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In der Nacht zum Autorennen nach Oldenburg

Kolumne: Recht hat, wer Recht bekommt – Wer aufgrund eines illegalen Autorennens verurteilt wird, auf den warten Strafen. Im schlimmsten Fall müssen die Raser bis zu 5 Jahren in Haft.

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Am 20. Februar 2022 fand um 4.04 Uhr in der Stadt Oldenburg, beginnend am Pferdemarkt, ein unerlaubtes Autorennen statt. Die Polizei war vor Ort und konnte die beiden Raser mit ihren BMWs gleich anhalten, kontrollieren und die Führerscheine bis zur Entscheidung mitnehmen.

Einer der beiden Beteiligten war ein 20-Jähriger aus Goldenstedt, der im Netz Autoteile verkauft. Der zweite Angeklagte und Teilnehmer der schnellen Fahrt ein 29-Jähriger aus der Nähe von Oldenburg. Beide Schnellfahrer kannten sich nicht, waren am Ende der Schnellfahrt von der Polizei befragt worden und sahen sich jetzt vor dem Strafgericht des Amtsgerichtes Vechta wieder.

Was war passiert? Der 29-Jährige fuhr mitten in Oldenburg in Richtung Pferdemarkt. Er wurde verfolgt von dem 20-jährigen Goldenstedter, der hinter ihm sehr nahe auffuhr. Bei einer Ampel, die Rot zeigte, fuhr der „Verfolger“ auf der zweispurigen Straße neben den 29-Jährigen, und bei „Grün“ begann eine 600 Meter lange Fahrt mit erhöhter Geschwindigkeit.

"Es ging beiden Verteidigern nur noch um die Höhe der Strafen"Klaus Esslinger

Dies, obwohl der Goldenstedter gesehen hatte, dass ein Streifenwagen der Polizei hinter ihm gestanden hatte. Es ging über Ampeln und Kreisverkehre. Schließlich verlangsamte der 29-Jährige seine Geschwindigkeit, er hatte auch das Blaulicht der Polizei wahrgenommen, und hielt an. Beide Angeklagten räumten vor Gericht die vorgeworfenen „Schnelltouren“ ein. Es ging den beiden Verteidigern nur noch um die Höhe der Strafe und vor allem um die Fahrerlaubnis, die im März 2022 entzogen wurde.

Der 29-Jährige konnte durch seinen Verteidiger nachweisen, dass er inzwischen an einer therapeutischen Aufarbeitung des Fehlverhaltens gearbeitet und in 12 Einzelstunden dafür gesorgt hatte, dass so etwas nicht wieder passiere, so seine Aussage. Der Goldenstedter hatte nichts unternommen, meinte aber, dass er auf seine Fahrerlaubnis angewiesen sei, um beruflich tätig sein zu können.

Die Justiz hat die Strafe bei „Autorennen“ in den vergangenen Jahren erheblich erhöht. Grundsätzlich gilt: Wer aufgrund eines illegalen Autorennens verurteilt wird, dem wird in der Regel die Fahrerlaubnis für mindestens 1 Jahr entzogen. Wer dabei andere Menschen oder Gegenstände von bedeutendem Wert gefährdet, muss bei fahrlässiger Begehung mit einer Freiheitsstrafe von bis zu 3 Jahren oder einer Geldstrafe rechnen. Handelt derjenige vorsätzlich, droht eine Freiheitsstrafe von bis zu 5 Jahren oder eine Geldstrafe.

Der Staatsanwalt hatte kein Verständnis für das „Rennen“ in einer Großstadt, wo auch in der Nacht Fußgänger und Radfahrer unterwegs seien. „Völlig sinnlos und gefährlich“, so sein Plädoyer. Das Strafgericht verhängte gegen den 29-Jährigen eine Geldauflage von 1500 Euro, zu zahlen an die Lohner Tafel und händigte den Führerschein wieder aus. Der 20-Jährige erhielt eine Geldauflage von 500 Euro, zu zahlen an den Jugendhilfe-Verein, und muss noch 3 Monate auf seinen Führerschein warten.


Zur Person:

  • Klaus Esslinger ist Gerichtsreporter und war viele Jahre Lokalchef der Oldenburgischen Volkszeitung.
  • Kontakt zum Autor über: redaktion@om-medien.de.

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