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Im Westen gibt es leider immer noch nichts Neues

Gästebuch: Ein Cloppenburger Unternehmen macht seit ein paar Wochen "in" Pazifismus und liefert auf meterhohen Plakaten ein Zitat des berühmten Autors Erich Maria Remarque.

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Er hatte eine Affäre mit Marlene Dietrich. Und wohl auch mit Greta Garbo. Die Ehe schloss er mit Paulette Goddard, die zuvor mit Charlie Chaplin verheiratetet war. Der gelernte Lehrer aus Osnabrück hatte Schlag bei Frauen und ließ wenig anbrennen. Er wurde als zweites von 4 Kindern in Osnabrück geboren und war Nachfahre einer aus Frankreich eingewanderten Familie.

Nach dem Besuch der Domschule studierte er auf Lehramt und legte im Juni 1919 erfolgreich die Lehramtsprüfung ab. Er arbeitete dann als Volksschullehrer in Lohne, heute Grafschaft Bentheim, anschließend in Klein Berßen im damaligen Kreis Hümmling, heute Landkreis Emsland, und ließ sich dann vom Schuldienst beurlauben.

Remarques Bücher fielen 1933 den Flammen zum Opfer

Erich Remark war zu Höherem geboren. In Erinnerung an seine französische Herkunft nannte er sich "Remarque" und in Verehrung für Rilke fügte er dem Vornamen "Maria" hinzu. Weltweit berühmt wurde er durch den Roman "Im Westen nichts Neues". Sein berühmtestes Werk ist geprägt von seinen Kriegserlebnissen. Lebenslang litt er unter den fürchterlichen Zuständen in den Schützengräben und entwickelte von da an eine Haltung, die von den meisten Biografen seiner Werke als pazifistisch-antimilitaristisch bewertet wird.

Nationalsozialistische Schlägertrupps im Auftrag des Gauleiters Joseph Goebbels hatten schon die deutsche Erstaufführung des oscargekrönten Hollywood-Antikriegsfilms "Im Westen nichts Neues" in Berlin verhindert, Störaktionen im gesamten Reichsgebiet folgten. Nach der Ernennung Hitlers zum Reichskanzler wurde "Im Westen nichts Neues" in Deutschland endgültig verboten. Remarques Bücher wurden währen der Bücherverbrennung 1933 ein Opfer der Flammen. Seine deutsche Staatsbürgerschaft erkannten die Nazis ihm ab.

"Erich Maria Remarque hat zeitlebens alles dafür getan, dass so etwas nicht wieder passiert."Otto Höffmann

"Ideen und Erfahrung" lautet der Werbespruch der Firma Kleier in Cloppenburg an der Emsteker Straße. Das Unternehmen macht "in" Baustoffe, Fliesen und Garten. Und seit ein paar Wochen auch "in" Pazifismus. Viele Mitbürger engagieren sich seit dem Überfall Russlands auf die Ukraine für das geschundene Volk. Spenden ohne Ende, blau-gelbe Fahnen der Solidarität. Wir sind alle sind nach wie vor fassungslos, dass wir das mitten in Europa noch wieder erleben müssen.

Erich Maria Remarque hat zeitlebens alles dafür getan, dass so etwas nicht wieder passiert. Wie man heute sieht, immer wieder von Rückschlägen gezeichnet. Die Firma und Familie Kleier erinnern daran und haben an ihrem Firmengebäude zwei metergroße gedruckte Plakate angebracht. Darauf folgendes Zitat von Erich Maria Remarque aus Osnabrück: "Ich dachte immer, jeder Mensch sei gegen den Krieg, bis ich herausfand, dass es welche gibt, die dafür sind, besonders die, die nicht hingehen müssen." Treffender kann man es nicht sagen.

"Die Väter schicken die Söhne in den Krieg, statt selber zu gehen"

Dank dafür dem Cloppenburger Unternehmer. Die meisten von uns haben die Katastrophe in der Ukraine nicht vorhergesehen. Einige warnten. Vergeblich. Man hatte sich eingerichtet. Auf sicheren Rohstoff aus der Pipeline und einen angeblich "lupenreinen Demokraten". Dumm gelaufen. Aus dem Mann ist ein "lupenreiner Diktator" geworden.

Pierre Paolo Pasolini, der berühmte Filmemacher Italiens, brachte es folgendermaßen auf den Punkt: "Die Väter schicken die Söhne in den Krieg, statt selber zu gehen." Beide Künstler sind schon lange nicht mehr unter uns, doch ihre Feststellungen sind bedrückend aktuell. Daran erinnert in diesen schweren Tagen auch das demonstrative Plakat an Kleiers Hauswand.


Zur Person:

  • Otto Höffmann ist Rechtsanwalt in Cloppenburg.
  • Den Autor erreichen Sie unter der E-Mail-Adresse redaktion@om-medien.de.

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