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Huhu, Bjarne Riis!

Gästebuch: Am 1. Juli startete die Tour de France. Wie viel ist ein von Doping, Bestechung und Korruption zersetzter Sport überhaupt noch wert?

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Huhu Bjarne Riis,

puh, das war vergangene Woche sicher hart für Sie. Immerhin sind Sie bis dato der einzige Skandinavier, der je die Tour de France gewonnen hat. Und ausgerechnet Sie hatten die Veranstalter nicht eingeladen, als am 1. Juli der Startschuss zur diesjährigen Tour de France in Ihrer dänischen Heimat fiel.

„Ich bin natürlich verärgert darüber, nicht dabei zu sein“, gaben Sie in einem Fernsehinterview mit dem dänischen Sender TV2 an. Aber mal ehrlich: Hätten Sie sich das nicht denken können? Immerhin wurde Ihnen Ihr Toursieg von 1996 nur deshalb nicht offiziell aberkannt, weil Sie Ihr Dopinggeständnis erst nach 2007 ablegten. Also zu einem Zeitpunkt, als Ihr Dopingmissbrauch bereits verjährt war. Und gedopt hatten Sie damals. Und wie! So wie übrigens alle – also wirklich alle!

Egal ob Marco Pantani oder Lance Armstrong, Laurent Jalabert, Jan Ullrich oder Eric Zabel. Sobald man einen einstigen Rennrad-Profi googelt, hagelt es heute Doping-Geständnisse. Vor allem aus Ihrem alten Rennstall „Team Telekom“, in dem man in den 90ern offenbar ähnlich viel gespritzt und geschluckt hat wie im Backstagebereich von Guns n‘ Roses.

Für Jan Ullrich war das Dopen kein Betrug

„Um in der Tour de France zu bestehen, musste man manipulieren“, erklärte Ihr Kollege Uwe Bölts 2013 nach seinem eigenen Doping-Geständnis. Und auch Jan Ullrich beharrt immer noch darauf, nicht betrogen zu haben. „Betrug fängt für mich dann an, wenn ich mir einen Vorteil verschaffe. Dem war nicht so. Ich wollte für Chancengleichheit sorgen“, begründet dieser immer noch seine Dopinghistorie.

Und es stimmt! Der Griff zu leistungssteigernden Mitteln bei der Tour de France hat tatsächlich eine lange Tradition. Bereits in den 1910ern und 20ern war es unter Fahrern üblich, ihre Schmerzen beim Anstieg der Bergetappen mit Chloroform und Kokain zu betäuben. Und von Eddy Merckx, dem erfolgreichsten Rennradfahrer aller Zeiten, weiß man heute auch, dass dieser keinen einzigen seiner legendären Tour-Siege ohne den Einsatz von Corticosteroiden eingefahren hat.

Im neuen Jahrtausend hingegen nehmen die positiven Dopingkontrollen langsam ab. Sachverständigen zu Folge liegt das aber hauptsächlich daran, dass das mittlerweile vorherrschende Blutdoping immer schwieriger nachzuweisen wäre.

"Andererseits kann man sich aber auch fragen, wie viel ein von Doping, Bestechung und Korruption zersetzter Sport überhaupt noch wert ist?"Andrea Litzenburger

„Der Radsport ist vielleicht nicht sauberer als andere Sportarten, aber auch nicht schmutziger“, entgegnete der fünffache Toursieger Bernard Hinault vor ein paar Jahren etwas pampig.

Was natürlich stimmt. Andererseits kann man sich aber auch fragen, wie viel ein von Doping, Bestechung und Korruption zersetzter Sport überhaupt noch wert ist?

Nun, offenbar nicht viel. Denn als der Internationale Radsport-Verband UCI Sie, verehrter Herr Riis, damals nach Ihrem Dopinggeständnis aufforderte, ihr Gelbes Trikot zurückzugeben, antworteten Sie: „Mein Gelbes Trikot liegt in einem Pappkarton in meiner Garage. Wenn ihr es mir abnehmen wollt, dann holt es euch. Es bedeutet mir nichts.“

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