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Imkern liegt im Oldenburger Münsterland im Trend

Die Vereine berichten von einem Anstieg an Mitgliedern und Interessenten für Schulungen. Denn für das Wohlergehen der Bienen benötigt es Fachwissen.

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Geschäftiges Treiben: Heiner Meyerrose kümmert sich in seinem Garten in Borringhausen bei Damme um seine Bienen. Foto: E. Wenzel

Geschäftiges Treiben: Heiner Meyerrose kümmert sich in seinem Garten in Borringhausen bei Damme um seine Bienen. Foto: E. Wenzel

Bienen retten ist angesagt. Auch im Oldenburger Münsterland bemerken die Vereine einen Anstieg an Interessenten für die Imkerschulungen und mehr Blühstreifen für Wildbienen.  Doch wie geht es diesen Insekten eigentlich und was wird getan, damit es ihnen gut geht?

"Den Bienen hier geht es relativ gut, solange der Imker sie unterstützt", verrät Heiner Meyerrose. Er ist seit 20 Jahren Imker in Damme und stellvertretender Vorsitzender des örtlichen Imkervereins. Wenn er von "den Bienen" spricht, meint er die Honigbienen in den Völkern der Imker. Doch auch Wildbienen und andere Insekten brauchen menschliche Hilfe, erklärt Meyerrose. Mit Nisthilfen und vielfältigen Blühflächen kann ihnen diese geboten werden. "Da kann auch jeder im eigenen Garten viel tun." 

Schlechtes Wetter macht es Wildbienen schwer

Dabei ist das Thema Bienensterben seit einiger Zeit so populär, dass sich für den Schutz der Wildbienen in der Region schon einiges positiv verändert hat. Das stellt Werner Kühling fest, er imkert seit 40 Jahren in Cloppenburg. "Die Blühstreifen und die Veränderung in der Landwirtschaft sind schon bemerkbar." Vor allem das schlechte Wetter dieses Jahr führte aber trotzdem zu einem schlechten Stand für die Wildbienen, erläutert Kühling. "Man sieht ja kaum Wespen aktuell, bei dem Regen können die Insekten ihre Brut und Nester nicht trocken halten."

Fleißige Bienchen: Das Bienenvolk von Heiner Meyerrose bei seiner Arbeit - der Honigproduktion. Foto: E. WenzelFleißige Bienchen: Das Bienenvolk von Heiner Meyerrose bei seiner Arbeit - der Honigproduktion. Foto: E. Wenzel

Der regnerische Frühling setzte auch der Honigernte zu, so Alfred Hermes. Er imkert seit rund 25 Jahren in Langförden. Gerade der Blütenhonig ist dieses Jahr besonders rar, erklärt er. "Wir mussten die Bienen dieses Jahr so lange zufüttern wie noch nie." Auch Meyerrose berichtet, dass wegen der Kälte im Frühjahr weniger Honigertrag gab. Aber das Wetter sei immer nur ein temporäres Problem, stellt Werner Kühling klar. Das sei der Unterschied zu Seuchen und Parasiten, die den Bienen schaden.

Die "Amerikanische Faulbrut" fürchten die Imker – sind sich aber einig, dass sie das Bakterium im Oldenburger Münsterland gut im Griff haben. Seit langer Zeit sei kein Fall mehr bekannt geworden, sagt Meyerrose. Dafür geben die Imker regelmäßig Proben ihres Honigs zur Überprüfung an den Kreisimkerverband. Um die anzeigepflichtige Bienenseuche nicht zu fördern, empfehlen Imker, Honiggläser ausgespült in den Container zu werfen. Die Faulbrut ist auch für den Menschen ungefährlich, beruhigt Heiner Meyerrose, sie beschädigt die Brut der Bienen.

Honiggläser vor dem Wegschmeißen ausspülen

Größere Probleme macht den Südoldenburger Imkern stattdessen die Varroa-Milbe. Die Parasiten, die sich in der Brut vermehren, sind oft Grund für ein Bienensterben. Für die Arbeit der Imker ist es deswegen wichtig, dass eine gewisse Milbenanzahl in der Brut nicht überschritten wird, erklärt Meyerrose. Heutzutage werden die Milben nur noch biologisch bekämpft, ergänzt Hermes, zum Beispiel durch Ameisensäure, die den Bienen nichts ausmacht.

Um alles über Krankheiten, ihre Erkennung, Vorbeugung und Bekämpfung zu lernen, besuchen angehende Imker zuerst eine Schulung. Diese bietet beispielsweise der Kreisimkerverein Vechta an. Theorie und Praxis wird gelehrt, wie zum Beispiel der Umgang mit einem Bienenvolk oder das Honig schleudern, erklärt Alfred Hermes. Als Mitglied im Imkerverein Vechta stellt er fest, dass die Kurse aktuell sehr gut besucht sind. Das liegt nicht nur daran, dass sie seit eineinhalb Jahren pandemiebedingt ausfallen mussten. Imkern liegt als Hobby im Trend, stellen die Vereine in Vechta und Cloppenburg durch vermehrte Anfragen und Mitgliederzuwachs fest.

Hausbewohner: Die Bienen von Heiner Meyerrose haben ein ganz besonderes Quartier. Foto: E. WenzelHausbewohner: Die Bienen von Heiner Meyerrose haben ein ganz besonderes Quartier. Foto: E. Wenzel

"Imkern kann erstmal jeder", sagt Alfred Hermes. Aber um Honig zu verkaufen, benötige es ein Zertifikat, das man bei der Schulung erwerben kann. Die Imker aus dem Oldenburger Münsterland raten  davon ab, ohne Fachwissen mit dem Hobby zu starten. Auch wenn das zu Corona-Zeiten Geduld erforderte. "Einfach so anzufangen gefährdet auch den Tierschutz", betont Andreas Richter, der erste Vorsitzende des Imkervereins Vechta. Nachwuchs ist gerne gesehen. "Es ist ein Vorteil für die Bienen und die Natur, wenn es mehr Imker gibt", freut sich Hermes.

Unter den Neu-Imkern seien heutzutage auch mehr Frauen und die Altersgruppen seien auch durchmischt, berichtet der erfahrene Imker. Werner Kühling glaubt, dass viele der Jung-Imker dem Hobby nur für eine kurze Zeit nachgehen. Auch Alfred Hermes hat die Erfahrung gemacht, dass viele aufgeben, wenn sie merken, wie viel Arbeit hinter der Imkerei steckt. "Das ist wirklich viel Arbeit", betont Hermes. 

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