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Hospizbegleitung: Die Auseinandersetzung mit Tod und Trauer ist Voraussetzung

Ehrenamtliche Mitarbeiterinnen des Malteser Hospizdienstes Friesoythe begleiten Sterbende und ihre Angehörigen. Die Aufgabe ist anspruchsvoll und verändert auch die Hospizbegleiter selbst.

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Hospiz-Koordinatorin Marlies Steenken (rechts) spricht mit den Hospizbegleiterinnen Anke Roter-Klinker (links) und Hildegard Reiners über ihre Arbeit mit Sterbenden und Trauernden. Foto: Stix

Hospiz-Koordinatorin Marlies Steenken (rechts) spricht mit den Hospizbegleiterinnen Anke Roter-Klinker (links) und Hildegard Reiners über ihre Arbeit mit Sterbenden und Trauernden. Foto: Stix

Corona hat über viele Familien viel Leid gebracht und gezeigt, wie wichtig die Begleitung Sterbender und ihrer Angehörigen ist. Genau daran aber war während der Pandemie nicht zu denken. Jetzt ist der direkte Kontakt wieder möglich, der Bedarf an Hospizbegleiterinnen und -begleitern groß. Größer als das Angebot. Der Malteser Hospizdienst hat deshalb wieder einen Kurs „Ausbildung zur Hospizbegleitung“ ins Programm genommen, der am 3. September startet.

„Während Corona hat sich viel Bedarf an Trauerbegleitung aufgestaut“, sagt Marlies Steenken. „Es war schlimm, dass wir in der Zeit Anfragen ablehnen mussten. Wir durften ja nicht kommen, und telefonisch kann man keine Sterbebegleitung machen.“

Der Kurs ist Voraussetzung, um als ehrenamtliche Trauerbegleiterin bei den Maltesern arbeiten zu können. Er ist für viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer aber auch die erste intensive Auseinandersetzung mit den Themen Tod und Sterben - und damit auch die Antwort auf die Frage, ob man den Aufgaben gewachsen ist, die eine Sterbe- und Trauerbegleitung mit sich bringt. „Ich traue mir das jetzt zu“, sagt Hildegard Reiners, die ihren Kurs bereits abgeschlossen hat. „Ich wollte es erst einmal nur für mich machen und habe jetzt gemerkt, dass man nach dem Kurs ganz anders mit dem Thema Tod umgeht.“

Auseinandersetzung mit dem Thema Tod ist Basis für die Sterbebegleitung

Auch ihre Kurs-Kollegin Anke Roter-Klinker ist zunächst mit einer privaten Motivation in den Kurs gegangen. „Ich habe meinen Vater und meine Schwiegermutter begleitet und danach für mich beschlossen, dass ich das jetzt lernen will“, sagt sie. „Nach dem Kurs sind Tod und Sterben keine Tabuthemen mehr für mich, das hilft auch bei privaten Kranken- und Trauerbesuchen.“ Die Basis, um Sterbende und ihre Angehörigen zu begleiten ist, so Steenken, sich zunächst selbst mit Tod und Trauer auseinanderzusetzen. „Da geht es eben auch um die Frage, was man sich selbst in dieser Situation wünschen würde.“

Dazu gehört beispielsweise auch die Aufgabe, selbst einen Abschiedsbrief zu schreiben. „Da bekommt man dann schon Ideen, was man wem noch sagen möchte“, hat Reiners festgestellt. Vor allem aber, so Steenken, ist der Brief eine Übung, bei der man sich in die Situation einer Sterbenden hineinversetzt. Davon ausgehend wird es dann leichter, die richtigen Worte und Gesten zu finden. Statt „Wie geht es Dir“, ist beispielsweise die Frage „Wie fühlst Du Dich“, bei Sterbenden und Trauernden die bessere Wahl. „Man muss auf die Sterbenden eingehen“, sagt Roter-Klinker.

Manchmal hilft es, einfach die Hand zu halten

Dazu gehört auch, Abstand von sich selbst zu nehmen. „Es ist der Weg des Sterbenden oder des Trauernden, nicht meiner“, betont Reiners. Ratschläge wie etwa „Du musst nicht“, „mach doch das“ oder „ich würde es so machen“ sind weniger hilfreich als die Frage „was willst Du“ oder „was stellst Du Dir vor?“ Und manchmal helfe es auch, einfach eine Hand zu halten und zu signalisieren, dass jemand da ist, weiß Roter-Klinker.

Und doch, der Schwerpunkt ist das Gespräch. „Die meisten wollen sprechen, sonst hätte man ja nicht den Hospizdienst angefragt“, sagt Reiners. Wie solche Gespräche ablaufen können und wo die Herausforderungen lauern, lernen die Kursteilnehmerinnen anhand von Fallbeispielen, in Kleingruppen und simulierten Gesprächssituationen. Wichtig ist, dass der Kurs und auch die Trauerbegleitung selbst nicht als Selbsthilfegruppe zur eigenen Trauerbewältigung verstanden wird, betont Steenken. „Wir klopfen vor den Kursen bei den Teilnehmerinnen die Motivation in Einzelgesprächen ab“, sagt sie. „Der Sterbende und die Angehörigen sind wichtig, wir bieten Unterstützung an und sind einfach da.“

"Schön wäre es, wenn ein paar mehr Männer sich für die Trauerbegleitung entscheiden würden."Marlies Steenken, Hospiz-Koordinatorin

120 Stunden umfasst ein Kurs, verteilt auf 21 Abende mit jeweils 4 Stunden und 2 Wochenenden. Der Arbeitsaufwand als Trauerbegleitung ist flexibel und schwer vorherzusagen. „Wir erwarten bei berufstätigen Trauerbegleiterinnen einen Einsatz von etwa 1 Stunde pro Woche im Ehrenamt“, sagt Steenken. Durchschnittlich dauert die Begleitung eines Sterbenden rund 1,5 Jahre. „Manchmal sterben Menschen aber auch innerhalb einer Woche“, sagt Steenken.

Wer den Kurs macht, muss sich nicht sofort auch für eine ehrenamtliche Tätigkeit bereit erklären. „Das fragen wir erst ganz zum Schluss ab“, betont Steenken. Auch Altersgrenzen gibt es nicht, den Kurs kann man mit 18 genauso machen wie mit 80. „Schön wäre es, wenn ein paar mehr Männer sich für die Trauerbegleitung entscheiden würden“, sagt Steenken. „Von vielen älteren Herren werden oft explizit Männer als Ansprechpartner angefragt“, hat sie beobachtet.

Wer als ehrenamtlicher Trauerbegleiter arbeitet, wird dabei nicht allein gelassen. „Die Koordinatorinnen beim Malteser Hospizdienst sind immer Ansprechpartner“, sagt Steenken. „Wir dürfen unsere Ehrenamtlichen ja nicht allein lassen.“ Nicht zuletzt, weil die Arbeit mit Sterbenden und Trauernden auch die Begleiter verändert. „Man entwickelt durch den Kurs eine eigene Haltung zum Sterben und lernt vieles anders schätzen“, weiß Steenken. Reiners und Roter-Klinker nicken. „Das Leben“, sagen sie, „ist wertvoll.“


  • Der neue Vorbereitungskurs zur Hospizbegleitung beginnt am 3. September und geht bis April 2022.
  • Er wird über das Bildungswerk Friesoythe angeboten
  • Nähere Informationen gibt es bei der Malteser-Dienststelle unter Telefon 04491/4006311 oder unter www.bildungswerk-friesoythe.de

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