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Hospizdienst möchte Sterben in jungen Jahren aus der Tabuzone holen

Anlässlich des Tages der Kinder- und Jugendhospizarbeit am 10. Februar stellt das Friesoyther Team seine Arbeit vor und klärt auf. Ehrenamtliche Silke Bührmann berichtet über ihre Begleitungen.

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Mit Maskottchen, Motto und Gedenkbuch: Miriam Theben-Fastje, Silke Bührmann und Marlies Steenken (von links).   Foto: Wimberg

Mit Maskottchen, Motto und Gedenkbuch: Miriam Theben-Fastje, Silke Bührmann und Marlies Steenken (von links).   Foto: Wimberg

Der Bruder oder die Schwester wird nie wieder gesund und in jungen Jahren sterben. Für die Familie eine immense Belastung. Die Welt dreht sich um das schwerkranke Kind, das zum Teil rund um die Uhr versorgt werden muss. Seine Geschwister nehmen sich zurück, unterdrücken ihre Ängste und Gefühle, weil sie das Leid der Eltern spüren. Manches Mal werden sie ungewollt zu "Schattenkindern", die der Malteser Hospizdienst aus ihrer Ecke holen möchte.

Mit dem Einverständnis der Mütter und Väter suchen die Ehrenamtlichen das offene Gespräch, laden dazu ein, sich seine Gedanken von der Seele zu reden, unternehmen kleine Ausflüge und stärken damit die Lebensqualität. Silke Bührmann ist eine der Begleiterinnen, die sich ihnen annimmt. Seit zehn Jahren leistet sie in der ambulanten Einrichtung beispielhafte Unterstützung, steht sterbenden Kindern, Jugendlichen und Erwachsenen zur Seite und kümmert sich um ihre Angehörigen.

Anlässlich des 2006 bundesweit initiierten Tages der Kinderhospizarbeit am 10. Februar, den das Team nicht mit einer öffentlichen Aktion gestalten kann, wollen die Frauen und Männer dennoch auf ihre Arbeit aufmerksam machen und aufklären. Ganz wichtig: "Das Sterben in jungen Jahren zu enttabuisieren", unterstreicht Koordinatorin Miriam Tebben-Fastje.

Durch Erfahrungen mit dem Tod eine andere Einstellung zum Leben

Mit dem Tod wurde Silke Bührmann bereits auf unterschiedlichen Ebenen konfrontiert. Auch durch diese ganz persönlichen Erfahrungen habe sie eine andere Einstellung zum Leben, sagt die Neuscharrelerin, die sich über Kleinigkeiten nicht mehr aufregen und sich über kleine Dinge freuen kann.

Spaß und Freude könne man auch mit Sterbenden haben, sagt die 50-Jährige bestimmt. "Und viele von ihnen möchten keine Tränen mehr sehen, sondern lieber ein Lächeln bei einem Gespräch", weiß sie von ihren Besuchen, die für sie auch in Extremsituationen „eine Bereicherung“ bedeuteten. Beim Kontakt zu Kindern gilt grundsätzlich, "sie nicht anzulügen, das merken sie sofort, und das lehne ich immer ab", sagt die Verwaltungsangestellte einer ambulanten Intensivpflege, die vielfach auch nach der Beerdigung der von ihr betreuten Person mit der Familie in Kontakt bleibt. "Wenn man lange so viele Höhen und Tiefen miterlebt hat, entsteht natürlich eine Bindung."

Ihr Glaube trägt sie und gibt ihr Halt, regelmäßige Supervisionen im Kreise der Malteser sind Pflicht. "Und wir legen großen Wert darauf, unserer Fürsorgepflicht unseren Ehrenamtlichen gegenüber nachzukommen", betonte Marlies Steenken, stellvertretende Leiterin. Grundsätzlich seien alle Beteiligten nach der coronabedingten Zwangspause froh "wieder genau so begleiten zu dürfen, wie die Familie es braucht". Wer sich ihnen anschließen möchte, ist gerne gesehen.

Mit Diensten in der Umgebung ein gutes Netzwerk

Wie Miriam Tebben-Fastje mitteilte, seien noch Kapazitäten im Bereich Kinder- und Jugendhospiz frei. Wer die Hilfe nutzen möchte, aber nicht im Einzugsbereich der Friesoyther Malteser lebe, könne sich ebenfalls gerne melden. "Wir haben mit allen Diensten in der Umgebung ein gutes Netzwerk", so Koordinatorin weiter. Darüber hinaus kündigt sie gemeinsame Termine mit betroffenen Eltern an. Statt des traditionellen Frühstücks, das die Pandemie noch ausbremst, soll ein vertrauensvoller Austausch bei einer kleinen Wanderung organisiert werden.

  • Info: Informationen zur Kinderhospizarbeit erteilt Miriam Tebben-Fastje unter Telefon 04491/4006312 oder unter
    miriam.tebben-fastje@malteser.org.

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