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"Ich bin immer mit vollem Herzen dabei"

Erika Thomas leitet das Flüchtlingswohnheim des Deutschen Roten Kreuzes in Emstek. Sie half schon immer gerne anderen Menschen.

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Hilfsbereit: Die Heimleiterin Erika Thomas an ihrem Schreibtisch. Foto: Fenja Hahn

Hilfsbereit: Die Heimleiterin Erika Thomas an ihrem Schreibtisch. Foto: Fenja Hahn

Es ist ein Klischee, dass alle Sozialarbeiter ein Helfersyndrom haben. Aber auf Erika Thomas trifft es wohl zu: Sie ist in der sozialen Arbeit tätig und hilft schon ihr Leben lang gerne anderen Menschen.

Die 33-Jährige betreut das Flüchtlings-Wohnheim des Deutschen Roten Kreuzes in Emstek. Dort begleitet sie noch nicht anerkannte Flüchtlinge: Behördengänge, Banktermine, Sprachkurse, Kontakte herstellen, sie hilft, wo sie kann. Und das sehr erfolgreich, im September hat sie begonnen und 16 der aktuellen 44 Bewohner haben dank ihr bereits eine Beschäftigung gefunden.

Doch das reicht der Mutter von zwei Kindern nicht aus, sie arbeitet noch nebenberuflich bei einer Wohngruppe der Caritas. Dahinter steckt ein Ziel: Sie möchte erneut nach Neuseeland reisen. Den Traum hatte sie schon seit dem 16. Lebensjahr und erfüllte ihn erstmals im Anschluss an ihr nachgeholtes Abitur.

Hat ihren Traumjob gefunden: Erika Thomas setzt sich im Flüchtlingswohnheim für ihre Bewohner ein. Foto: Fenja HahnHat ihren Traumjob gefunden: Erika Thomas setzt sich im Flüchtlingswohnheim für ihre Bewohner ein. Foto: Fenja Hahn

Über das Jahr „Work and Travel“ schwärmt sie: „Das war eine tolle Erfahrung, die mir keiner nehmen kann. Ich konnte mich nur schweren Herzens verabschieden.“ Im Norden der Insel verbesserte sie ihr Englisch, während sie im medizinischen Bereich arbeitete und so das Gesundheitssystem und Behandlungsmethoden kennenlernen konnte. Vieles war in Neuseeland anders, erinnert sich Thomas, zum Beispiel war das Bewerbungsverfahren wesentlich unkomplizierter: „Ich stand dann da mit meiner Bewerbungsmappe und die haben nur gelacht und gefragt, was das soll.“ Ihr Wunsch ist es, die Insel ihrer Familie zu zeigen, zu einigen Menschen dort pflegt sie immer noch Kontakt.

Große Städte haben es der 33-Jährigen angetan

„Immer ein Ziel zu haben und das dann zu verfolgen“, ist der Molbergerin wichtig. Nach der Schule lebte sie 5 Jahre in Köln, bevor sie dann zurück zu ihrem Elternhaus nach Cloppenburg kam. Nach dem Auslandsjahr studierte sie Dienstleistungsmanagement mit dem Schwerpunkt Soziale Arbeit in Vechta.

Doch große Städte haben es der 33-Jährigen angetan: „Zu Hause habe ich eine Karte hängen, an der ich die Orte mit Pinnnadeln markiere, die ich schon besucht habe. Ich mache gerne Kurzreisen in Deutschland und entdecke neue Städte.“

„Endlich kann ich das tun, was ich am liebsten mag."Erika Thomas

Nun hat Thomas nach abgeschlossener Familienplanung und einem anderen Arbeitsverhältnis ihren Traumjob gefunden. „Endlich kann ich das tun, was ich am liebsten mag. Ich bin sehr dankbar für diese Chance.“ Hilfsbereitschaft gehört für sie zu ihren persönlichen Werten, genauso wie Ehrlichkeit, Respekt und Fleiß. Diese möchte sie vermitteln, auch an „ihre“ Bewohner, wie Thomas sie immer wieder nennt.

Bei ihrem Job kann sie von ihrer eigenen Lebensgeschichte profitieren, erzählt die Molbergerin. Mit 8 Jahren kam sie mit ihrer Familie aus Russland nach Deutschland, als Kind lernte sie die deutsche Sprache schnell und half dann ihren Familienangehörigen bei Behördengängen. „Dieser bürokratische Alltag – der beinhaltet Kenntnisse, die man an Universitäten so nicht erwirbt.“

Weniger leicht an ihrem Beruf fällt Thomas, dass Entscheidungen manchmal gegen den Willen der Menschen getroffen werden. „Wir Sozialarbeiter stehen eigentlich oft zwischen dem Gesetzgeber und dem Menschen. Ich bin am Ende nicht die Entscheidungsträgerin und immer für den Menschen da.“ Den Bewohnern fehlt oft das Verständnis für die Bürokratie, sie wollen sich integrieren und die Gemeinde Emstek unterstützen.

Das Motto: „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“

Ganz nach dem Motto „Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg“, ist die Heimleiterin deswegen immer auf der Suche nach Ausbildungsplätzen oder Ehrenämtern für ihre Schützlinge. Das wird allerdings aktuell durch die Corona-Pandemie erschwert, berichtet Thomas, so kann zum Beispiel das Seniorenheim in Emstek gerade keine neuen Ehrenamtlichen mehr aufnehmen.

Auch wenn sie eigentlich über sich sprechen soll, denkt sie ständig an ihre Schützlinge: „Ich wünsche mir einen besseren Anschluss des Wohnheims in die Stadt, eine Bedarfshaltestelle wäre toll. Und wer Ausbildungsplätze anbieten kann, darf sich gerne bei mir melden.“

Thomas sagt selber: „Ich bin bei meiner Arbeit immer mit vollem Herzen dabei.“ Und das merken auch die Bewohner, mit deren unterschiedlichen Charakteren sie gut umgehen kann. Als junge Frau hat sie dabei kein Problem, von den überwiegend männlichen Bewohnern ernst genommen zu werden. „Mein nettes Verhalten spiegelt sich einfach zurück. Ich gewinne das Vertrauen der Bewohner, indem ich helfe und kann dann auch einfacher Forderungen stellen“, erklärt sie.

Zu viel wird es der Sozialarbeiterin mit ihren beiden Jobs und in ihrem Privatleben aber nicht. Sie ist schon immer vielen Tätigkeiten gleichzeitig nachgegangen, erläutert Thomas, dabei ist die zeitliche Organisation und familiäre Unterstützung natürlich wichtig. „Durch meinen Migrationshintergrund hatte ich das Gefühl, ich müsste immer ein bisschen mehr leisten“, sagt die 33-Jährige.

Ihre Freizeit verbringt die zweifache Mutter am liebsten im Gewächshaus im Sommer: „Ich liebe es, selber Pflanzen zu züchten und mich damit zu beschäftigen.“ Diese Leidenschaft bringt sie auch in ihre Arbeit mit ein, im Schulungsraum des Wohnheims stehen bereits überall kleine Pflanzen. Und vor dem Gebäude in Emstek entsteht bald ein großer Garten, bei dem Gedanken daran fängt die Heimleiterin schon an zu strahlen.

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