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In den Zeiten der Sprachlosigkeit

Kolumne: Batke dichtet – Neben dem "Jugendwort des Jahres" könnte es doch auch ein "Seniorenwort des Jahres" geben. Mein Gesprächspartner und ich haben da einige Vorschläge.

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Der Anrufer stellte sich höflich vor und meinte, dass man das Thema durchaus noch vertiefen könne. Mit "das Thema" bezog er sich auf die letzte Kolumne an dieser Stelle, an der es um das "Jugendwort des Jahres" und ein mögliches Pendant, ein "Seniorenwort des Jahres", ging. Er, der Anrufer, sorge sich darum, dass viele alte, oft lautmalerisch schöne Wörter einfach verschwänden. An ihre Stelle seien Begriffe getreten, zu denen er oftmals keinen Zugang mehr habe.  Er jedenfalls würde nie auf die Idee kommen, seinen Schachpartner mit "Alles easy, Digga?" zu begrüßen.

Einig waren wir uns darin, dass die gepflegte Sprache als Mittel der Kommunikation gerade in der jüngeren Generation an Bedeutung verloren habe. Die Jugend sei zunehmend sprachlos, klang es pointiert von meinem Gesprächspartner, und er verwies auf seine Enkel, mit denen er "gezwungenermaßen", wie er es ausdrückte, oft nur via WhatsApp kommuniziere. Er lese dabei auch häufig Abkürzungen, mit denen er nichts anfangen könne und nannte "2F4U", "dad", "HAND" oder "LOL", häufig seien diese Nachrichten auch mit "irgendwelchen Ornamenten" verziert, deren Bedeutung sich für ihn nicht erschließe.

"LOL" hat irgendwas mit lautem Auflachen zu tun

Tatsächlich verstehe auch ich häufig nur Bahnhof bei bestimmten Botschaften in der digitalen Unterhaltung, bei "LOL" weiß ich immerhin, dass es irgendetwas mit lautem Auflachen zu tun hat. Die anderen vom Anrufer benutzten Abkürzungen musste ich nachschlagen, dementsprechend weiß ich, dass "dad" für "denk an dich" steht, "HAND" den Wunsch ausdrückt, einen schönen Tag zu haben ("have a nice day") und "2F4U", auf das Tempo, das unser Nachwuchs gegenüber uns Älteren, anschlägt, gemünzt ist: "Too fast for you" (zu schnell für dich). Und bei den "Ornamenten", von denen die Rede war, handelt es sich wohl um diese "Emojis", die ich immer vergrößern muss, damit ich deren Bedeutung erraten kann.

Wir plauderten noch eine Weile über dies und jenes, ehe ich den Anrufer nach seinen persönlichen Favoriten für ein "Seniorenwort" fragte. Er musste nicht lange überlegen. "Wenn ich an die jüngere Vergangenheit denke, wäre das ,Farbfernsehen'. Ein Wort, das die jungen Leute kaum kennen, weil sie nichts anderes als Farb-TV kennen. ,Kittelschürze' finde ich auch ganz interessant. Oder um etwas weiter zurückzugehen: Damals sagte man, wenn etwas anstößig oder frivol war: Das ist aber ganz schön ,schokant'."

"Auch der Ausdruck 'Schnurre' für eine kleine, heitere Geschichte sei bemerkenswert, gab ich an."Alfons Batke

Natürlich wollte mein Sprachfreund am anderen Ende der Leitung auch wissen, ob ich ebenfalls favorisierte Wörter und Begriffe im Kontext mit dem "Seniorenwort" hätte. Ich antwortete, dass ich eine gewisse Bewunderung für das Wort "gebenedeit" hege, es in mehr als 40 Berufsjahren aber nie geschafft hätte, diesen schönen Begriff unterzubringen. Was ich hiermit nachgeholt habe. Auch der Ausdruck "Schnurre" für eine kleine, heitere Geschichte sei bemerkenswert, gab ich an. Ansonsten fielen mir noch die "Schogetten" ein, mit denen man auftrumpfen konnte, wenn man damals ein Mädel (darf man das noch schreiben?) mal auf eine Bluna einlud. Heutzutage würde man dafür wohl ein 3-faches "LOL" ernten.


Zur Person: 

  • Alfons Batke blickt auf eine über 40-jährige journalistische Laufbahn zurück.
  • Der Autor lebt als freier Ruheständler in Lohne.
  • Den Autor erreichen Sie unter folgender E-Mail-Adresse: redaktion@om-medien.de

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