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Hospitalisierung in Niedersachsen erreicht Höchststand: Was passiert jetzt?

Die Corona-Zahlen aus den Krankenhäusern in Niedersachsen steigen weiter. Die Hospitalisierung liegt am Dienstag bei 16,5. So einen hohen Wert hat es noch nie gegeben. Ein Blick in den Stufenplan.

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Ein Arzt verlässt die Covid-19-Station in einem Krankenhaus. Symbolfoto: dpa

Ein Arzt verlässt die Covid-19-Station in einem Krankenhaus. Symbolfoto: dpa

Die Hospitalisierung – einer der wichtigsten Corona-Messwerte in Niedersachsen – hat am Dienstag den bisherigen Höchstwert vom 28. März überschritten. Aus Hannover wird ein Wert von 16,5 gemeldet. Der bisherige Rekord lag bei 16,3 – während der letzten großen Infektionswelle im Frühjahr.

Die Hospitalisierung bildet die Einweisung von Corona-Infizierten in Krankenhäuser ab. Sie ist seit Ende September kontinuierlich gestiegen und gewinnt zunehmend an Dynamik. Zum Vergleich: Vor genau 2 Wochen lag die Hospitalisierung bei 11,5, vor genau einem Monat noch bei 8,2 – sie hat sich also binnen 4 Wochen mehr als verdoppelt.

Die Hospitalisierung bildet beim neuen Corona-Stufenplan in Niedersachsen mit der Intensivbettenquote (also der Anteil von Covid-19-Patienten auf den niedersächsischen Intensivstationen) den Leit-Index. Seit dem 1. Oktober gilt bundesweit das neue Infektionsschutzgesetz. Darin vorgesehen ist, dass die Länder aufgrund der eigenen Corona-Zahlen weitergehende Schutzmaßnahmen erlassen können. In Hannover hatte man sich dazu entschieden, nicht mehr die 7-Tage-Inzidenz als Maßstab aller Dinge zu nehmen.

Ist schon die Zeit für das "Winterreifen-Szenario"?

Frage: Wenn die Hospitalisierung jetzt einen noch nie dagewesenen Höchststand erreicht – drohen jetzt Verschärfungen bei den bestehenden Schutzmaßnahmen? Antwort: Jetzt (noch) nicht. Grund dafür ist die Intensivbettenquote. Auch die ist in den letzten Tagen zwar kontinuierlich gestiegen – aktuell liegt der Wert bei 6. Damit bleibt dieser Wert aber immer noch deutlich unterhalb des Schwellenwertes für Stufe 1.

Hier die Stufen im Überblick:

  • Stufe 1 – das "Winterreifen-Szenario": Die Hospitalisierung liegt über 15, die Intensivbettenquote liegt über 10. Dann sollen unter anderem mindestens medizinische Masken in öffentlich zugänglichen Innenräumen wie Supermärkten getragen werden. Diese Pflicht soll dann auch in der Gastronomie sowie bei Veranstaltungen im Innenbereich gelten. Setzen Betriebe und Veranstalter auf tagesaktuelle Tests als Zugangsbeschränkung, unabhängig vom Impfstatus, sind Ausnahmen von der Maskenpflicht möglich. Eine Zugangsbeschränkung von 3G oder 2G – wie zuletzt in diesem Frühjahr – ist also nicht vorgesehen. Eine Maskenpflicht gilt in Stufe 1 auch für die Beschäftigten an Schulen, um das Personal zu schützen und den Präsenzunterricht abzusichern.
  • Stufe 2 – das "Schneeketten-Szenario": Die Hospitalisierung liegt über 20, die Intensivbettenquote liegt über 15. Dieses Szenario ist noch nicht ansatzweise in Sichtweite. Derart hohe Schwellenwerte sind auch während der abgelaufenen Pandemie noch nie erreicht worden. Wenn diese Werte erreicht werden, müsse man von einer "massiven Belastung des Gesundheitssystems" sprechen, heißt es in Hannover. Es gibt bereits einen ersten Entwurf, was dann passieren soll. Allerdings: Der Landtag muss darüber beraten und final entscheiden. Es gibt also keinen Automatismus. Bislang vorgesehen ist, dass in diesem Szenario die wie in Stufe 1 geltende Maskenpflicht auf FFP2-Masken beschränkt wird. Das gilt dann auch für Veranstaltungen unter freiem Himmel, wenn Abstände nicht eingehalten werden können. Schüler ab Klasse 5 müssen während des Unterrichts eine Maske tragen und sich zweimal pro Woche testen lassen.

Ein Lockdown und/oder Schulschließungen sind also auch bei der schärfsten Warnstufe ausgeschlossen – zumindest beim derzeitigem Strategie-Papier. Das könnte aber noch einmal überarbeitet werden. In diese Richtung hat sich Niedersachsens Gesundheitsministerin Daniele Behrens (SPD) geäußert. Dann käme doch die landesweite 7-Tage-Inzidenz wieder ins Spiel. Die liegt am Dienstag bei 736,2. Sollte der Inzidenzwert die Marke von 2000 überschreiten, könne eine Anpassung in Betracht kommen. Grund: Bei einer solchen Infektionslage drohe eine übermäßige Belastung der kritischen Infrastruktur durch Personalausfälle. Die Marke von 2000 ist allerdings hoch gesetzt und ist auch nur einmal während der letzten Corona-Welle im Frühjahr überschritten worden. Der bisherige Höchstwert der  7-Tage-Inzidenz in Niedersachsen liegt bei 2042,6 und datiert vom 26. März.

Ein Blick ins Oldenburger Münsterland: In den Landkreisen Cloppenburg und Vechta ist die 7-Tage-Inzidenz zuletzt gesunken. Das RKI meldet für Vechta einen Wert von 520,7 (Freitag: 620,8) und für Cloppenburg 480,5 (Freitag: 551,2). Beide Kreise bewegen sich damit weiterhin im Keller der Inzidenztabelle für Niedersachsen. Zum Vergleich: Der landesweit höchste Wert wird aktuell für den Landkreis Northeim mit 1065,5 gemeldet.


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