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In Klammern hinter dem Namen: der Berufswunsch

Kolumne: Auf ein Wort – Früher gaben mir die Angaben der Abschlussschüler eine Art Berufsorientierung. Bei "Kirchens" wollen heute nur noch die wenigsten arbeiten, doch das sollte sich ändern!

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Letzte Woche füllten sie wieder die Seiten des Lokalteils: die Listen der Schülerinnen und Schüler, die in diesem Jahr ihren Schulabschluss gemacht haben. Leider fehlt heutzutage, was diese Listen für mich früher interessant gemacht hat: der Berufswunsch, der in Klammern hinter dem Namen stand. Angelika Skalpell (Medizin), Josef Giro (Banklehre), Elisabeth Tafel (Lehramt) Carl Casel (Theologie).

Als Schüler der Mittelstufe waren diese Listen für mich eine Art von Berufsorientierung. Sie zeigten mir auf, welche Berufe mir offen standen, und welche gerade „en Vogue“ waren.

Damals war hinter dem Namen noch häufiger „Theologie“ als Berufswunsch zu lesen. Für mich war das jedes Mal eine Bestärkung, auch selbst über ein Theologiestudium nachzudenken und anschließend Priester zu werden. Kirche war für mich ein überaus positiv besetztes Erlebnisfeld: begeisternde Kapläne, großartige Erlebnisse in der Jugendgruppe und bei den Messdienern! Ja, und die Botschaft Jesu begeisterte sowieso!

Der Studienwunsch "Theologie" wird immer seltener

Dann kamen die wilden 68er und rüttelten (auch) an den Strukturen von Religion und Kirche. Der Berufswunsch „Theologie“ tauchte in den Abschlusslisten immer seltener auf. Und auch meine Motivation für einen kirchlichen Beruf schmolz dahin. Als ich dann mein Abitur hatte, stand hinter meinem Namen: Lehramt!

Aber Gott gibt so schnell nicht auf. Er hat mich weiter umworben. Jahre später habe ich seinen "Ruf" dann endlich gehört und positiv darauf geantwortet. Bis heute habe ich die Entscheidung für das Ordensleben nicht bereut!

Wie schon gesagt: Die Klammer mit dem Berufswunsch fehlt heutzutage hinter dem Namen der Schülerinnen und Schüler. Doch, wenn es sie noch gäbe, ich fürchte, der Eintrag "Theologie" würde kaum auftauchen, selbst an Schulen in kirchlicher Trägerschaft!

"Wer will sich für eine Institution engagieren, die fast täglich für Negativschlagzeilen sorgt?"Karl Gierse

Verwundern kann es bei dem schlechten Image, das Kirche aktuell hat, nicht wirklich. Wer will sich für eine Institution engagieren, die fast täglich für Negativschlagzeilen sorgt?

Dennoch ist es sehr schade! Wer soll dafür sorgen, dass Reformen in der/den Kirche(n) angegangen und auch umgesetzt werden? Wer wird dafür sorgen, dass die christliche Botschaft an die nachfolgenden Generationen weitergegeben wird?

Also, liebe Entlass-Schülerinnen und -Schüler: Wenn ihr irgendwann schon einmal an eine Tätigkeit "bei Kirchens" gedacht habt – als Religionslehrerin, Pastoralreferent oder Pastor/in – lasst euch durch das augenblickliche Negativ-Image nicht abschrecken! Gott braucht gute Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, damit es mit der Botschaft Jesu weitergeht! Und diese Botschaft hat es wahrlich verdient!


Zur Person:

  • Karl Gierse ist Subprior des Vechtaer Dominikanerkonventes.
  • Er wirkt in verschiedenen Bereichen der Seelsorge in Vechta und im Oldenburger Land.
  • Kontakt: redaktion@om-medien.de.

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