Benno Dräger gaben jüngst während eines Pressegesprächs einen hoffnungsvollen Ausblick auf das Jahr 2021, das für das Industriemuseum unter dem Motto "Aufbruch und Umbruch" steht. "Wir könnten noch Abbruch ergänzen", sagt Dräger mit einem Lächeln. Schließlich werde sich das Erscheinungsbild der Einrichtungen in den kommenden Monaten grundlegend verändern.

Doch zunächst ein Rückblick: 2020 war für das Industriemuseum Lohne – wie für alle Kultureinrichtungen – ein schweres Jahr. Zwar konnten Hagemeier, Dräger und ihr Team einige Ausstellungen wie „Maschinen bauen – Von Eisen und Stahl zu Bits und Bytes“, "Technik zum Spielen" oder "Mathematik zum Anfassen" durchführen. Doch mehrwöchige Schließungen und strikte Corona-Regeln führten dazu, dass die Besucherzahlen sich halbierten; von 15.000 auf etwa 7.500 Gäste. "Wir wollen nicht klagen, sondern lieber einen Dank an die Besucher und die Ehrenamtlichen aussprechen, die sich für ein Gelingen der Veranstaltungen eingesetzt haben", sagt Hagemeier.

Bald steht die Rezertifizierung mit dem Gütesiegel an

Die inhaltliche Arbeit des Museums ruhte nicht vollständig, wenngleich das Inventarisieren und Restaurieren im Magazin seit März 2020 auf Eis liegt. Hagemeier zählt als Neuerwerbungen unter anderem den "Bokern-Bagger" sowie Verkaufsartikel aus dem früheren Feinkostladen Emke auf. "Wir haben unsere Münzsammlung ergänzt. Außerdem gibt es eine Ladung Schreibmaschinen, die noch abgeholt werden müssen", sagt Dräger. Er könnte sich vorstellen, perspektivisch eine Schau mit dem Arbeitstitel "Vom Federkiel zum Tablet" auf die Beine zu stellen.

Demnächst steht die Rezertifizierung mit dem Museumsgütesiegel des Landes Niedersachsen an. "Den ersten Zwischenbericht haben wir abgegeben und warten nun auf die Auswertung", sagt Hagemeier. Bald erfolge die Begutachtung durch eine Kommission. Die Museumsleiterin rechnet mit einer Entscheidung im Herbst.

"Jeder hat ein Stückchen Lohne zuhause"

Dräger versprüht Zuversicht: "Wir sind gut aufgestellt." Das Industriemuseum hatte das Siegel 2007 zum ersten Mal bekommen. Alle sieben Jahre werden die gesetzten Standards erneut überprüft.

Und was bringt 2021? Natürlich zuvorderst den Abschluss des Anbaus. Die Arbeiten für das Projekt, das circa 1,6 Millionen Euro kostet, liegen im Zeit- und Kostenplan. Mit der Erweiterung, die unter anderem der großen Raumnot bei Großveranstaltungen Rechnung trägt, eröffnen sich für das Industriemuseum viele neue Chancen.

So nutzen die Verantwortlichen der Einrichtung die Gelegenheit, um auch den Bestand neu aufzustellen. Die Exponate rund um die für Lohne wichtige Kunststoffindustrie sollen ins Erdgeschoss wandern. Dort soll der Marketingslogan "Jeder hat ein Stückchen Lohne zuhause" noch mehr in den Fokus rücken. Auch die anderen Abteilungen wandeln sich. 

Premiere im Anbau mit einer Magazin-Schau

Auf dem Programm steht jetzt zunächst die verschobene Ausstellung „Eisenbahn zum Spielen“. Mitte Mai soll im Anbau zur Premiere eine Magazin-Ausstellung mit bisher unbekannten Schätzen gezeigt werden. Eine Neuauflage des Pöppelmann-Forschersonntags ist laut Hagemeier angedacht, auch die Vorstellung der neuen "Lohner Wand" steht auf der Agenda. "Wir müssen schauen, wie sich die Corona-Lage in den kommenden Monaten entwickelt", sagt Dräger.

Die Magazin-Ausstellung läuft voraussichtlich bis Advent 2021. Anschließend planen Hagemeier und Co. eine saisonale Schau, bevor im Frühjahr 2022 der Fokus auf das Leben in Lohne in den 1950er und 60er Jahren gelegt wird. "Für eine Ausstellung dieser Art benötigen wir einen gewissen Vorlauf", berichtet Dräger.

Stichwort Städtepartnerschaft: Ebenfalls eine Option ist laut Hagemeier eine Stippvisite des Rixheimer Tapetenmuseums in Lohne. Auch die Feierlichkeiten anlässlich des 10-jährigen Bestehens der Verbindung mit dem polnischen Międzylesie, die 2020 der Pandemie zum Opfer fielen, sollen in einer Schau nachgeholt werden.

Digitalisierung ja, aber es darf nicht ausufern

Hagemeier nennt weitere Formate wie den Unternehmer-Stammtisch, Handwerksabende, an denen altes Handwerk vorgeführt werden soll, sowie die Intensivierung der Kooperation mit dem städtischen Infopunkt. "Radtouren zu aktuellen Moorgrabungen sind geplant. Mit Besichtigungen auf dem Gänsehof Tapphorn wollen wir über das Lohner Wappentier und seine Bedeutung aufklären." 

Auch der fortschreitenden Digitalisierung will sich das Industriemuseum stellen – wenngleich Hagemeier und Dräger einschränken, dass man den Wandel "nicht überziehen" dürfe. "Der Charme des Originals ist nicht zu ersetzen", sagt Dräger. Seine Kollegin betont die Wichtigkeit der praktischen Arbeit vor allem in der Museumspädagogik. "Kinder brauchen diesen Input."

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