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Im Internet falsch abgebogen?

Kolumne: Die Generation Z zeigt's Ihnen – Das Internet ist ein fast unkontrollierbarer Raum. Dabei besteht die Gefahr, dass Fakten und Meinungen immer mehr an Abgrenzung zueinander verlieren.

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„Im Internet falsch abgebogen“ ist eigentlich ein Format aus dem ZDF-Magazin Royal. Der Satiriker und zugleich Moderator der Show, Jan Böhmermann, stellt innerhalb dieses Formats in kurzen Videoclips dar, was eigentlich alle Internet-Nutzer selbst schon mal erlebt haben. Beim Surfen durch das World Wide Web wird schnell mal auf einen falschen Link geklickt, ein vermeintlich interessanter und vielversprechender Artikel aufgerufen oder ein unglaublich praktisches Produkt beworben. Ob Clickbait oder nicht: Böhmermann stellt humoristisch dar, dass das „falsche Abbiegen“ im Internet zu einem unkontrollierten Konsumverhalten von Inhalten führt. So habe er (nicht wirklich) nach dem falschen Abbiegen in einem Clip beispielsweise sechs süße Passauer Dackel für die ZDF-Redaktion bestellt. Soweit so lustig. Doch was bedeutet das falsche Abbiegen eigentlich bezogen auf Fakten und Fake News? Was ist, wenn die von Böhmermann dargestellte Absurdität eigentlich einen ganz bitteren Beigeschmack hat?

Jeder Nutzer ist im Internet für sich unterwegs, kann sich seine eigenen Quellen heranziehen und seine Meinung ungefragt ins Netz stellen. Auf der einen Seite ist das natürlich ein Reiz und ermöglicht eine neue Form der Individualität und Meinungsfreiheit. Menschen mit denselben Ansichten und Einstellungen finden häufiger zusammen. Insbesondere Menschengruppen, die gesellschaftlich unterdrückt oder bisher nicht gehört wurden, ermöglicht die gemeinsame Mobilisierung das Sichtbarwerden. So können die Menschen beispielsweise für ihre eigenen Rechte kämpfen und einstehen, wie aktuell die Proteste im Iran sehr eindrücklich verdeutlichen. Nicht umsonst unternimmt das Mullah-Regime schließlich fast alles, um das Internet im Iran weiterhin zu blockieren. Die Kraft der Mobilisierung ist nämlich sehr stark.

„Menschen suchen immer nach einer Bestätigung ihrer Meinung. Und im Internet gibt es für fast jede Meinung die passenden, teilweise selbst geschaffenen ‚Fakten‘.“Tobias Thomes

Doch von dieser Kraft kann leider auch eine sehr große Gefahr für die Demokratie ausgehen. Menschen suchen immer nach einer Bestätigung ihrer Meinung. Und im Internet gibt es für fast jede Meinung die passenden, teilweise selbst geschaffenen ‚Fakten‘. Fake News sozusagen. Sie sind oftmals kaum überprüfbar und schaffen eine falsche Glaubwürdigkeit, die durch teilweise richtige Fakten unterstützt werden. Das macht eine Differenzierung von Fake News besonders schwer. Meinung und Fakt verschwimmen so zunehmend miteinander.

Oftmals zielen solche Fake News auf bestimmte Emotionen ab und werden durch die sozialen Medien rasant verbreitet. Das kann gefährlich werden, zumal immer mehr Menschen sich ihre Informationen und "Fakten" aus Social Media ziehen. Doch ein Recht auf eigene Meinungsfreiheit ist nun mal kein Recht auf eigene Fakten. Also: Aufpassen und schauen, wo man abbiegt! Nur mit denselben Fakten können wir in einer Demokratie auf den kleinstmöglichen gemeinsamen Nenner kommen. 


Zur Person:

  • Tobias Thomes ist Volontär der OM-Medien
  • Sie erreichen den Autor unter der E-Mail-Adresse redaktion@om-medien.de

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