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Im Gulfhaus wird gebüffelt statt gechillt

In Vechta bietet die Jugendpflege zehn Kindern die Möglichkeit zum Homeschooling. Zuhause fehlen den Schülern oft der Platz und die nötige Technik. Sie verlegen den Unterricht ins Jugendzentrum.

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Unterricht mit digitaler Unterstützung: Im Gulfhaus können zehn Schüler in Ruhe am Computer arbeiten. Bei Fragen steht Praktikant Mike Meyer den Kindern mit Rat und Tat zur Seite. Foto: Speckmann

Unterricht mit digitaler Unterstützung: Im Gulfhaus können zehn Schüler in Ruhe am Computer arbeiten. Bei Fragen steht Praktikant Mike Meyer den Kindern mit Rat und Tat zur Seite. Foto: Speckmann

Normalerweise treffen sich die jungen Leute im Gulfhaus, um vergnügliche Stunden zu verbringen. Zusammen spielen, etwas kochen oder einfach nur chillen. In diesen Tagen dient das Jugend- und Kulturzentrum der Stadt Vechta als Lernort. Mehrere Schüler büffeln vor Computern und Büchern. Sie lösen Mathe-Aufgaben, schreiben Aufsätze oder lernen Grammatik. Es ist der klassische Fernunterricht in Zeiten der Corona-Pandemie.

"Wir geben den Schülern Raum - personell und sachlich."Sebastian Krause, Leiter des Gulfhauses

Das Besondere an diesem Homeschooling ist, dass die Kinder ausnahmsweise nicht zuhause sind. Sie haben die Möglichkeit, die Vormittage unter dem Dach des Gulfhauses zu verbringen, wo sie gute Voraussetzung für die Teilnahme am Online-Unterricht ihrer Schulen vorfinden. "Wir geben den Schülern Raum - personell und sachlich", sagt Einrichtungsleiter Sebastian Krause.

Er sieht die Situation der Schulen im Landkreis Vechta, die aufgrund der hohen Infektionszahlen seit Wochen geschlossen sind. Besonders hart trifft es Kinder, die beengt wohnen, die finanziell benachteiligt sind. Sie verfügen häufig nicht über den nötigen Platz und die technischen Möglichkeiten, um dem digitalen Unterricht zu folgen. Hier klafft die Bildungsschere durch Corona weiter auseinander.

Der Sozialpädagoge und sein Team versuchen hier zu helfen, indem sie zehn Schülern eine kostenlose Betreuung anbieten. Dabei handelt es sich vorwiegend um Kinder, die zuhause nicht vernünftig lernen können, weil ihnen beispielsweise zuverlässige Internetverbindungen und Endgeräte fehlen oder auch Sprachbarrieren in die Quere kommen, sofern die Familie einen Migrationshintergrund hat.

Schulen helfen bei der Vermittlung

Bürgermeister Kristian Kater (SPD) begrüßt, dass das Gulfhaus mit dem aktuellen Angebot eine Lücke schließt und eine vernünftige Lernumgebung für bedürftige Kinder schafft. Die Pandemie zeige, wie wichtig die Digitalisierung in den Schulen und auch zuhause sei. Die Stadt Vechta habe im vergangenen Jahr insgesamt 240 Tablets angeschafft, die in den städtischen Schulen an ausgewählte Kinder weitergegeben würden, berichtet der Verwaltungschef.

Das Angebot der Jugendarbeit richtet sich an Schüler der fünften bis siebten Klasse. Bei der Vermittlung helfen die Schulen. Sie wissen am besten, wer auf Unterstützung angewiesen ist. "Die Zusammenarbeit mit den Schulsozialarbeitern funktioniert gut. Wir haben einen kurzen Draht, das ist total klasse", lobt Krause. Das Netzwerk sei auch über die Pandemie hinaus wichtig, zumal Jugendpflege und Schule gesetzlich verpflichtet seien, ein Stück weit zusammen zu arbeiten.

Drahtloses Netzwerk stößt an seine Grenzen

Wenn die Kinder morgens ins Gulfhaus kommen, führt der Weg direkt an die Rechner. Neben den eigenen Geräten hat die Einrichtung sieben Notebooks vom Kreismedienzentrum ausgeliehen. Die Arbeitsplätze sind auf mehrere Räume verteilt, sodass die Teilnehmer genügend Abstand haben. Etwas Probleme bereitet noch das drahtlose Netzwerk, das zwar schon aufgerüstet worden ist, beim gleichzeitigen Zugriff auf die Videokonferenzen aber noch an seine Grenzen stößt.

"Es läuft alles gut, nur die Laptops sind etwas langsam", berichtet ein Junge, der seit etwa vier Wochen am Homeschooling im Gulfhaus teilnimmt. Er kommt mit der Technik gut zurecht und fühlt sich offenbar ganz wohl. Ihm gefalle es hier besser als zuhause, wo es etwas eng sei und sein kleiner Bruder störe, sagt der Elfjährige. Wenn er Fragen habe, könne er sich an die Mitarbeiter des Gulfhauses wenden.

In die Lehrerrolle schlüpfen Krause und sein Team aber nicht. "Wenn es gewünscht ist, gucken wir zusammen auf die Aufgaben. Wir machen keine Nachhilfe", betont der Jugendpfleger. Der Bildungsauftrag liege bei den Schulen, die Kontrolle der Arbeit bei Lehrern und Eltern. Die Kinder könnten auch gehen, wenn sie ihre Videokonferenzen beendet hätten. Eine Anwesenheitspflicht gebe es nicht.

Angebot läuft vorerst bis zu den Osterferien

Für Krause ist es schon ein Erfolg, wenn die Jungen und Mädchen jeden Tag kommen. Schließlich müssen Schulen immer wieder feststellen, dass Kinder nicht am Homeschooling teilnehmen und somit praktisch dem Unterricht fernbleiben. Vor diesem Hintergrund ist der Sozialpädagoge mit dem bisherigen Verlauf sehr zufrieden. "Die jungen Leute erkennen das Angebot als Gewinn", sagt er.

Das Homeschooling im Gulfhaus soll vorerst bis zu den Osterferien laufen. Ob es verlängert wird, hängt von der weiteren Entwicklung der Pandemie, aber auch von der personellen Situation ab. Zurzeit kann der Einrichtungsleiter auf die Unterstützung einer Mitarbeitern im Freiwilligen Sozialen Jahr (FSJ) sowie zwei Praktikanten bauen. "Das ist zurzeit eine Luxussituation", sagt Krause.

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