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In Löningen wurde wieder um die Wette geschält: So hat sich unser Reporter geschlagen

Im Rahmen des Löninger Oktobermarktes fand die 23. Deutsche Meisterschaft im Kartoffelschälen statt. Anstatt einfach nur zu berichten, habe ich mich selbst in den Wettstreit gestürzt.

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Als Einzelkämpfer sitze ich beim Wettkampf vor den Gruppen – und somit ziemlich im Mittelpunkt. Foto: Siemer

Als Einzelkämpfer sitze ich beim Wettkampf vor den Gruppen – und somit ziemlich im Mittelpunkt. Foto: Siemer

Um 14.40 Uhr betrete ich den Tempel des Erdapfels, den Sehnsuchtsort eines jeden Sparschäler-Akrobaten: das Festzelt des Löninger Oktobermarktes. Hier trifft sich die Elite der deutschen Kartoffelschäler, um den Meister unter sich auszumachen. Und ich bin ein möglicher Anwärter auf den Preis im Einzelwettkampf. Noch sind die Zuschauerränge kaum gefüllt, die Bühne wird vorbereitet und der Alleinunterhalter baut sich auf. Ich scheine noch Zeit zu haben. Trotzdem geht mein Griff paranoid von außen an die Hosentasche, um zu überprüfen, ob mein Sparschäler noch da ist. Beruhigt kann ich durchatmen, er ist nicht verschwunden. 

Als erstes werden die Gruppen antreten. Firmen, Vereine und Verwaltungen schicken Fünferteams ins Rennen, um den begehrten Titel zu erobern. Für mich heißt das, dass ich mich erst noch eine Runde zurücklehnen kann, schließlich trete ich in der Einzelkategorie an. Also nehme ich erst einmal im Publikum Platz. Von hier aus versuche ich, mir den einen oder anderen Kniff bei den Wettstreitern auf der Bühne abzuschauen. 7 Minuten wird um die Wette geschält. Danach wird gewogen, wie viel Gewicht an Kartoffeln zusammenkommt. Soweit ich das mitbekomme, scheint alles über 2 Kilogramm ganz ordentlich zu sein, einige schaffen auch mehr als 3 Kilo.

Zugegeben, meine Vorbereitung war eher überschaubar. Insofern hatte ich mir bis hierhin kein persönliches Ziel gesetzt. Jetzt aber komme ich ins Grübeln. "Geht es hier wirklich nur um den Olympischen Gedanken? Reicht es mir aus, einfach nur dabei zu sein?" Schnell entwickelt sich der Entschluss, zumindest nicht Letzter werden zu wollen. Möglichst unauffällig taste ich im Sitzen nach meinem Sparschäler – weiterhin vorhanden.

Als Einzelwettstreiter mit den Gruppen auf der Bühne

Mittlerweile läuft der zweite Durchgang im Teamwettbewerb. Wieder sind drei Gruppen à fünf Personen auf der Bühne und schälen, was das Zeug hält. Dann bekomme ich die Ansage, dass ich beim nächsten Durchgang dabei sein werde. Als einziger Alleinstreiter zusammen mit weiteren Teams. "Na gut, warum nicht?", denke ich mir. Je mehr Menschen zeitgleich im Mittelpunkt stehen, desto weniger fällt auf, wenn ich mich blamieren sollte.

Soweit die Theorie. In der Praxis erweist sich mein Gedankengang dann allerdings als maximal falsch. Ich sitze nicht mit den Teams in einer Reihe. Für meinen zusätzlichen Stuhl ist so nicht genügend Platz auf der Bühne, also reihen sich die anderen Streiter nebeneinander, während ich zentral davor platziert werde. So viel zu meinem Plan, nicht aufzufallen. Hinter mir albert das Team vom SV Evenkamp rum, ich werde mittlerweile etwas angespannt. Während die letzten Vorbereitungen laufen, kommt vom Alleinunterhalter "Schuld war nur der Bossa Nova". Ich bin mir allerdings ziemlich sicher, dass der lateinamerikanische Tanz relativ wenig für meine Situation kann.

Foto: DickerhoffFoto: Dickerhoff

Zu meinen Füßen sind zwei Körbe, einer mit und einer ohne Kartoffeln. "Wie viele Kilo das wohl sind, die vor mir liegen", denke ich mir und habe nicht die geringste Ahnung. Während Marktmeister Jörn Willen noch die Wettstreiter vorstellt, geht mein Griff ein letztes Mal zur Hosentasche und holt den Sparschäler hervor. Ich nutze die verbliebene Zeit, um mir das Werkzeug genauer anzusehen. Zum Glück, denn ansonsten hätte ich mich wohl mitten im Wettkampf gewundert, warum das nagelneue Gerät so schlecht schält. Dankbar dafür, dass ich mir diese Blamage zumindest erspart habe, nehme ich die durchsichtige Schutzkappe vom Sparschäler ab. Dabei fällt mir auf, dass ich ihn vielleicht vorher einmal hätte testen sollen. Aber gut, solche Ideen müssten mir halt vorher kommen. 

Die wichtigen Fragen stelle ich mir erst zu spät

"Auf die Knolle, fertig, los!", brüllt Jörg Willen ins Mikrofon und die 7 Minuten starten. Während ich anfange, die erste Kartoffel zu schälen, stelle ich mir – ebenfalls etwas zu spät – taktische Fragen. "Lieber erst die großen oder die kleinen Kartoffeln? Zieht man bei 7 Minuten den Schäl-Sprint voll durch, oder teilt man sich seine Kräfte wie beim Langlauf ein?" Die erste Kartoffel wandert in den dafür vorgesehenen Korb, ich greife als nächstes zu einem größeren Exemplar. Dabei schweifen die Gedanken ab und landen wieder bei "Schuld war nur der Bossa Nova". Wirklich hilfreich ist das nicht. Das Lied ist zu langsam, um im Takt zu schälen. "Hätte der Alleinunterhalter mal lieber vorher etwas Black Metal gespielt, dann wäre ich sicher schneller", grüble ich.  Habe ich schon erwähnt, dass meine Gedanken abschweifen?

Marktmeister Jörn Willen ruft mir den Ernst der Lage wieder ins Gedächtnis: "Die Hälfte der Zeit ist rum!" Mittlerweile liegen zwar schon einige geschälte Kartoffeln vor mir, dafür fängt die Hand an zu schmerzen. Der Blick nach links und rechts sagt mir nicht, wie es bei der Konkurrenz aussieht. "Ach ja, ich sitze ja alleine vorne." Jetzt wird die letzte Minute angekündigt, außerdem wird erklärt, dass bei Ablauf der Zeit die aktuelle Kartoffel noch beendet werden darf. Für das Gefühl nehme ich mir schnell ein paar winzige Kartoffeln vor, um zumindest quantitativ ein ordentliches Ergebnis vorweisen zu können.

In der Reihe hinter mir werden die Pflaster gereicht

Dann ist die Runde vorbei. Schnell zähle ich nach, 18 geschälte Exemplare liegen vor mir. Damit bin ich halbwegs zufrieden. Endlich finde ich auch die Möglichkeit, auf die anderen Wettstreiter zu schauen. Ob bei ihnen mehr oder weniger liegt, kann ich auf die Schnelle gar nicht beurteilen. Allerdings kann ich selbstzufrieden feststellen, dass ich mich nicht geschnitten habe, während in der Reihe hinter mir die Pflaster gereicht werden.

Dann kommt der Moment der Wahrheit. Die Körbe werden gewogen. 2156 Gramm kommen bei mir zusammen. Ich beschließe für mich, dass das in Ordnung ist. Damit liege ich im guten Mittelfeld, höher war mein Anspruch nun wirklich nicht. Schnell befreie ich meine Schuhe von den Schalen und verlasse die Bühne. Das war auf jeden Fall mal eine Erfahrung, aber sicher kein Beginn einer großen Karriere. Wer jetzt eigentlich gewonnen hat? Ich weiß es nicht, schließlich musste ich schnell an den Computer, um den Bericht fertigzustellen. Aber im Nachhinein ist es ja dann doch so: "Dabei sein ist alles."

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