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Ich vermisse die Piraten

Kolumne: Notizen aus dem wahren Leben – Im neuen  Asterix-Band wird der "Greif" gesucht. Amazonen wie "Terrine" und "Kalaschnikowa" sorgen dabei für die feminine Note. Ein Verweis in die Gegenwart?

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"Schafe zählen“, sagt die beste Ehefrau von allen, und dreht sich zur Seite. Doch die störrischen Wollknäuel sind zu laut. Mag sein, dass tragende Muttertiere darunter sind oder hungrige Lämmchen. Ich komme nicht in den Schlaf.

Außerdem gilt es ja noch, die neue Asterix-Ausgabe einzuordnen. Der "Greif" wird gesucht, irgendwo da draußen im "Barbaricum", das vor gut 2000 Jahren von so allerhand Fabelwesen bewohnt wird und das man unschwer im östlichen Europa verorten kann. So viel hat sich also in den letzten Jahrhunderten gar nicht verändert.

Die fröhlichen Prügeleien kommen etwas zu kurz

Was aber ist aus unseren Helden geworden? Ferri und Conrad, die beiden Komiker in der Nachfolge von Goscinny und Uderzo, haben literweise Softdrinks verinnerlicht, sodass die fröhlichen Prügeleien ein wenig zu kurz kommen. Wie schön flogen doch die Römer durch die Gegend, vermöbelt von den fleißig Zaubertrank konsumierenden Galliern um Asterix und Obelix. Doch der gallische Hilfstrupp, der den bedrohten Sarmaten im "Barbaricum" beistehen soll, hat diesmal seine Probleme mit dem Heißgetränk; es ist zu kalt.

Nun, geprügelt wird natürlich doch. Nur, dass diesmal sarmatische Amazonen eine Hauptrolle spielen, während ihre Männer putzvergnügt den Abwasch erledigen. Verdrehte Welt, in der die kampfeslustigsten Akteure "Terrine“, "Matrjoschkowa“ oder "Kalaschnikowa“ heißen. In die ansonsten ja eher maskuline Phalanx der Römer-Widersacher mischt sich also nun eine feminine Note.

Womit wir erneut in der Gegenwart angekommen sind. Auch hier wird der "Greif“ gesucht. Fabelhaft, wenn er uns den Weg aus den Weltkrisen weisen könnte, klimatechnisch und virologisch. Nun gibt es so etwas natürlich nur in unserer Fantasie und in der Welt des Comics; wobei auch hier sich so manche große Hoffnung als Chimäre erweist. Ein Trugbild, das, vom angedichteten Zauber befreit, doch ziemlich nackt und ärmlich dasteht.

"Ich sitze am Lagerfeuer und verspeise ein Wildschwein, kredenzt von Obelix."Andreas Kathe

Wir könnten jetzt in die Niederungen der aktuellen Bundespolitik hinabsteigen, in der die "Kalaschnikowas“ des Wahlkampfes letztlich den Kürzeren zogen. Die maskuline Phalanx der ewigselben Politikergarde marschiert in den Kampf gegen Klima und Viren, gegen neue Ideen und frischen Wind. Wir lassen es, weil wir ja aus dem "Barbaricum“ heraus den Weg zurückfinden müssen in unser gallisches Dorf.

Es regt sich was. "Hat das Zählen geholfen?“, fragt die Ehefrau. Die Antwort besteht aus einem Grummeln. Ich sitze am Lagerfeuer und verspeise ein Wildschwein, kredenzt von Obelix. Im Hintergrund ist die Musik von Troubadix zu hören. Majestix singt dazu. Ich vermisse die Piraten. Sie können so schön untergehen.


Zur Person:

  • Der Journalist Andreas Kathe lebt in Dinklage. Lange Jahre war er Redakteur und Redaktionsleiter der OV.
  • Den Autor erreichen Sie unter: redaktion@om-medien.de.

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