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Immer mehr Rufe nach Schnelltests für Kita-Öffnungen werden laut

Für diese Strategie treten der Kreis Vechta, die Caritas, der Bildungsverband VBE und Bakums Bürgermeister Averbeck ein. Der Kreis Cloppenburg nutzt derweil Schnelltests für die Kita-Notbetreuung.

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Rückkehr zur Normalität in Kitas: In Potsdam machen es Schnelltests möglich. Foto: dpa / Büttner

Rückkehr zur Normalität in Kitas: In Potsdam machen es Schnelltests möglich. Foto: dpa / Büttner

Potsdam macht es vor, wie Kita-Öffnungen in Corona-Zeiten möglich sein können: In der brandenburgischen Landeshauptstadt werden seit Anfang Februar Schnelltests in den Betreuungseinrichtungen eingesetzt, um Infektionen bei den Beschäftigten rechtzeitig zu erkennen. Zwei Mal die Woche nutzen sie einen Corona-Spucktest. Lob gab es dafür von Bundesfamilienministerin Franziska Giffey (SPD). Sie hatte dies beim Besuch einer Potsdamer Kindertagesstätte als "gute Möglichkeit zur sicheren Öffnung von Kitas und Schulen“ bezeichnet.

Für diese oder eine ähnliche Vorgehensweise gibt es auch im Oldenburger Münsterland immer mehr Befürworter. Derzeit gilt für Kitas, dass sie im Lockdown ausschließlich für eine Notbetreuung geöffnet haben – also für maximal bis zu 50 Prozent der Kinder je Gruppe. Ein Überblick:

Die Caritas:

Der Landes-Caritasverband für Oldenburg (LCV) ist für die Fachberatung der Kitas in kirchlicher Trägerschaft in der Region zuständig. Gabriele Becker, Leiterin des LCV-Referats Kindertagesstätten, sagte: "Die gesamte Öffnung der Kita ist sowohl für alle Kinder als auch für die Eltern ein zentraler Schritt hin zu mehr Normalität." Klar sei, "dass dadurch das Infektionsgeschehen nicht wieder nach oben getrieben werden darf". Um das Risiko zu mindern, seien eine Impfung und auch Schnelltests "gute Instrumente". Beides habe allerdings freiwillig zu sein.

"Mit den Möglichkeiten, die die neuen Speicheltests und andere Verfahren bieten, wird es kurzfristig jedem möglich sein, sich selbst zu testen und somit für ein höheres Maß an Sicherheit zu sorgen."Tobias Averbeck, Bürgermeister von Bakum

Becker plädierte zudem dafür, dass die Öffnung der Kitas von den Landkreisen – abhängig vom Inzidenzwert (Fälle pro Woche auf 100.000 Einwohner) – getroffen werden sollte. Und: "Die Kosten für Schnelltests und deren Anwendung dürfen nicht auf die Kitas abgewälzt werden."

Bürgermeister Tobias Averbeck (CDU):

Der Bakumer Rathauschef gehört der kommunalen Arbeitsgruppe für den Bildungsbereich im Landkreis Vechta an. Er ist zudem Mitglied im Schulausschuss des Spitzenverbandes Niedersächsischer Städte- und Gemeindebund. Er forderte "eine planbare Perspektive" für die Kita-Öffnung. Diese würde sich "mit einer praktikablen Schnelltest-Strategie" eröffnen.

Averbeck argumentierte: "Mit den Möglichkeiten, die die neuen Speicheltests und andere Verfahren bieten, wird es kurzfristig jedem möglich sein, sich selbst zu testen und somit für ein höheres Maß an Sicherheit zu sorgen." Er verwies auch darauf, dass die Impfungen "langsam, aber sicher" vorankämen. Das könne auch Erzieherinnen und Erziehern mit einer Änderung der Priorisierung zu Gute kommen, sagte er mit Blick auf entsprechende Pläne des Landes.

Averbeck sprach sich für den Einsatz von Schnelltests zur Kita-Öffnung aus, weil die Kinder "die Interaktion mit Gleichaltrigen" bräuchten, "gerade jetzt nach einem so langen Zeitraum fernab ihrer Freunde in der Kita". Für die Eltern sei der Einsatz von Schnelltests zur Kita-Öffnung wichtig, "um den Spagat zwischen Erziehung, Homeschooling und Beruf besser bewältigen zu können".

Averbeck lehnte aber örtliche Sonderwege ab. "Eine Öffnungsstrategie sollte (...) nur für das gesamte Land entworfen werden und nicht lokal oder regional von Inzidenzwerten abhängig gemacht werden", sagte er. Denn: Die Inzidenz bilde das Infektionsgeschehen eines Zeitraumes ab, der bis zu zwei Wochen zurück liege. Und der Inzidenzwert könne "durch punktuelle große Infektionsgeschehen, die durchaus gut abgegrenzt werden können, in große Höhen schießen". In einem solchen Fall wäre bei einer lokalen oder regionalen Strategie "die Öffnung ganz schnell wieder vorbei".

Verband Bildung und Erziehung (VBE):

Als "eine gute Idee" bezeichnete der VBE-Landesvorsitzende, Franz-Josef Meyer aus Langförden, den Einsatz von Schnelltests, um Kitas sowie Schulen zu öffnen. Es müsse sich allerdings um zertifizierte Testkits handeln. Ebenso sei eine fachliche Einweisung erforderlich.

Fordert Schnelltests für Kita-Beschäftigte: Franz-Josef Meyer, Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung. Foto: BilderprofiFordert Schnelltests für Kita-Beschäftigte: Franz-Josef Meyer, Vorsitzender des Verbandes Bildung und Erziehung. Foto: Bilderprofi

Kitas und Schulen dürften allerdings nicht mit zusätzlichem Verwaltungsaufwand belastet werden. Die Dokumentation zu den Tests sollte von Hausärzten vorgenommen werden, mit denen die Träger der Einrichtungen Verträge abschließen.

Landkreis Vechta:

Die Behörde sei "der Meinung, dass regelmäßig Schnelltests in den Kitas durchgeführt werden müssen", sagte Kreissprecher Jochen Steinkamp. Er kritisierte zudem, dass Kultusminister Grant Hendrik Tonne (SPD) bereits "vor geraumer Zeit angekündigt“"habe, Erzieherinnen und Erziehern einen kostenlosen Schnelltest in der Hausarztpraxis zu ermöglichen. Zwischen der Ankündigung und der Umsetzung vergehe "wieder einmal zu viel Zeit", monierte Steinkamp.

Er unterstrich: "Wir nehmen den Minister beim Wort und haben bereits über den Landkreistag darauf gedrängt, dass diese Testmöglichkeit zeitnah auch den Kitas eröffnet wird." Nach Informationen der Verwaltung soll der Abschluss der Vereinbarung zwischen Kassenärztlicher Vereinigung, kommunalen Spitzenverbänden und Ministerium "noch in dieser Woche erfolgen". Sollte es keine schnelle Lösung geben, hätten die Städte und Gemeinden bereits "Übergangslösungen angekündigt".

Der Landkreis hält die Abstrichtestung mit Antigen-Schnelltests, die nur von geschultem Personal durchgeführt werden darf, für aussagekräftiger als die Spucktests. "Deshalb unterstützen wir auch das Konzept der Testungen in Arztpraxen", sagte Steinkamp. Würden die Schnelltest-Kits allein den Kitas überlassen, wie es im Landkreis Cloppenburg derzeit erfolge, sei das "suboptimal".

Landkreis Cloppenburg:

Hier wird ein eigener Weg beschritten: Die Verwaltung unterstützt laut Kreis-Sprecher Frank Beumker die Zehn-Punkte-Agenda des Ministeriums und plädiert somit nicht für vorzeitige Kita-Öffnungen auf der Grundlage von Schnelltests. Allerdings habe der Landkreis Cloppenburg in eigener Initiative den Kitas und den selbstständigen Kindertagespflegepersonen vor zwei Wochen Schnelltests kostenfrei zur Verfügung gestellt. Für 26.000 Testkits investiere der Landkreis etwa 190.000 Euro.

Dabei handele es sich um zwei Schnelltests in der Woche pro Erzieherin oder Tagesmutter für den Einsatz in der Notbetreuung. "Die zur Verfügung gestellten Tests (...) sollen bis Ostern den Bedarf decken", sagte Beumker. Das Land sei zwar dran am Thema, freiwillige Corona-Schnelltests für Lehrkräfte und Kitapersonal bis zu den Osterferien einmal wöchentlich anzubieten. "Allerdings mangelt es derzeit noch an der praktischen Umsetzung", kritisierte auch Beumker.

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