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Huhu, Gianni Infantino!

Kolumne: Die Fußballweltmeisterschaft in Katar stand von Anfang an unter keinem guten Stern. Ich finde es gut, dass die Holländer dort jetzt keinen Rollrasen verlegen wollen.

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Na, sowas! Die Holländer wollen Ihnen kein Gras liefern? Nun gut, mag der ein oder andere von uns jetzt denken, warum soll es da dem Weltfußballverband besser gehen als uns?

Aber was genau war da letzte Woche eigentlich los? Ah, die Holländer wollen Ihnen keinen Rollrasen mehr liefern. Genauer gesagt, die Hendriks Graszoden Group. Normalerweise verlegen die ihren Prestige-Rasen nämlich in aller Herren-WM Länder. Aber seit denen zu Ohren gekommen ist, dass seit Vergabe der Fußballweltmeisterschaft 2022 an den Wüstenstaat Katar mehr als 6 .500 Bauarbeiter vom Gerüst gefallen sind, wollen die bei Ihnen nicht mehr mitmachen. Hut ab, wenn man bedenkt, dass dies womöglich Hollands einzige realistische Chance auf eine WM-Beteiligung war.

Aber diesen Hut ziehen Sie natürlich nicht mit, El Fifa-Presidente. Für Sie ist die Sache mit der holländischen Gutmensch-Gärtnerei ja nur eine von vielen PR-Pangeleien.

Bei der Wüsten-WM in Katar gab es von Anfang an Mängel

Und überhaupt, dass Gastarbeiter auf Großbaustellen in Golfstaaten regelmäßig ins Gras beißen, müsste doch eigentlich bekannt sein. Immerhin stellt Amnesty International dieses Gebaren bereits seit vielen Jahren an den Presse-Pranger.

Dabei stand die Wüsten-WM von Anfang an unter keinem guten Stern. Angefangen mit dem Korruptionsverdacht bei der Vergabe, das Bemängeln einer fehlenden Fußballtradition in Katar bis hin zu der anhaltenden Kritik über die klimatisch bedingte Verlegung der WM in die Vorweihnachtszeit.

Und dann läuft da ja auch noch dieses leidige Verfahren gegen Sie selbst. Denn natürlich geht es Ihnen in erster Linie nicht um Gras, sondern um Heu. Eine Menge Heu. Und da schon Bud Spencer wusste, dass ein Pferd ohne Heu nicht furzen kann, werden Sie in bester Fifa-Tradition jetzt wegen Korruption und Amtsmissbrauch verklagt. Aber keine Sorge, Gianna Panini! Immerhin hatte Ihr damaliger Chef Josef Blatter damit auch kein echtes Problem, als er erst die Wüsten-WM eingefädelt, und anschließend reichlich Schmiergeld kassiert hat.

Die Strafe für Ex-Fifa-Chef Blatter war lächerlich

Gut, dafür wurde er zwar am 21. Dezember 2015 von der Ethikkommission der FIFA für 8 Jahre für alle mit dem Fußball verbundenen Tätigkeiten gesperrt und musste eine Geldstrafe von umgerechnet 45.000 Euro zahlen (Ja, Sie lachen. Sepp Blatter auch.) Aber jetzt passen Sie auf: Am 24. Februar 2016 hat das Berufungsgericht der Fifa die Sperre vom Bundesverdienstkreuz-Sepp für alle mit dem Fußball verbundenen Tätigkeiten von 8 auf 6 Jahre reduziert. Und jetzt raten (oder besser gesagt rechnen) Sie mal, wann besagte Sperre ausläuft und die WM in Katar beginnt? Sie sehen, Herr Funktionär, egal wie viele Leichen Sie im Keller haben (oder auf WM-Baustellen ignorieren), am Ende wird die FIFA-Familie für Sie sorgen.

Derweil starren wir Zuschauer einfach gras- und fassungslos ins Leere und geben die Hoffnung nicht auf, dass der Apostel Paulus am anderen Ende Recht behalten wird: dass wir alle irgendwann ernten, was wir säen.


Zur Person:

  • Andrea Harmonika ist freie Autorin und veröffentlicht unter anderem auf www.andrea-harmonika.de.
  • Die 42-Jährige lebt in Damme.
  • Die Autorin erreichen Sie unter: info@ov-online.de

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