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Im Steinfelder Bierkontor gibt es die große Vielfalt von Hopfen und Malz

Daniel Thörner betreibt einen Fachhandel für Craft Beer. Der Hobbybrauer bietet in seinem Laden – "eine Vinothek, nur mit Bier" – mehr als 90 Sorten aus unterschiedlichen Ländern an.

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Bei ihm ist Hopfen und Malz nie verloren: Daniel Thörner präsentiert ein Veto Schokobär; ein Stout, dem die Kombination verschiedener Malzsorten eine Schoko- und Röstmalznote verleiht. Foto: Timphaus

Bei ihm ist Hopfen und Malz nie verloren: Daniel Thörner präsentiert ein Veto Schokobär; ein Stout, dem die Kombination verschiedener Malzsorten eine Schoko- und Röstmalznote verleiht. Foto: Timphaus

Im Steinfelder Ortskern braut sich etwas zusammen: Seit Mitte November betreibt Daniel Thörner an der Großen Straße 15, im Haus ehemals Beavan, einen Fachhandel für Bierspezialitäten. In seinem Steinfelder Bierkontor gibt es mehr als 90 verschiedene Sorten Craft Beer zu entdecken.

Doch was ist das überhaupt? Und wie unterscheidet es sich vom klassischen Pils? Craft Beer bedeutet – wörtlich übersetzt – nichts anderes als handwerklich gebrautes Bier, ohne Zusätze oder Hilfsmittel. Seinen Ursprung nahm die Bewegung im Amerika der 1970er. Weil der US-Biermarkt zu jener Zeit wenig abwechslungsreich war, begannen passionierte Biertrinker kurzerhand, ihr Bier selbst zu brauen – als Alternative zum Massenprodukt. Die Szene wuchs und veränderte die Branche – manche sprechen auch von der „Craft Beer Revolution“.

Seit einigen Jahren ist der Trend in Deutschland angekommen. Craft Beer ist zwar ein Nischenprodukt, das sich aber durch Kreativität und Experimentierfreude auszeichnet – und so den Weg in die Kühlschränke der Republik geschafft hat.

Vielfältige Auswahl: Mehr als 90 verschiedene Craft–Beer-Sorten sind in dem Laden an der Großen Straße 15 zu finden.Vielfältige Auswahl: Mehr als 90 verschiedene Craft–Beer-Sorten sind in dem Laden an der Großen Straße 15 zu finden.

Bei Daniel Thörner fing alles während des Wehrdienstes 2008 im fränkischen Roth an. „Dort gibt es eigentlich an jeder Ecke eine eigene Brauerei. So habe ich die Vielfalt des Bieres entdeckt.“ Dann schenkte ihm seine Freundin einen Braukasten. „Der erste Versuch schmeckte fürchterlich“, erinnert sich der 33-Jährige. Doch damit war sein Ehrgeiz geweckt. Thörner kaufte sich Bücher und las sich in die Materie ein, schaute unzählige Youtube-Videos. „Mittlerweile sind mir einige gute Biere gelungen“, sagt der Hobbybrauer. So entstand zwangsläufig der Kontakt zur Craft-Beer-Szene.

Im vergangenen Sommer, während der Rückreise aus dem Urlaub in Bern, entdeckte er am Bahnhof einen kleinen Laden, in dem ausschließlich Craft Beer verkauft wurde. Thörner war sofort Feuer und Flamme. „Das fand ich richtig cool“, sagt er. „Diese Idee hat mich nicht mehr losgelassen.“

Beim Online-Handel fehlt ihm das Persönliche

Der Steinfelder arbeitet im Strategischen Einkauf bei Boge Rubber & Plastics in Damme. Aufgrund der Corona-bedingten Kurzarbeit hatte er Zeit – und aus der fixen Idee entwickelte sich ein Start-up-Projekt, mit Benchmarking und Business Plan. Thörner kam dabei sein Studium der Technischen Betriebswirtschaft in Hamburg zugute. „Anfangs habe ich über einen Online-Handel nachgedacht. Aber da fehlte mir das Persönliche.“ Eine große Hilfe sei ihm während der Gründungsphase die kostenlose Beratung der Industrie- und Handelskammer (IHK) gewesen. „Das hat mir wirklich viel gebracht.“

Das Steinfelder Bierkontor will er zunächst nebenberuflich betreiben. „Ich arbeite viel von zu Hause und bin zeitlich flexibel.“ Den Start – aufgrund der Corona-Pandemie wählte er ein „Soft Opening“ ohne großes Trara – bezeichnet er als gelungen, auch weil er „ganz viel Support“ durch seinen Freundes- und Bekanntenkreis erfahren habe.

Laden soll sich vom örtlichen Getränkehandel abheben

Der Steinfelder sprüht vor Ideen. Im Gespräch tritt immer wieder sein großes Fachwissen über die verschiedenen Braustile, Hopfenarten oder generell die Geschichte der Braukunst zu Tage, das er sich im Laufe der Jahre angeeignet hat. Mit dieser Expertise möchte er in der persönlichen Beratung überzeugen. „Ich will mich vom örtlichen Getränkehandel abheben.“

Das soll auch durch die Ausrichtung von Tastings mit Fingerfood und Hintergrundwissen zu den verköstigten Biersorten, besonderen Aktionen zum Beispiel zum St. Patrick's Day oder einem „Bartag“ gelingen. Auch einen Außer-Haus-Verkauf oder die Teilnahme als besondere Attraktion an Geburtstagsfeten oder Firmenfeiern – „vielleicht mit einer umgebauten Vespa Ape“ – kann sich er vorstellen.

"Craft Beer ist kein Krombacher und Co."

Der leidenschaftliche Segler bezeichnet seinen Laden im Boutique-Stil als „Vinothek, nur mit Bier“. 94 verschiedene Brauprodukte, auch alkoholfrei, aus unterschiedlichen Ländern bietet Thörner an. „Das Sortiment wird sich ständig ändern.“

Als eine Herausforderung sieht er es, den Kunden zu erklären, dass „Craft Beer kein Krombacher und Co. ist“. Thörner betont: „Masse gibt es bei mir nicht.“ Wer ins Steinfelder Bierkontor komme, müsse eine gewisse Offenheit mitbringen – deshalb auch das Motto „ProBIER mal was anderes“. Für den Jungunternehmer ist der Fachhandel „ein Experiment, mal sehen, was die Zukunft bringt“.

Reinheitsgebot und Craft Beer schließen sich nicht aus

Übrigens: Die allermeisten Craft-Beer-Sorten werden konform zum deutschen Reinheitsgebot gebraut – bestehen also aus Hopfen, Malz, Hefe und Wasser. Sonst nichts. Neue Geschmacksrichtungen entstehen vor allem durch die Vielfalt der etwa 200 unterschiedlichen Hopfensorten, die es gibt. Die Nuancen reichen von Citrus bis Stachelbeere, Ananas bis Wacholder.

Weiter greifen viele Craft-Beer-Brauer auf uralte, längst vergessene Stile und Verfahren zurück und lassen diese wieder aufleben. Aber natürlich gibt es auch jene, die mit exotischen Früchten oder Gewürzen experimentieren. Sie dürfen ihre Erzeugnisse in Deutschland aber nicht als Bier im Sinne des Reinheitsgebots anbieten.

  • Info: Das Steinfelder Bierkontor (Große Straße 15) ist donnerstags und freitags von 17 bis 20 Uhr sowie samstags von 10 bis 14 Uhr geöffnet. Daniel Thörner ist telefonisch unter 0160/94672346 sowie per E-Mail an info@steinfelder-bierkontor erreichbar. Näheres gibt es auch unter www.steinfelder-bierkontor.de.
Ein echter Kenner von Hopfen und Malz: Daniel Thörner hat sich im Laufe der Jahre ein enormes Fachwissen angeeignet. Foto: TimphausEin echter Kenner von Hopfen und Malz: Daniel Thörner hat sich im Laufe der Jahre ein enormes Fachwissen angeeignet. Foto: Timphaus

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