Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Indien kämpft mit den Folgen der zweiten Corona-Welle

Die Corona-Lage in Indien war im Frühjahr dramatisch. Doch der Kampf der Ärmsten der Armen um das Überleben geht weiter, wie Marietheres Stoppel vom Arbeitskreis Indienhilfe Bakum zu berichten weiß.

Artikel teilen:
Wichtiger Piks: Die Impfkampagnen in Indien sind unterschiedlich erfolgreich. Foto: dpa/BG-Shailendra Bhojak

Wichtiger Piks: Die Impfkampagnen in Indien sind unterschiedlich erfolgreich. Foto: dpa/BG-Shailendra Bhojak

Es waren dramatische Bilder, die um die Welt gingen. Die zweite Corona-Welle im Frühjahr in Indien rollte wie ein Tsunami über das Land. Mehr als 350.000 Neuinfektionen pro Tag wurden gemeldet, die Dunkelziffer wurde von Expertinnen und Experten deutlich höher geschätzt. Die Krankenhäuser waren überlastet, es fehlte an notwendigen Hilfsmitteln – viele Menschen starben infolge ihrer Infektion.

Auch Marietheres Stoppel vom Arbeitskreis Indienhilfe Bakum vernahm von den Projektpartnerinnen und -partnern, wie katastrophal die Lage war. Diese habe sich nun allmählich beruhigt, berichtet sie. Allerdings werde vor Ort jetzt mit den Folgen der Pandemie gekämpft. „Diese sind dort viel schlimmer als bei uns“, sagt Stoppel. Die Armut sei ohnehin immens gewesen – jedoch ist sie viel größer geworden.

Zahlreiche Jobs seien infolge der Shutdowns weggefallen, der Mittelstand zum Teil weggebrochen. Viele Menschen arbeiten als Tagelöhner, erklärt Stoppel. Andere verrichteten zuvor Haushaltstätigkeiten bei reichen Familien in den Städten. Viele dieser Haushalte wollen das wegen der Pandemie nicht mehr, so die Bakumerin. Hunger und Mangelernährung haben deswegen zugenommen.

Bakumer finanzieren Hilfsmaßnahmen

Überall dort, wo Projektpartnerinnen und -partner zugegen sind, habe die Bakumer Indienhilfe verschiedene Hilfsmaßnahmen – mit rund 23.000 Euro – mitfinanziert, sagt Marietheres Stoppel. So wurden Lebensmittel- und Hygienepakete verteilt, unter anderem in Kalkutta in den Slums rund um das Slumkinderprojekt, in Leprakolonien im Bundesstaat Jharkhand sowie in mehreren Regionen im Nord-Osten Indiens, in denen das Virus besonders stark wütete und die Lockdowns entsprechend länger waren. Besonders dankbar sei die Bakumer Indienhilfe für die Unterstützung der Stiftung des Unternehmens Vogelsang aus Essen, die acht Sauerstoffkonzentratoren organisierte und in selbst abgelegene Orte transportieren ließ. Die Geräte seien weiterhin im Einsatz, weiß Marietheres Stoppel.

Hilfe aus dem Oldenburger Münsterland: Das Unternehmen Vogelsang aus Essen hat mithilfe der Bakumer Indienhilfe Sauerstoffkonzentratoren in entlegene Gebiete schaffen können. Foto: privatHilfe aus dem Oldenburger Münsterland: Das Unternehmen Vogelsang aus Essen hat mithilfe der Bakumer Indienhilfe Sauerstoffkonzentratoren in entlegene Gebiete schaffen können. Foto: privat

Der Arbeitskreis unterstützt auch viele Mädchen in ihrer Schulausbildung – es gebe an die 340 Patenschaften, sagt Stoppel. Wie auch hierzulande, waren die Schulen in Indien über einen längeren Zeitraum geschlossen. Zwar sei es mittlerweile wieder möglich, die Schule zu besuchen, doch längst nicht jedes Kind ist wieder zurückgekehrt. Manche Eltern fürchten die Ansteckung mit Corona, andere brauchen ihre Kinder angesichts der schwierigen wirtschaftlichen Lage vieler Familien zum Arbeiten, berichtet Stoppel. In den vergangenen Jahren sei so viel Aufklärungsarbeit geleistet worden, sagt sie, dass Bildung eben auch für Mädchen wichtig ist. Doch Corona hat diesen Erfolg um Jahre zurückgeworfen.

Plätzchen für den guten Zweck verkauft

Die Impfkampagnen in Indien weisen je nach Region unterschiedliche Erfolgsquoten auf. So werde ihr aus dem Nord-Osten berichtet, dass gerade da, wo die Menschen besonders ungebildet und arm sind, die Impfbereitschaft nicht besonders hoch sei, schildert Marietheres Stoppel. Die Schwestern vor Ort gingen demnach von „Hütte zu Hütte“ und leisten Aufklärungsarbeit. Andernorts hätten die Helferinnen sich bereits durchgesetzt. „Zwei Lepra-Kolonien sind durchgeimpft“, sagt Stoppel. Auch die Straßenkinder über 16 Jahre, die von der Bakumer Indienhilfe unterstützt werden, seien geimpft. Generell sei man bemüht, die „eigenen Leute und Betreuten“ zu impfen.

Die Helferinnen gehen von Hütte zu Hütte, um die Hilfspakete zu verteilen. Foto: privatDie Helferinnen gehen von Hütte zu Hütte, um die Hilfspakete zu verteilen. Foto: privat

Insgesamt sei der Arbeitskreis Indienhilfe Bakum dankbar für die Spenden. Nach der dramatischen Corona-Welle im Frühjahr habe sie den Eindruck, dass die aktuelle Lage in Indien aus dem Bewusstsein der Öffentlichkeit gerückt ist. Dabei sei diese nicht weniger schlimm. Um weitere Spenden zu generieren, bietet der Arbeitskreis am ersten Advent eine erneute „Plätzchen-Aktion“ an. Diese habe man bereits im vergangenen Jahr angeboten und sie sei sehr gut angenommen worden, sagt Marietheres Stoppel. Die Mitglieder des Arbeitskreises backen Plätzchen und verkaufen die Tütchen unter Corona-Bedingungen im Pfarrheim.

  • Info: Mehr Informationen zum Arbeitskreis Indienhilfe Bakum finden sich hier sowie telefonisch bei Marietheres Stoppel unter Telefon 04446/1437.

Jetzt neu! Moin Friesoythe! Der wöchentliche Newsletter für die Eisenstadt mit aktuellen News und Informationen. So verpassen Sie nichts mehr. Jeden Donnerstag in Ihrem Postfach. Jetzt hier anmelden.  

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Indien kämpft mit den Folgen der zweiten Corona-Welle - OM online