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Huhu, Karl Lagerfeld!

Kolumne: Durch die Corona-Pandemie hat die Jogginghose einen Boom erlebt. Ein Kontrollverlust übers Leben, wie der Modeschöpfer einst meinte?

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Ja, ja, wir wissen schon. Wer eine Jogginghose trägt, hat die Kontrolle über sein Leben verloren. Dass Sie mit diesem alten Zitate-Hut wieder in Mode gekommen sind, hätte vor der Pandemie sicher auch keiner geglaubt.

Aber wie up to date Sie doch posthum mit ihren Worten sind! Denn, ja, wir haben die Kontrolle über unser Leben verloren. Dank Corona hocken wir nämlich alle seit einem Jahr zu Hause. Kaum zu glauben, aber das kleine graue Scheißerchen mit den pinken Rüsseln hat gerade seinen ersten globalen Pandemiegeburtstag gefeiert. Zeit, eine Party zu schmeißen. Nicht. Denn egal, ob Jubiläum, Taufe oder Totentanz, dieses Virus hat nicht nur die Wirtschaft kassiert, sondern auch das Freizeitliche gesegnet. Da ist es im Grunde auch egal, ob man jetzt dem Team Homeoffice oder der Outdoorschicht angehört, den größten Teil der Pandemie sitzen einfach alle in den eigenen 4 Wänden ab.

Anfangs haben wir uns ja wenigstens noch um Klopapier und Hefe geprügelt. Mittlerweile aber ist die allgemeine Motivation, was das Aus- und Rumsitzen angeht genau da, wo so mancher sonst nur zum Lachen hingeht.

"Wer hätte ahnen können, dass die Apokalypse am Ende so öde ausfällt?"Andrea Harmonika

Und so hängen wir also die meiste Zeit in dem von Ihnen so geschmähtem Kleidungsstück auf der Couch, gucken Netflix und versuchen mit zunehmenden Schwierigkeiten, unsere Hand aus der Pringles-Rolle zu ziehen.

Angesichts von so viel Verwahrlosung blicken Sie, verehrter auf-den-ewigen-Laufstegen-Dahingegangener, natürlich reichlich angewidert auf uns herab. (Oder herauf.) Und überhaupt, nach einem Jahr Pandemie können die Kollegen im Homeoffice froh sein, wenn wir in Zoom-Calls überhaupt noch eine Hose anhaben.

Aber zu unserer Verteidigung: Wer hätte ahnen können, dass die Apokalypse am Ende so öde ausfällt? Immerhin war es Ihre Hollywoodkundschaft, die uns jahrelang ein völlig falsches Bild vermittelt hat. Aber statt uns jetzt fesch und durchtrainiert durch das Armageddon zu schießen, war das Abenteuerlichste, was wir in den letzten Monaten erlebt haben, unter der FFP2-Maske ein Fisherman’s Friend zu lutschen.

"Denn weiter herumliegen und atmen? Das schaffen wir!"Andrea Harmonika

Aber Sie haben natürlich recht, Herr von Modefeld! Also mit der Kontrolle und der Hose. (Zumal das Wort Jogging in besagter Hose sowieso ein reichlich dick aufgetragener Euphemismus ist.) Aber irgendwie muss es ja weitergehen. Und bis Jens Spahn das Impfen in Hausarztpraxen und Dönerbuden organisiert hat, bleibt uns ja noch etwas Zeit. Zum Beispiel, um die vermaledeite Hose endlich zu wechseln. Und zwar im Tausch gegen etwas viel Passenderes: eine Yogahose. Denn weiter herumliegen und atmen? Das schaffen wir! Schicke Grüße ins Jenseits.


Zur Person

  • Andrea Harmonika ist freie Autorin und veröffentlicht unter anderem auf www.andrea-harmonika.de.
  • Die 42-Jährige lebt in Damme.
  • Die Autorin erreichen Sie unter: info@ov-online.de

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