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Hubert Vornhusen hat seinen letzten Nagel in die Westerheide gerammt

Serie: Mein Stoppelmarkt – Der 64-Jährige ist seit 30 Jahren für den Bauhof auf dem Stoppelmarkt tätig. Ohne ihn läuft nichts. Doch nun geht er in den Ruhestand.

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Aufbau erledigt: Nach 30 Jahren auf dem Stoppelmarkt ist für Hubert Vornhusen Schluss. Foto: J. Scholz

Aufbau erledigt: Nach 30 Jahren auf dem Stoppelmarkt ist für Hubert Vornhusen Schluss. Foto: J. Scholz

Die Berichterstattung rund um den Stoppelmarkt 2022 wird Ihnen präsentiert von der Volksbank Vechta.

Er kommt als Erster und geht als Letzter. Er ist 6 Wochen auf dem Stoppelmarkt. Er ist eigentlich eine Person im Hintergrund und doch kennt ihn jeder. Nach 30 Jahren ist für Hubert Vornhusen Schluss. Der 724. Stoppelmarkt ist für den 64-jährigen Vechtaer sein letzter – als Mitarbeiter auf dem Bauhof.

Vornhusen kennt den Stoppelmarkt wie kein Zweiter. Schließlich wurde er passend zum Stoppelmarkt am 10. August geboren. Geschickt führt er über den Platz. Immer wieder heißt es von der Seite "Moin Hubert". Die Schausteller, Marktbeschicker und Gastronomen kennen und schätzen ihn. Denn: Ohne Vornhusen und seine Kollegen vom Bauhof würde es keinen Stoppelmarkt geben.

Jedes Jahr 3 Wochen vor dem Stoppelmarkt vermisst der 64-Jährige die Stellplätze – auf den Zentimeter genau. Über 800 Nägel schlägt er Jahr für Jahr in den Boden auf der Westerheide. Das sei ein ganz schöner Kraftakt, berichtet er. Der Muskelkater am Abend sei vorprogrammiert. In Ausnahmefällen komme es vor, dass Vornhusen und seine Kollegen sich vermessen. „Spätestens am anderen Straßenende fällt das aber auf“, sagt der Vechtaer lachend.

Hubert Vornhusen arbeitet jedes Jahr bis zur letzten Sekunde vor Stoppelmarktseröffnung

Nicht nur die Stellplätze vermisst Vornhusen, sondern er kümmert sich auch um die Behandlungsfläche oder auch Hubschrauberlandeplätze. „Es ist zwar jedes Jahr dasselbe, doch kommt immer noch eine weitere Aufgabe dazu“, sagt Vornhusen. Den Rasen mäht Vornhusen meist höchstpersönlich – kurz bevor die ersten Wagen kommen.

Der eigentliche Aufbau passiere dann schlagartig. Das sei oft ein ganz schönes Chaos. Deshalb zieht der 64-Jährige es vor, die frühen Morgenstunden zu nutzen. Dann, wenn es noch ganz ruhig auf dem Stoppelmarkt ist. Bis zur letzten Sekunde bereiten Vornhusen und sein Team die Westerheide vor. „Fertig sind wir, wenn die drei Böllerschüsse fallen“, erzählt der 64-Jährige. Und fertig geworden seien er und sein Team immer – seit 30 Jahren. Verspätung gibt es für Vornhusen nicht.

Die Stoppelmarktseröffnung ist für Vornhusen aber nur eine kleine Verschnaufpause. Spätestens am Freitagmorgen geht es weiter mit der Reinigung. Aufgaben gibt es immer genug. Eine Tätigkeit, vor der Vornhusen sich am liebsten drücken möchte, die gibt es nicht. „Ich mag es, jeden Tag etwas anderes zu tun“, sagt er. Und doch hat er bei seinen Aufgaben das ein oder andere Highlight. Der Pferdemarkt am Montagmorgen etwa begeistere ihn jedes Jahr aufs Neue.

Über Stoppelmarkt hat Vornhusen noch nie Urlaub gehabt

Nach dem Stoppelmarkt bauen Vornhusen und sein Team 3 Wochen lang alles wieder ab. Einen wirklichen Sommerurlaub hat es für Vornhusen und seine Familie darum in den vergangenen 30 Jahren nie gegeben.

Doch warum tut er sich das jedes Jahr aufs Neue an? Schon bei seiner Einstellung sei klar gewesen: Über Stoppelmarkt gibt es keinen Urlaub. „Entweder man sagt Ja dazu, oder Nein, und ich habe Ja gesagt“, erklärt Vornhusen. Spaß habe er bei seiner Arbeit immer – im Umgang mit den Kollegen und den Menschen auf dem Markt.

Vor 20 Jahren sei er auch noch die meisten Fahrgeschäfte gefahren – heute bevorzugt Vornhusen das Riesenrad. Was ihm fehlen wird? Nach 30 Jahren sei es nun auch mal gut, und er freue sich schon, als Besucher auf den Stoppelmarkt zu kommen. Am Mittwochabend wurde Vornhusen bei der Schaustellerversammlung verabschiedet. Man werde ihn vermissen, hieß es dort unter Applaus. Nein: Der Stoppelmarkt wird ihn vermissen.

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