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Hybridsemester soll Besserung mit sich bringen

Die Corona-Krise hat auch vor der Universität Vechta nicht Halt gemacht. Wie es weitergeht, hängt vom Pandemiegeschehen ab. Langsam gibt es aber Hoffnung für alle.

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Leere auf dem Campus.   Foto: Alidini

Leere auf dem Campus.   Foto: Alidini

Die Universität Vechta plant für das kommende Wintersemester 2021/22 ein Hybridsemester. Heißt: Es sollen Präsenzveranstaltungen und digitale Veranstaltungen angeboten werden. Trotzdem ist aber noch nicht davon auszugehen, dass sich die Pandemielage für das nächste Semester sichtlich verbessern wird, sodass das Hygiene- und Infektionsschutzkonzept nicht mehr gelten müssten. Der Anteil der Online-Lehre werde weiterhin mit einer "kriteriengeleiteten Auswahl von Präsenzveranstaltungen" erfolgen, teilt der Pressesprecher der Universität Vechta, Friedrich Schmidt, auf Anfrage der OM-Medien mit.

Die Ersten, die zurück auf den Campus kehren, sind diejenigen, die "Übungen, Exkursionen oder Praktika" haben, "die den Lernort Universität erfordern", sagt Schmidt. Darunter zählen beispielsweise Veranstaltungen der Studiengänge Sportwissenschaft und Biologie. Beim Beginn des nächsten Semesters, das Anfang Oktober startet, soll vor allem Studierenden aus dem 1. Fachsemester die Möglichkeit gegeben werden, die Lehre in Präsenz einzuplanen.

Die hybride Gestaltung von ausgewählten Veranstaltungen solle dabei "die Realisierung von Präsenzveranstaltungen in kleinen Gruppen ermöglichen", gibt Friedrich Schmidt an. Studierende verstehen diese Ansicht offenbar. Patrick Wessel, Student der Kulturwissenschaften, sagt dazu: "Es ist vor allem bei den Erstsemestern wichtig, neue Kontakte zu knüpfen. Und das kommt bei der digitalen Lehre zu kurz." Veranstaltungsformen mit einer höheren Teilnehmeranzahl würden weiterhin digital stattfinden, sagt Friedrich Schmidt.

 Foto: Alidini Foto: Alidini

Digitale Lehre bringt Vor- und Nachteile 

Die Befragten sind sich einig: Die Online-Lehre habe ihre Vor- und Nachteile. Der wegfallende Anfahrtsweg zur Uni sei einer dieser Vorteile. Die Nachteile würden aber überwiegen, denn der Kontakt zu anderen Mitstudierenden und Lehrenden fehle. "Jetzt kann man um 8 Uhr aufstehen, um an der Vorlesung um 8.15 Uhr teilzunehmen. Andererseits sitzt man von morgens bis abends am Laptop und kommt nicht in Bewegung", sagt Hannes Brinkmann, Student der Sozialen Arbeit. Das Studentenleben leide, da man auf sich alleine gestellt sei, wenige Ansprechpersonen habe und sich das Kennenlernen in den Online-Semestern schwieriger gestalten lasse als gedacht. "Neue Leute aus den Online-Seminaren habe ich nicht kennengelernt", sagt Patrick Wessel.

Viele fänden es schwer, während des Semesters den Inhalt nachzuarbeiten und zu lernen – da sei ein unstrukturierter Tagesablauf vorprogrammiert. Es gibt aber auch Verständnis: "Es war für uns alle eine neue Situation, deswegen kann ich auch die Lehrenden verstehen, wenn sie bei einigen Sachen, wie der Erstellung von Gruppenräumen, nicht klargekommen sind", sagt Wessel. Die Universität Vechta nutzt das Programm BigBlueBotton, mit dem die Vorlesungen und Seminare stattfinden. Bei den Gruppenräumen handelt es sich um eine Funktion in BigBlueBotton, zur Bildung von virtuellen Räumen, bei denen die Studierenden ihre Aufgaben besprechen können.

Zu wenig Beachtung

Viele Studierende finden, dass sich während der Pandemie dennoch nicht genug um sie gekümmert wurde, da der Fokus immer woanders gelegen habe – nur nicht bei den Universitäten. „Ich finde schon, dass Studierende vernachlässigt wurden“, sagt Patrick Wessel. Es sei für ihn nicht verständlich, dass die Uni bis vor Kurzem noch komplett geschlossen war, während Clubs und Bars schon wieder öffnen durften. Und auch Hannes Brinkmann findet: „Es wurde immer viel auf Schulen oder auf den Arbeitsplatz und den privaten Haushalt geguckt, aber zu wenig auf Studierende und die Situation der Hochschulen und der Unis.“

Universitätsbibliothek. Foto: AlidiniUniversitätsbibliothek. Foto: Alidini

Bibliothek öffnet wieder den Betrieb

Während die Türen der Hörsäle geschlossen bleiben, ist es wenigstens wieder möglich, in die Bibliothek zu gehen. Bücher können ausgeliehen und Einzelarbeitsplätze genutzt werden. Einen Termin für die Bibliothek hätte man nicht mehr machen müssen, da die Kontaktdaten vor Ort aufgenommen werden. "Ich bin froh, dass die Uni-Bibliothek wieder geöffnet hat, dass wir da wieder arbeiten können", sagt Hannes Brinkmann.

Laut Friedrich Schmidt finden geplante Prüfungen digital statt – schriftliche Arbeiten werden digital per E-Mail eingereicht und Klausuren über das Internet geschrieben. Es sei für alle Beteiligten eine neue Erfahrung, Online-Klausuren zu stellen und zu schreiben. Grundsätzlich habe man gute Erfahrungen damit gemacht, sagt  Schmidt. Es habe aber auch Fälle gegeben, bei denen es vermehrt Täuschungsversuche gegeben habe – dabei hätten einzelne Studierende ihre Ergebnisse ausgetauscht. Zur Chancengleichheit wurde von Studierenden und dem AStA eine Kampagne ins Leben gerufen, die gleiche Chancen für alle unterstützen soll. "Denn Täuschungsversuche sind in erster Linie unfair gegenüber all denjenigen, die nicht getäuscht haben", sagt der Pressesprecher.

Sommersemester 2022 bereits in Planung

Es werden zudem auch Vorkehrungen bezüglich des Sommersemesters 2022 getroffen, bei dem allen an der Uni Tätigen "so viel Planungssicherheit wie möglich geboten werden" soll, erklärt Friedrich Schmidt. Derzeit werde ein Sommersemester geplant, das überwiegend in Präsenz stattfinden solle, unter Vorbehalt der digitalen Angebote. Die Universität Vechta wolle aus den positiven Erfahrungen der Online-Lehre auch in Zukunft die digitalen Veranstaltungen im Studienplan mit einbeziehen und dementsprechend Angebote machen.

Die Universität Vechta erhoffe sich, den Campus zum Start des neuen Semesters im Oktober wieder beleben zu können und den Studierenden die Möglichkeit zu geben, sich treffen und kommunizieren zu können. Der Campus solle aber nicht nur den Präsenzteilnehmern die Möglichkeit zum Austausch bieten – auch Studierende, die weiterhin die digitale Lehre in Anspruch nehmen müssen, seien trotzdem gerne in der Mensa und der Bibliothek gesehen.

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