Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Hunderte Bäume auf Mannshöhe gekappt

Naturschützer sind entsetzt über den Kahlschlag auf einer Kompensationsfläche im Borringhauser Moor.  Sie vermuten, dass der Windparkbetreiber aufgrund Drucks von Landwirten die Bäume stutzen ließ.

Artikel teilen:
122 Zentimer Umfang misst Naturschützer Stefan Schulteder bei diesen unsachgemäß gekappten Baum, der wohl keine Überlebenschance hat. Foto: Schmutte

122 Zentimer Umfang misst Naturschützer Stefan Schulteder bei diesen unsachgemäß gekappten Baum, der wohl keine Überlebenschance hat. Foto: Schmutte

Ein trauriges Bild bieten die mannshohen Stümpfe unzähliger Bäume im Borringhauser Moor. In den ersten Novembertagen wurden sie nach Angaben von Mitgliedern der Ortsgruppe Damme des Naturschutzbundes (Nabu) illegal gekappt. Es handelte sich zum Teil um einen älteren Baumbestand und Bäume, die vor rund 20 Jahren als Kompensationsmaßnahme im Zuge des Genehmigungsverfahrens für den dortigen Windpark gepflanzt worden waren.

Empörung und Wut schwang bei Hildegard Werner, Stefan Schulte, Bruno Lewandowski und Franz-Josef Nienaber mit, als sie bei einem Ortstermin über ihre Entdeckung berichteten. An verschiedenen Örtlichkeiten im Borringhauser Moor seien auf insgesamt über zwei Kilometer Länge Busch- und Baumstreifen von etwa 10 bis 30 Meter Breite radikal gekappt worden.

Laut Mitteilung des Nabu handelt es sich dabei um die Bepflanzung von Kompensationsflächen, für die im Begleitplan zum Bebauungsplan 119 „Windpark Borringhauser Moor“ eine flächige Bepflanzung „Hecke mit Bäumen“ vorgegeben ist. Zweck der Bäume sei unter anderem ein Sichtschutz von angrenzenden Häusern in Richtung Windpark. Der erfolgte Rückschnitt entspräche in keiner Weise dieser Zielsetzung.

Ein große Teil der gestutzten Bäume wird die Behandlung nicht überstehen

Vorgenommen worden sein soll der Rückschnitt laut Presseerklärung von einem landwirtschaftlichen Lohnunternehmer aus Dümmerlohausen im Auftrag der WPD Windpark Damme GmbH & Co. KG. Der Rückschnitt erfolgte demnach „ohne jede Fachkenntnis und Rücksichtnahme“. Mit einem Bagger wurde in die Gehölzstreifen gefahren. Bäume, die dabei im Wege standen, seien erdnah gefällt worden.

Eine hydraulisch betriebene Schere an dem Bagger kniff die anderen Bäume in Mannshöhe ab. Ein großer Teil der so gestutzten Bäume werde die radikale Behandlung nach Einschätzung der Naturschützer wohl nicht überstehen, da die Stümpfe durch den hohen Pressdruck zerstört worden seien und tiefe Risse zeigten. Bäume, die diese Behandlung überleben, würden verbuschen. Den ursprünglichen Zustand werde kein Baum je wieder erreichen können.

Viele der Bäume, unter anderem zahlreiche Eichen, haben einen Stammdurchmesser von 30 bis 40 Zentimeter, einige ältere deutlich mehr. Diese Art Gehölze bieten laut Nabu durch unterschiedliche Besonnung ein wechselndes Kleinklima und damit in einer vielfältigen Kombination aus Gräsern, Kräutern, Sträuchern, Bäumen oder Totholz wertvollen Lebensraum für verschiedenste Tiergattungen.

Tristes Bild: Bruno Lewandowski (von links), Hildegard Werner und Franz-Josef Nienaber sind empört über die Verstümmelung von hunderter Bäumen. Foto: SchmutteTristes Bild: Bruno Lewandowski (von links), Hildegard Werner und Franz-Josef Nienaber sind empört über die Verstümmelung von hunderter Bäumen. Foto: Schmutte

„Für viel Geld wurden hier vor 20 Jahren Bäume gepflanzt, die jetzt einfach abgeholzt werden. Das ist ein Unding“, schimpfte Franz-Josef Nienaber. An der Größe der Bäume hätten sich die Landwirte gestört, von denen die anliegenden Ackerflächen bewirtschaften werden. Ihre Beschwerden über Schattenwurf sei wohl der Grund für die Windparkgesellschaft gewesen, das Kappen in Auftrag zu geben. Gerade vor dem Hintergrund, dass erst vor kurzem in Naturschutzfragen der „Niedersächsische Weg“ einvernehmlich vereinbart worden ist, hat Hildegard Werner dafür kein Verständnis. Umweltvergehen wie diese würden alle Bestrebungen nach Klimaschutz und Biodiversität erschweren sowie eine vertrauensvolle Zusammenarbeit behindern.

Ein deutliches Zeichen fordern die Naturschützer vom Landkreis Vechta. Er soll entscheiden, ob ein Straf- oder Ordnungswidrigkeitsverfahren gegen die Verantwortlichen eingeleitet wird und welche Maßnahmen zur Kompensation für die Zerstörung vieler hundert Bäume angeordnet werden.

Eine Reaktion des Landkreises Vechta, steht noch aus. Berthold Klatte, Geschäftsführer der Windparkgesellschaft, lehnte eine Stellungnahme zu den Vorwürfen ab.

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Hunderte Bäume auf Mannshöhe gekappt - OM online