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Im Rausch der Geschwindigkeit

Kolumne: Batke dichtet – Die Schnelligkeit ist die DNA unserer Gesellschaft. Auch die neue Bundesregierung traut sich nicht, die Höchstgeschwindigkeit auf den Autobahnen auf 130 km/h einzubremsen.

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Heute drücken wir aufs Tempo. Es geht um die Geschwindigkeit. Aha, werden Sie denken, ein passendes Thema zur Wetterlage hat sich der Schreiber da ausgesucht. Denn temporeich ging es zu, als „Ylenia“ und „Zeynep“ über uns hinwegfegten – nicht ganz so wuchtig wie der ältere Bruder „Kyrill“ vor 15 Jahren, aber auch ganz schön heftig. Obwohl – das mit den Namen ist ziemlich irreführend, verharmlosend sogar. Bei „Ylenia“ finden wir im Griechisch-Langenscheidt „Die Schöne“ und das Arabisch-Wörterbuch übersetzt „Zeynep“ mit „Wüstenblume“. Warum heißen solche Stürme nicht „Wotan“ oder – wenn es unbedingt ein weiblicher Vorname sein muss – „Xanthippe“?  

Aber zurück zum Thema. Mit der Geschwindigkeit ist das so eine Sache. Reden wir über Radim Passer. Den Namen kannte ich vorher auch nicht, aber man kann ja auch nicht jeden Multi-Millionär kennen. Herr Passer jedenfalls, tschechischer Staatsbürger, war im vergangenen Sommer auf der A2 zwischen Berlin und Hannover schneller unterwegs als die zusammengerechneten Höchstgeschwindigkeiten von „Ylenia“ und „Zeynep“: Seinen 1500 PS starken Bugatti Chiron jazzte er mal eben auf 417 km/h hoch und stellte das von der Bordkamera aufgenommene Filmchen dann auch Anfang des Jahres mit stolzgeschwelltem Bleifuß ins Netz.

Jetzt, so hören wir, ermittelt die Staatsanwaltschaft Stendal gegen den flinken Tschechen wegen eines „Alleinrennens“. Aufgrund eines potenziell gefährlichen Eingriffs in den Straßenverkehr drohen dem Unternehmer, der mit Großbauten sein Geld macht, schlimmstenfalls 2 Jahre Haft, zumindest aber eine saftige Geldstrafe. Der fünffache Vater, dessen Vermögen auf auf knapp 250 Millionen Euro geschätzt wird, würde es wohl aus der Portokasse zahlen.

"Die deutschen Autobahnen, das ist bekannt, bleiben ein Paradies für die PS-Protzer aus aller Welt." Alfons Batke

Die deutschen Autobahnen, das ist bekannt, bleiben ein Paradies für die PS-Protzer aus aller Welt. Findige Reiseveranstalter bieten Speed-Erlebnisurlaube im Testarossa oder Panamera und bewerben ihre Touren mit blumigen Worten: „Die Ferien genießen und dabei dem Rausch der Geschwindigkeit frönen. Kein Problem! Erholen Sie sich in den Fahrpausen in exklusiven Hotels und laben Sie sich an den leckeren Gerichten der deutschen Küche.“  

Entgegen allen Prognosen traut sich auch die neue Bundesregierung nicht, die Höchstgeschwindigkeit auf den Autobahnen auf 130 km/h einzubremsen. Die Schnelligkeit ist nun einmal die DNA unserer Gesellschaft. Nicht umsonst haben wir mit Michael Schumacher einen Rekord-Weltmeister der Formel 1 in unseren Reihen – oder einen Sebastian Vettel, der ihm kaum nachsteht. Und werfen wir einen Blick zu den Winterspielen ins ferne Peking: Wo holten unsere Olympioniken 80 Prozent der Goldmedaillen? Im Eiskanal natürlich – die Rodlerinnen und Rodler, die Skeletonis, die Bobpiloten, einfach nicht zu schlagen.  

Aber insgesamt müssen wir langsamer werden. Entschleunigung, Sie wissen schon. Fangen wir behutsam damit an. Wie wär's mit einem Tempolimit für ausländische Multi-Millionäre? Sagen wir mal 300 km/h. 


Zur Person: 

  • Alfons Batke blickt auf eine über 40-jährige journalistische Laufbahn zurück.
  • Der 66-Jährige lebt als freier Ruheständler in Lohne.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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