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Immer trittsicher: Essens Reiter bauen Ebbe-Flut-Platz

Das Projekt soll bis Jahresende abgeschlossen sein. Der wachsende Verein ist gut durch die Coronakrise gekommen. Sorgen bereiten jetzt die steigenden Futter- und Energiekosten.

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Reiten bald bei jedem Wetter: Silke Diekmann-Henlich und Markus Beylage-Haarmann freuen sich, dass der Ebbe-Flut-Platz endlich gebaut werden kann. Foto: G. Meyer

Reiten bald bei jedem Wetter: Silke Diekmann-Henlich und Markus Beylage-Haarmann freuen sich, dass der Ebbe-Flut-Platz endlich gebaut werden kann. Foto: G. Meyer

Die Bauarbeiten für den neuen Ebbe-Flut-Platz in Essen haben begonnen. Seit einigen Tagen schiebt ein Radlader die Erde auf dem rund 4000 Quadratmeter großen Trainingsgelände ab. Dort sollen demnächst auch Turniere stattfinden.

Und zwar bei fast jedem Wetter, wie Markus Beylage-Haarmann, stellvertretender Vorsitzender des örtlichen Reit- und Fahrvereins, erklärt. Ebbe-Flut-Plätze seien inzwischen das Nonplusultra im Reitsport. Sie würden die Feuchtigkeit des Bodens regulieren, sodass dieser an die jeweiligen Erfordernisse angepasst werden kann. Auf der gesamten Fläche wird dazu ein Drainagerohrsystem ausgelegt, über dessen Ausflussschächte das gesammelte Wasser je nach Bedarf abgelassen wird. Das System könne seine Vorteile sowohl bei nasser Witterung als auch bei großer Trockenheit ausspielen,  betont Beylage-Haarmann. Auf den Einsatz der Freiwilligen Feuerwehr kann der Reitverein deshalb künftig verzichten. Im Sommer hatte sie die Plätze immer wieder befeuchten müssen. "Dafür bedanken wir uns, aber eigentlich gehört das ja nicht zu ihren Aufgaben", ergänzt Vorsitzende Silke Diekmann-Henlich. 

Reithalle und Strohlager erhalten Solaranlage

Der Platz soll bis Jahresende fertig gestellt sein. Auch ein Flutlicht ist vorgesehen. Zweieinhalb Jahre hatte der Verein an der Realisierung gearbeitet. Ohne Fördermittel wäre die rund 348.000 Euro teure Investition nicht zu schultern gewesen, sagen die beiden Vorsitzenden übereinstimmend. 80 Prozent der Kosten teilen sich der Landessportbund, die Gemeinde Essen und der Landkreis. Die dem Reitstall gegenüberliegende neue Anlage ersetzt den bisherigen Turnierplatz. "Alles wird näher beieinander sein", berichtet Diekmann-Henlich stolz. Der bisherige Dressurparcours dient dann als  Abreiteplatz. Auf einer benachbarten Fläche ist auch eine 600 Meter lange Rennbahn geplant, auf der die Pferde galoppieren dürfen. Hinzu kommt die Sanierung des Strohlagers, dessen Statik inzwischen zu denken gibt. Das Lager erhält ebenso wie das Dach der Reithalle eine Solaranlage. Der Strommacher ist bereits bestellt.

Neuzugang: Pony Jette fühlt sich in Essen bereits heimisch. Foto: G. MeyerNeuzugang: Pony Jette fühlt sich in Essen bereits heimisch. Foto: G. Meyer

Denn wie in vielen Vereinen spielen die kletternden Energiekosten auch in Essen inzwischen eine größer werdende Rolle. Hinzu kommt das Futter für die 27 Pferde und Ponys. "Die Kosten dafür sind um gut 30 Prozent gestiegen", sagt Markus Beylage-Haarmann. Das zur Einstreu benötigte Stroh kaufte der Verein bereits für die nächsten 2 Jahre ein. Immerhin haben die Pferdeäpfel an Wert gewonnen. Auch um den Abtransport müssen sich die Reiter nicht mehr selbst kümmern. "Wir versuchen, wo es möglich ist, neue Einnahmen zu generieren", sagt Beylage-Haarmann. Schließlich müsse der Verein 4 festangestellte Mitarbeiter, darunter 3 Reitlehrer, bezahlen. 

Rund 150 Mädchen und Jungen steigen in Essen jede Woche in die Sättel. Hinzu kommt das Schulreiten, an dem inzwischen alle öffentlichen Schulen in der Gemeinde beteiligt sind. Ein Dutzend Vierbeiner steht dafür bereit. Mit Nachwuchspony Jette ist gerade ein neues Tier dazugekommen. Für die Stute musste der Verein ebenfalls deutlich mehr Geld auf den Tisch legen. "Auch die Züchter haben jetzt höhere Kosten", weiß Silke Diekmann-Henlich. Um die zusätzlichen Ausgaben aufzufangen, mussten die Essener die Boxenmiete auf 290 Euro anheben. "Damit bewegen wir uns im Vergleich aber noch immer auf dem unteren Level", betont Beylage-Haarmann. Letztlich müsse man kostendeckend arbeiten: "Alle weiteren Gewinne durch Sponsoreneinnahmen oder Turniere investieren wir dann in unsere Projekte."

In den vergangenen 3 Jahren ist der Verein um 50 Reiterinnen und Reiter angewachsen und zählt aktuell 247 Mitglieder. Boxen sind begehrt, bei Silke Diekmann-Henlich klingelt deswegen täglich das Telefon. Sie musste eine Warteliste anlegen. "Wir sind mit der Entwicklung nach der Pandemie zufrieden", sagt die Vorsitzende. Ohne die vom Staat zur Verfügung gestellten Corona-Finanzhilfen wäre es aber nicht gegangen. "Die Politik und der Landessportbund haben da einen guten Job gemacht", lobt Markus Beylage-Haarmann. Ob dies auch für die neue Krise gilt, bleibe abzuwarten. "Sie kommt bei den Menschen viel schneller im Portemonnaie an." Reiten sei zwar teurer, als andere Sportarten, solle aber trotzdem nicht nur der Oberklasse vorbehalten bleiben, betont der Essener. "Unser Ziel bleibt ganz klar, die Breite zu erhalten."

Aufmerksamer Blick: Die Boxen im Reitstall sind begehrt. Foto: G. MeyerAufmerksamer Blick: Die Boxen im Reitstall sind begehrt. Foto: G. Meyer

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