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"Hotel Mama" macht bald zu

Sechs junge Turmfalken wachsen derzeit auf dem Hof Bahlmann in Kneheim auf. Schon lange finden dort viele Tiere Unterschlupf - auch andere gefiederter Freunde fühlen sich dort pudelwohl.

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Riesige Augen: Vier von sechs Turmfalken schauen in der Nistkiste in die Kamera. Fotos: Meyer

Riesige Augen: Vier von sechs Turmfalken schauen in der Nistkiste in die Kamera. Fotos: Meyer

Nicht gerade begeistert sind die jungen Turmfalken über den unangekündigten Besuch. Mit weit aufgerissenen Schnäbeln starren sie still in die Kameralinse. Die ist nämlich noch größer als ihre riesigen Augen. Den Angriff des Fotografen überstehen die Greifvögel aber natürlich unbeschadet.

Sechs Jungtiere wachsen derzeit auf dem Hof Bahlmann in Kneheim auf. Den Nistkasten hat Josef Bahlmann auf dem Dachboden seiner Scheune direkt an die Giebelwand gehängt. Durch ein Mauerloch können die Eltern ihre Brut erreichen. Sie ist inzwischen fast ausgewachsen. "Lange werden die Vögel nicht mehr bleiben. Wenn sie einmal losfliegen, kommen sie niemals wieder zurück", weiß der 85-Jährige.

Schleiereulen und Greife nisten auf Bahlmanns Hof

Die Turmfalken sind nicht die einzigen Vögel, die sich auf dem idyllisch gelegenen Hof wohlfühlen. Schwalben, Schleiereulen und weitere Greife teilen sich Dächer und Vorsprünge zum Brüten. An den Falken ist Bahlmann aber besonders gelegen. Regelmäßig schaute er in den vergangenen Wochen nach, ob es dem Nachwuchs gut geht. Sorgen musste er sich aber nicht machen. Das Elternpaar machte seine Sache gut . Alle sechs haben sich prima entwickelt. Nur für ein Gruppenfoto können sie sich nicht erwärmen.

Falkner aus Leidenschaft: Josef Bahlmann hat für die Tiere eine Nistkiste gebaut. Foto: MeyerFalkner aus Leidenschaft: Josef Bahlmann hat für die Tiere eine Nistkiste gebaut. Foto: Meyer

Turmfalken sind erstaunliche Tiere. Sie können einen Käfer aus 50 Metern, einen kleinen Vogel sogar aus 300 Metern Entfernung erspähen. Ihre Augen haben eine extrem große Brennweite. Die wendigen Jäger verfügen quasi über ein eingebautes Teleobjektiv. Im Horizontalflug erreichen sie eine Geschwindigkeit von 50 bis 70 Stundenkilometern und wenn es sein muss, schießen sie auch auf dem Rücken liegend durch die Luft.

Etwa 30 Tage hatte das Weibchen in Kneheim auf den Eiern gesessen, bis die Küken im Abstand von zwei Tagen schlüpften. Papa Falke übernahm den Brüt-Job nur vertretungsweise, damit die Gattin das Gefieder lüften und eine Runde um das Nest drehen konnte. Der wahre Stress begann aber erst, als der Nachwuchs erstmals die Schnäbel öffnete, denn junge Falken haben immerzu Appetit. Schon nach drei Wochen sind sie fast ausgewachsen. Noch etwa einen Monat lang versorgen die Eltern die laut bettelnden Jungen weiter. Neben dem Fliegen, müssen sie auch das Jagen erst üben. Das fachgerechte Zerlegen der Beute haben sie bereits im Nest gelernt.

Im August müssen die Falken ein eigenes Revier suchen

Mit dem "Hotel Mama" ist es spätestens im August vorbei. Die jungen Turmfalken müssen sich dann ein eigenes Revier suchen. Josef Bahlmann freut sich, dass auch in diesem Jahr wieder so viele Jungvögel durchgekommen sind. Sobald sie weg sind, wird er den Nistkasten säubern und hoffen, dass er im kommenden Jahr wieder besetzt sein wird. Dass ein Falke ein Doppelleben führt und zwischen zwei Nestern hin- und herfliegt, wie kürzlich im Turm der Oldenburger Thomaskirche geschehen, hat Bahlmann aber noch nicht beobachtet. In Kneheim, so scheint es, bleiben die Männchen treu.

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