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In die Umfragefalle getappt

Kolumne: Batke dichtet – Auf einem Newsportal wollte man von mir wissen, wie mir der letzte "Tatort" gefallen habe. Damit fing der Umfrage-Marathon an.

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"Wissen, was los ist". War das nicht mal irgendein Werbeslogan? Ähnlich simpel wie "Freude am Fahren" oder "Wir machen den Weg frei", womit nicht irgendein Schneeräumkommando gemeint war, sondern das vermeintlich segensreiche Wirken einer Bank. Pardon, ich komme schon im ersten Absatz vom Thema ab. "Wissen, was los ist" bedeutet für mich, dass ich seit einigen Tagen regelmäßig auf digitalem Weg über die Resultate der neuesten Umfragen informiert werde. Von den Meinungsforschern, die dem Volk aufs Maul schauen.

Mein Plus an Wissen resultiert daraus, dass ich selbst an einer Umfrage teilgenommen habe. Auf einem Newsportal wollte man von mir wissen, wie mir der letzte "Tatort" gefallen habe. Wahrheitsgemäß vergab ich 2 von 10 Punkten, und gestatten Sie mir die Bemerkung, dass mich die letzten "Tatorte" allesamt nicht vom Hocker gehauen haben – jedenfalls wollte man von mir zusätzlich wissen, ob ich an den Ergebnissen anderer Umfragen interessiert sei. Ich klickte "ja", gab leichtsinnigerweise meine Mailadresse an und werde seitdem auf dem Laufenden gehalten.

In der zurückliegenden Woche mit dem Corona-GAU und dem Impf-Durchbruch beim FC Bayern (Gnabry und Musiala haben sich piksen lassen) sowie der frustrierenden Termin-Recherche für meine Boosterung wurde ich täglich mit frischem Umfragen-Futter versorgt. So weiß ich, dass eine überwältigende Mehrheit einen Verkehrsminister der Grünen nicht will (wovon die Republik auch verschont bleibt), genauso wenig Annalena Baerbock als Außenministerin. 48 Prozent meiner Mitbürger sind der Meinung, dass Deutschland zu wenig für den Klimaschutz tut. Und: 28 Prozent der Weihnachtsmarktbesucher nehmen ihren Glühwein mit Schuss.

Bei der Umfrage folgte Frage auf Frage

Neugierig, wie ich nun einmal von Berufs wegen bin, schaltete ich mich proaktiv ins Umfragegeschehen ein. Es ging um den Lebkuchenverkauf, gefragt wurde, ob es nicht besser sei, diesen erst ab November zu gestatten, was tatsächlich eine Mehrheit von 53 Prozent befürwortet. Ich entschied mich für das Feld "Ist mir egal"; nachdem ich mein Votum angegeben hatte, ploppte ein anderes Feld auf, wo nach meinem Geschlecht gefragt wurde. Als Antwortmöglichkeiten gab es a) männlich, b)weiblich, c)transgeschlechtlich, d)nicht binär, e)anderweitig oder f)weiß nicht – ich entschied mich nach sachlicher Abwägung für a), wobei ich zugegebenermaßen erst einmal "nicht binär" googeln musste, um das für mich auszuschließen.

Sie ahnen es schon: Ich war blind in die Falle getappt. Denn anschließend wollten die Umfragenden auch wissen, ob ich es spannend fände, als Arzt tätig zu sein, was ich im Hinblick auf potenzielle Patienten strikt negierte, in welcher Phase der Lebensplanung ich mich gerade befände (ich gab an, freier Ruheständler bleiben zu wollen), ob ich bei Renovierungsarbeiten oder Neubauten regelmäßig mit Farbe, "zum Beispiel als Maler, Handwerker oder Architekt" arbeite, was ich kategorisch ausschloss, oder ob ich die Neuanschaffung einer Wohnzimmergarnitur in Erwägung zöge, und wenn ja, ob ich diese bei XXLutz, Porta, Höffner oder Ikea zu erstehen gedenke. Puh, schwierige Entscheidung. Aber ich denke, dass der Lebkuchen in dieser Saison noch in vertrauter Umgebung verputzt wird.


Zur Person:

  • Alfons Batke blickt auf eine über 40-jährige journalistische Laufbahn zurück.
  • Der 65-Jährige lebt als freier Ruheständler in Lohne.

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