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Im Advent: Neue Runde, neues Glück?

Kolumne: Auf ein Wort – Beim Vergleich des Kirchenjahres mit einer Partie Roulette wird deutlich, worum es im Glauben geht: die Glück lotsenden Worte in sein Inneres zu lassen.

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Neue Runde, neues Glück: Gut gekleidete Männer und Frauen sitzen um einen Roulettetisch. Jetons in der Hand, diese runden Plastikchips, und ganze Stapel vor sich. Sind voll konzentriert. Mit Schweißperlen auf der Stirn. Überlegen, wie viel von den Dingern sie einsetzen. Fiebern innerlich auf einen Gewinn. Hoffen auf das große Glück.

Dann der Aufruf des Croupiers: "Machen Sie ihr Spiel!" Der Teller in der Mitte dreht sich. Die Kugel hüpft von Feld zu Feld. Und irgendwann: "Nichts geht mehr!"

Am kommenden Samstag sagt auch die Kirche: "Neue Runde, neues Glück!" Mit dem Advent beginnt ein neues Kirchenjahr. Glück wird schon in der ersten Etappe, in den 4 Wochen vor Weihnachten, verheißen. Nur die Spielregeln sind andere. Als Kleidung braucht's keine Abendgarderobe. Alltagsgewand reicht. Casino-Hintergrundmusik hindert. Mehr hilft die Stille.

Erfahrene "Spieler" und "Spielerinnen" empfehlen auch nicht das Piccolöchen und feinste Häppchen dazu, sondern das Einfache. Oder raten sogar, mal ganz zu verzichten.

"Ein König, der zwar selbst einen 'Black Friday' kannte, der aber nicht in 'schwarze Wochen', sondern in helle Monate und Jahre führen will."Dietmar Kattinger

Und doch lockt ein Hauptgewinn. Die Geburt dessen, der zum vollen Leben führt. Der am vergangenen Sonntag in der Kirche "König" genannt wurde ("Christkönig"). Aber kein König wie diejenigen, die mit dem Rolls-Royce vorfahren. Oder mit dem Spiegel durch die Welt laufen, um immer zu sehen, wie gut und schön sie sind.

Sondern ein König, der ehrlich ist, der die Kleinen und die am Boden Zerstörten sieht, weil er nach unten schaut. Ein König, der selbst noch einmal jemanden über sich hat, an den er fest angedockt ist. Mit dem er immer wieder Zwiesprache hält.

Ein Gesprächsfaden, an den anzuknüpfen er alle einlädt. Ein König, der zwar selbst einen "Black Friday" kannte, der aber nicht in "schwarze Wochen", sondern in helle Monate und Jahre führen will.

Und wie geht jetzt "Machen Sie Ihr Spiel!" im Kirchenjahr? Jetzt im Advent? Eigentlich geht's nur darum, die Türen aufzumachen. Die klaren, wärmenden, manchmal auch schmerzlichen, aber immer weiterführenden und zum vollen Glück lotsenden Worte in sein Inneres zu lassen. Es geht darum, die Türen der Sehnsucht zu öffnen – für den langfristigen Gewinn.

Und, Sie, liebe Leserin und Sie, lieber Leser, haben Recht: An einer Stelle hinkt der Vergleich von Roulette-Tisch und Kirchenjahr: Ein "Rienne va plus!", ein "Nichts geht mehr!" gibt es nicht im Kirchenjahr. Bei Gott geht immer was!


  • Dietmar Kattinger ist Referent für Presse- und Öffentlichkeitsarbeit des Landes-Caritasverbandes in Vechta.
  • Sie erreichen den Autor per Mail an redaktion@om-medien.de.

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