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In der Weltmetropole der Pedalritter

Kolumne: Batke dichtet – Ich schwinge mich auf den sonnigen Balearen aufs Rad und werde elektro-gedopt Teil eines herdenmäßigen Treibens, das viel Geld in die Inselkasse spült.

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Frühlingszeit ist Radlerzeit, wie wir ja auch jeden Tag in diesem Medium mit der Berichterstattung über das Stadtradeln im Oldenburger Münsterland erleben. Gut so. Ich erwähnte es wohl schon an dieser Stelle gelegentlich, dass auch ich ein begeisterter Radler bin – seit Oktober letzten Jahres noch ein bisschen mehr, denn mit den Segnungen meines E-Bikes können mir auch die fiesesten Steigungen in den Dammer Bergen oder der schärfste Gegenwind am Dümmer See nichts mehr anhaben.

Doch der Mensch (auch der schon etwas betagtere) sucht und liebt Herausforderungen. So schloss ich mich den passionierten Mallorca-Radlern Ralf und Daniel an, die sich diesmal für den Nordosten der Insel entschieden hatten. Insider werden gleich mit dem Finger imaginär die markanten Punkte an der lang gezogenen Küstenstraße nachzeichnen: Can Picafort, Playa de Muro, Alcudia, Port de Pollenca. Der etwa 20 Kilometer lange Streifen ist zur Maienzeit die Weltmetropole der Radfahrer – Profis, Amateure, Jedermänner, Senioren, Junioren, Kids – sie schwärmen zu Tausenden aus und prägen das Straßen- und Landschaftsbild.

"Wir sind also munter dabei in diesem bunten Haufen der Pedalritter. Und mir fällt unweigerlich das Sprachbild 'Wie die Lemminge' ein."Alfons Batke

Nach den beiden eher bescheidenen und mitunter existenzbedrohenden Coronajahren blicken die balearischen Touristiker erwartungsfroh in die Zukunft. Allein aus Deutschland werden in diesem Jahr 100.000 Rad-Enthusiasten erwartet. Ein Klientel, das nicht nur Bremsspuren, sondern auch viel Geld auf der Insel lässt. Im letzten Jahr vor der Pandemie spülten die Cyclisten geschätzte 300 Millionen Euro in die Inselkasse – und das insbesondere in der Nebensaison von September bis Mai.

Wir sind also munter dabei in diesem bunten Haufen der Pedalritter. Und mir fällt unweigerlich das Sprachbild „Wie die Lemminge“ ein, um das herdenmäßige Treiben zu beschreiben. Wobei es sich, wenn man die Redewendung entschlüsselt, um eine Massenwanderung von Wühlmäusen, die in einem kollektiven Freitod endet, handeln soll. Nun – das ist dann in Bezug auf die große Mallorca-Radsportgemeinde wohl übertrieben, obwohl etliche Velofahrer recht halsbrecherisch unterwegs sind.

Meine beiden Reisegefährten bewältigen die täglichen Herausforderungen auf einem federleichten Rennrad, ich habe eine etwas bulligere Variante mit mehrstufigem Batterieantrieb gewählt, was mich am Berg jünger aussehen lässt, als ich bin. Auf jeden Fall wird in den Pausen auf den pittoresken Markt- und Kirchplätzen im Inselinneren (Muro, Petra, Sineu oder Inca) reichlich Radlerlatein aufgetischt.

Elektro-Doping wird abgestraft

Und wenn wir uns an den vorletzten Tag unserer Expedition erinnern, werden wir unweigerlich an eine Runde denken, die ursprünglich als Königsetappe von Tourenplaner Ralf ersonnen wurde, aber vom parallel stattfindenden „Mallorca Ironman“ (Triathlon) mit 4000 Teilnehmern förmlich zerschossen wurde. Zwischenzeitlich kurvten wir sogar während des Wettbewerbs über die für Triathleten vorgesehenen Streckenabschnitte. Als wir in den kleinen Ort Maria de la Salut einrollten, wurden wir von einigen älteren Einheimischen gar für Ironmänner gehalten, ehe einer von ihnen auf mein Rad zeigte, mein Elektro-Doping bemerkte und empört „Tramposo, Tramposo“ ausstieß. Ich habe mal nachgeschlagen: Es steht für Betrüger, Gaukler, Schwindler.


Zur Person:

  • Alfons Batke blickt auf eine über 40-jährige journalistische Laufbahn zurück.
  • Der 66-Jährige lebt als freier Ruheständler in Lohne.
  • Den Autor erreichen Sie unter redaktion@om-medien.de.

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