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Immer wieder freitags kommt die Erinnerung

Kolumne: Notizen aus dem wahren Leben – Freitag ist der Zukunftstag. „For Future“ heißt es international, und es hat absolut seine Berechtigung.

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„Immer wieder freitags kommt die Erinnerung – dubdidubitrallala“. Sie erinnern sich an diesen phänomenalen Song von Cindy & Bert? Schlappe 50 Jahre ist das fast her. Okay, ich flunkere ein wenig. Natürlich hieß der Songtext „Immer wieder sonntags…“ und handelte von irgendwelchen anonymen Musikanten aus Athen. Aber mitgeträllert haben wir doch alle…

Nun trällern andere und lassen uns irgendwie alt aussehen. Freitags ist der Zukunftstag. „For Future“ heißt es international, und es hat absolut seine Berechtigung. Vor allem junge Leute gehen auf die Straße. Sie spielen keine Bouzukis und bringen uns beileibe auch nicht das Glück nach Hause, sondern die dunkle Erkenntnis, dass wir auf einem Holzweg sind, wenn wir so weiter leben, wie wir leben.

Ach ne, diese Klimaschützer. Alles viel zu aufgebauscht und zu plakativ. Okay, junge Leute sind impulsiver als wir alten Strategen. Sie müssen sich erst einmal die Hörner abstoßen – das wird schon wieder. Und: Früher gab’s das auch.

"Und, ein schlichter Gedanke, selten waren Jugendproteste so friedlich wie heute. Es fliegen keine Steine, sondern nur Gedanken."Andreas Kathe

Ja, früher gab es das auch. Und es war längst nicht immer gut. Ein böses Beispiel: Die Nazizeit, in der die Jugend von den cleveren Hasspredigern der NSDAP missbraucht wurde. Sie gingen in Reih und Glied und dachten an eine heroische Zukunft. Kein Ruhmesblatt unserer Geschichte.

Ausnahmen gab es. Sophie Scholl und die Weiße Rose. Pflichtprogramm für alle Schüler. Wer sie kennt, verrennt sich nicht mehr in dunkle Ideologien. Oder unser Heimatseliger von Galen. Nun gut, kein junger Mensch, aber ein Mutiger. Und ein Vorbild für junge Leute heute, die sich Gedanken gemacht haben über dieses Vorbild. Der „Mut-Weg“ im Dinklager Burgwald gibt ein Zeugnis davon.

Was später kam, war die Studentenbewegung der 1960er und 1970er Jahre. Linkes Sektierertum, sicherlich gab es das. Aber auch den frischen Wind, der lüftete: „Unter den Talaren – Muff von 1000 Jahren“. Den gab es, in der Tat, und es war gut, dass vor allem junge Leute ihn hinwegfegten.

Den Muff, den erleben wir auch heute. Andere nennen es schlicht Bürokratie. Da sollen Schüler, die sich für ihre und unsere Zukunft einsetzen, gemaßregelt werden. Applaus, Applaus. So erzieht man brave Staatsbürger. Aber man bildet nicht – ein Hauptauftrag der Schule. Und, ein schlichter Gedanke, selten waren Jugendproteste so friedlich wie heute. Es fliegen keine Steine, sondern nur Gedanken. Kann es sein, dass die viel eher ein marodes Konstrukt zum Einsturz bringen?

Nun, mal halblang. Wir leben zum Glück in einer Demokratie, die keine Denkverbote kennen sollte. Junge Leute, die „immer wieder freitags“ für unsere Zukunft demonstrieren, sind keine Gefahr, sondern eine Bereicherung. „Dubdidubdidu – ich hör' die Bouzukis spielen. Grade so wie in der Freitagnacht, als das Glück uns dann nach Haus gebracht“. Hut ab for Fridays.


Zur Person: 

  • Der Journalist Andreas Kathe lebt in Dinklage. Lange Jahre war er Redakteur und Redaktionsleiter der OV.
  • Den Autor erreichen Sie unter: redaktion@om-medien.de

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