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In Visbek gibt es künftig Messdienerinnen

Die Kirchengemeinde St. Vitus ist die einzige im Oldenburger Land, die bis heute keine Mädchen für den liturgischen Dienst vorgesehen hat. Das ändert sich jetzt.

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Erhalten für den Schritt viel positives Feedback: Messdiener-"Präsi" Johannes Kühling, Pfarrer Hermann Josef Lücker sowie die Mädchengruppenleiterin Sabrina Graue. Foto: C. Meyer

Erhalten für den Schritt viel positives Feedback: Messdiener-"Präsi" Johannes Kühling, Pfarrer Hermann Josef Lücker sowie die Mädchengruppenleiterin Sabrina Graue. Foto: C. Meyer

Vor etwa 40 Jahren habe es angefangen. Da habe es die ersten Messdienerinnen im Oldenburger Land gegeben, so erzählt es Hermann Josef Lücker, Pfarrer der St.-Vitus-Kirchengemeinde in Visbek. Der gebürtige Vechtaer erinnert sich, dass die Mädchen in Vechta beschlossen: Wir wollen jetzt auch. Denn lange Zeit war es nur Jungen vorbehalten, Messdiener zu sein. Also klopfte man an die Türen des Weihbischofs und des Bischofs, und fortan durften auch Mädchen zu Ministrantinnen ausgebildet werden. Daraufhin zogen nach und nach alle Kirchengemeinden im Oldenburger Land nach – bis auf St. Vitus Visbek.

Das ändert sich jetzt. In Visbek gibt es bald ebenfalls Messdienerinnen. Die künftigen Ausbilderinnen befinden sich gerade selbst in Ausbildung, berichtet der Pfarrer. Etwa 15 machen gerade die Fortbildung. Lücker geht davon aus, dass die ersten Mädchen nach den Sommerferien, wenn generell die Ausbildung der neuen Messdiener beginne, starten können.

"Die Mädchen konnten immer alles machen, was die Jungen auch machen – nur eben nicht in der Messe dienen."Sabrina Graue, Mädchengruppenleiterin

Nun stellt sich einem Außenstehenden natürlich die Frage: Wieso erst jetzt? Diese Betrachtungsweise ist dem Geistlichen zu negativ. Er möchte die Thematik differenzierter verstanden wissen. In Visbek habe sich früh eine starke Jugendarbeit in der Kirchengemeinde entwickelt mit einem geschlechtsspezifischen Schwerpunkt, erklärt er. Heißt: Es habe nicht nur gut besuchte Messdienergruppen für Jungen gegeben, sondern auch immer gut besuchte Mädchengruppen. Das habe sich über Jahre bewährt.

„Die Mädchen konnten immer alles machen, was die Jungen auch machen – nur eben nicht in der Messe dienen“, ergänzt Sabrina Graue, die Ansprechpartnerin für die künftigen Messdienerinnen. „Den Mädels hat das Messedienen nie gefehlt“, gibt sie zu. Und das sei nur ein kleiner Teil des gemeinschaftlichen Miteinanders. Lücker stimmt zu. „Im Schnitt haben im Jahr 2 Leute mal nachgefragt.“ Es sei verhältnismäßig wenig und selten gewesen, dass das Thema Messdienerinnen zur Sprache kam. „Der Wunsch war halt bislang nicht da.“

Aber wie kam es denn nun dazu, dass es sich jetzt ändert? Eine der Gruppenleiterinnen habe Anfang des vergangenen Jahres mal angeregt, darüber zu sprechen, erzählt Graue. So habe man sich mit mehreren Leiterinnen und Oberministranten zusammengesetzt. Bei dem Gespräch wurden die Vor- und Nachteile miteinander abgewogen, und schließlich sei man zu dem Schluss gekommen: Die Mädchen sollen jetzt ebenfalls in der Messe dienen dürfen. Doch wegen der Corona-Pandemie sei das erst einmal für ein paar Monate im Sande verlaufen, sagt Graue.

In Visbek engagieren sich viele Kinder und Jugendliche

Im Oktober wurden die Gespräche wieder aufgenommen. Nach Unterredungen mit dem Pfarrer und dem Pfarreirat hieß es schnell „Das machen wir jetzt“, sagt Lücker. „Es ist schön, dass es eine solche Einigkeit gibt.“ Es habe von keiner Stelle aus Gegenwehr gegeben. Es habe viel positiven Zuspruch gegeben, ergänzt Graue. „Keiner fragte, warum erst jetzt?“

Gehen der katholischen Kirchengemeinde in Visbek etwa die Messdiener aus, oder woher rührt diese Einmütigkeit? Pfarrer Lücker winkt ab und lacht. „Wir haben um die 160 bis 170 Messdiener. Welche Gemeinde hat das schon?“ In Visbek gebe es viele engagierte Jugendliche. „Mehr als 300 Kinder und Jugendliche sind jede Woche am Start. Wer kann das schon vorzeigen?“, sagt der Geistliche durchaus stolz. In Visbek gebe es ein gutes Miteinander und eine starke Jugendarbeit, während diese in anderen Gemeinden stetig zurückgehe.

Deshalb werde an den funktionierenden Strukturen vorläufig nichts geändert. Es werde weiterhin Jungen- und Mädchengruppen geben, sagt Lücker. In der Messe werden die Kinder und Jugendlichen gemischt dienen können. Doch die Gruppen bleiben nach Geschlechtern getrennt. „Wir profitieren von der Geschlechtertrennung“, sagt Graue. Ihre Erfahrung habe gezeigt, dass Mädchen unter sich oder auch Jungen unter sich viel leichter „ihr Ding“ machen können. So richtig erklären könne sie das tatsächlich nicht, gibt sie zu. „Wir sind zwar 2 Gruppen, aber eine Gemeinschaft“, fasst sie zusammen.

Kontroverse Diskussion bei Social Media

Die Rolle der Mädchen in der St.-Vitus-Gemeinde war Anfang März anlässlich des Weltfrauentags ein viel diskutiertes Thema bei Social Media. Der Instagram-Account "vechtakind" veröffentlichte einen Beitrag dazu, dass es in Visbek keine Messdienerinnen gibt. Weiterhin wurde auf einen Artikel aus dem Jahr 2018 zu dem Thema in dem Magazin Kirche+Leben verwiesen. Dieser ist online seit des Echos bei Social Media nicht mehr abrufbar.

„Ich fand das peinlich“, sagt Pfarrer Lücker ganz offen. Die verkürzte Darstellung habe nicht der Wahrheit entsprochen, sagt er. „Er oder sie hätte gut daran getan, sich zu informieren, wie es heute ist.“ Die Namen, die in dem Artikel vorkamen, derart an den Pranger zu stellen, halte er für „unmöglich“. Man wisse bei „vechtakind“ ja nicht einmal, wer es sei. „Wir fanden das anmaßend, dass sich jemand hinter dieser Anonymität versteckt“, sagt Sabrina Graue. Er habe das Verhalten der Person hinter „vechtakind“ als unfair empfunden, sagt Lücker. Schließlich sei der Artikel schon älter gewesen, und man tue den Beteiligten unrecht. Man habe sich zwar über die Diskussion bei Instagram geärgert, gibt Graue zu, aber man habe versucht, dem nicht so viel Raum zu geben.

  • Info: Mädchen, die sich dafür interessieren, Messdienerin zu werden, können sich bei Sabrina Graue per E-Mail grauesabrina@gmail.com melden. Graue bittet darum, eine Telefonnummer anzugeben, damit sie zurückrufen kann.

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