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Holz statt Plastik: Tagesmutter setzt auf Nachhaltigkeit

Kinder sollten früh lernen, achtsam mit der Umwelt umzugehen, sagt Jaqueline Beckmann aus Lastrup. Sie selbst will darin auch besser werden. Denn in Deutschland wird noch immer zu viel weggeschmissen.

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Lernen schnell: Während Nele mit einem Holzkasten spielt, hält Bennet ein Spielzeug aus Kunststoff in der Hand. Tagesmutter Jaqueline Beckmann  will das Plastik möglichst aus ihrem Haus verbannen. Foto: Meyer 

Lernen schnell: Während Nele mit einem Holzkasten spielt, hält Bennet ein Spielzeug aus Kunststoff in der Hand. Tagesmutter Jaqueline Beckmann  will das Plastik möglichst aus ihrem Haus verbannen. Foto: Meyer 

Woraus ihr Spielzeug besteht, wissen Nele und Bennet nicht. Es ist ihnen auch egal, Hauptsache, das Spiel bleibt spannend. Dass ihnen Jaqueline Beckmann immer öfter Holz statt Plastik in die Hände drückt, dürfte den beiden deshalb kaum bewusst sein. Doch die Lastruper Tagesmutter ist überzeugt. "Beim Thema Nachhaltigkeit müssen wir bei den Kleinsten anfangen."

Die Zahl gibt zu denken: 632 Kilogramm Müll hat jeder Deutsche im Jahr 2020 entsorgt. Laut der Statistikbehörde Eurostat waren das 67 Kilo mehr als 2005. Noch mehr Müll produzierten nur Dänen (845 Kilo), Luxemburger (790) und Malteser (643). Die Pandemie hat den Verpackungsbedarf weiter in die Höhe getrieben. "Das habe ich auch an meinem Verhalten bemerkt", bestätigt Beckmann. Sie wollte etwas ändern. Als das Bildungswerk in Löningen ein Seminar zum Thema anbot, meldete sie sich sofort an. 

Was Kursleiterin Rebecca Kalvelage über ein nachhaltiges und plastikfreies Leben mit Kindern zu berichten wusste, überzeugte die Tagesmutter schnell. Bis zu fünf Kinder betreut sie täglich bei sich zu Hause und kocht auch für sie. Wieviel Abfall allein beim Wickeln entsteht, weiß Beckmann deshalb nur zu gut. "Der Mülleimer ist am Ende der Woche immer randvoll." Mit Kalvelage traf sie sich im Anschluss regelmäßig wieder. Die Hamstruperin berät Eltern unter anderem beim Umgang mit Stoffwindeln. Ihr geht es vor allem um die Müllvermeidung. Und dabei könne jeder mehr tun, ist sie überzeugt.

Einmal wöchentlich einkaufen und waschen

Die beiden Frauen beschäftigen sich gänzlich ideologiefrei mit dem Problem. Sie wollen niemanden belehren. "Wir sind ja selbst nicht perfekt", betont Jaqueline Beckmann. Darum gehe es aber auch nicht. Sie habe sich vorgenommen, nur einmal wöchentlich einzukaufen. "Der Wagen ist dann natürlich randvoll." Auf Plastikverpackungen versucht sie so gut wie möglich zu verzichten, was aber schwierig bleibt.

Um nichts zu vergessen, schreibt die zweifache Mutter vor der Fahrt zum Supermarkt einen langen Einkaufszettel. Außerdem plant sie das Mittagsessen für die gesamte Woche durch und erledigt inzwischen vieles zu Fuß. Kleinigkeiten zählen. "Ich benutze zum Beispiel keine Spülmaschinentabs mehr, sondern nehme loses Pulver." Gewaschen wird ebenfalls nur einmal in der Woche. "Man muss die Kindersachen nicht täglich wechseln. Es reicht auch, sie gut auszulüften."  Spektakulär seien alle diese Maßnahmen natürlich nicht, dafür aber wirksam. 

"Weniger ist mehr" gilt jetzt auch beim Spielzeug. Billige Plastikschaufeln, die – im Winter draußen vergessen und spröde geworden – ständig durch neue ersetzt werden müssen, hat Beckmann aus dem Sandkasten verbannt. Getrunken wird aus echten Gläsern, die Kunststoffnuckelflaschen tauschte sie gegen langlebige Modelle aus Edelstahl aus. Fruchtquetschen sind tabu, stattdessen wird das Obst geschnibbelt. Und so praktisch Feuchttücher auch sein mögen – ein Waschlappen tue es auch, findet die Lastruperin.

"Wenn ich spazieren gehe, sehe ich überall Müll herumliegen."Jaqueline Beckmann, Tagesmutter aus Lastrup

Eigentlich gebe es für fast alles aus Plastik eine Alternative, sagt Rebecca Kalvelage. Eine Ausnahme macht sie bei Legosteinen. Die seien nicht nur ein sinnvolles Spielzeug, sondern auch einfach nicht kaputtzukriegen. Bei allem Sinn für Nachhaltigkeit bleiben die Frauen pragmatisch. "Ich fahre schließlich auch mit meinem Auto zur Arbeit nach Oldenburg", bekennt Kalvelage. Dennoch sei es höchste Zeit, das Bewusstsein für den Umweltschutz zu schärfen. "Wenn ich mit den Kindern im Ort spazieren bin, sehe ich überall Müll herumliegen", berichtet Jaqueline Beckmann.

"Was Hänschen nicht lernt":  Den 1- bis 3-Jährigen bringt die Tagesmutter bei, Abfall nicht achtlos liegenzulassen und gut mit ihren Spielsachen umzugehen, damit sie lange halten. Mit Erfolg. "Die Kleinen sind in diesem Alter besonders empfänglich und lernen schnell." Wichtigste Vorbilder blieben aber die Eltern. "Wenn es zu Hause nicht klappt, funktioniert es später auch anderswo nicht gut", weiß Beckmann. Wer Fragen zum Thema hat, darf sich gern an sie oder Rebecca Kalvelage wenden.  


Wie können wir unsere Müllmenge reduzieren? Das Magazin Ökotest rät:

  • 1. Obst und Gemüse lose einkaufen: Noch immer gibt es in unseren Supermärkten viel zu viel frische Ware, die in Folie eingeschweißt ist. Greifen Sie bei Obst und Gemüse am besten immer zu unverpackten Alternativen. 
  • 2. Seife und Duschgel ohne Plastikverpackung: Die Auswahl an Seifen, Duschgels und Shampoos ohne Plastikverpackung wird kontinuierlich mehr.  Kaufen Sie bei möglichst vielen Produkten die feste Alternative oder füllen Sie Shampoos und Reinigungsmittel in eigene Flaschen ab.
  • 3. Milch und Joghurt im Glas: Die meisten Menschen greifen im Supermarkt automatisch zu Milch im Tetrapack und Joghurt im Plastikbecher. Dabei gibt es viele müllfreie Alternativen im Pfandglas. 
  • 4. Mehrweg- statt Einwegflaschen:  Die bessere Wahl ist Mehrweg – und der Verzicht auf so manches Produkt. Für den Kaffee unterwegs können Sie einen eigenen Thermobecher mitbringen, der Smoothie schmeckt am besten selbst gemacht und statt der Einwegflasche können Sie eine Mehrwegflasche nehmen.
  • 5. Teller statt Tonne: Vermeiden Sie Foodwast: Wir Deutschen werfen im Jahr schätzungsweise 18 Millionen Tonnen Lebensmittel weg. Einen Großteil davon könnten wir vermeiden. Also: gezielt einkaufen, richtig lagern, das Mindesthaltbarkeitsdatum nicht überbewerten – und Reste kreativ verwerten. 
  • 6. Flohmärkte und Onlinebörsen nutzen: Egal ob Flohmarkt, Secondhand-Laden oder Onlinebörse: Wer hier einkauft oder Dinge, die er, bzw. sie nicht mehr braucht, weiterverkauft, sorgt für weniger Müll. Und spart dabei jede Menge Bares.
  • Rebecca Kalvelage bietet ihr Seminar "nachhaltiges und plastikfreies Leben mit Kindern" am 14. März in Emstek an (9 bis 11 Uhr). Anmeldungen nimmt das Familienbüro entgegen (04473/948451).

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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