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Holdorfs Bürgermeister hält flammendes Plädoyer pro Bürgerpark

Für das geplante Projekt und speziell die Verlagerung der Hofstelle Münzebrock auf die Wiese am Osterort/Ostring gibt es Kritik. Wolfgang Krug lässt mangelnde Transparenz der Gemeinde nicht gelten.

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Der Traum vom Bürgerpark: Auf der Pferdewiese am Osterort in Holdorf soll er lebendig werden. Foto: Vollmer

Der Traum vom Bürgerpark: Auf der Pferdewiese am Osterort in Holdorf soll er lebendig werden. Foto: Vollmer

Die Tagesordnung für die erste Sitzung des neuen Arbeitskreises Bürgerpark umfasste nur einen wirklichen Tagesordnungspunkt. Doch eine kurze Aussprache über das geplante Großprojekt am Osterort und Ostring hatte wohl niemand der Anwesenden am Mittwochabend im Holdorfer Rathaus erwartet – nicht die Verwaltung, nicht die Politiker und nicht das Dutzend Besucher. Also schloss der Arbeitsvorsitzende Thomas Deters (IGeHo) die Sitzung auch erst um 19.58 Uhr, nach 118 Minuten Aussprache.

Denn es gab viel mehr zu diskutieren als den TOP 3: „Vorstellung der Ausschreibungsunterlagen für den Bürgerpark“. Es ging auch nicht nur um die mögliche Gestaltung des Bürgerparks und die dorthin anvisierte Verlagerung der Hofstelle Münzebrock vom jetzigen Standort an der Bundesstraße 214. Sondern es wurde um das gesamte Projekt „Lebendige Zentren“ gesprochen, das auch zwei weitere Vorhaben umfasst. Die Neugestaltung des Rathausplatzes und die Entschärfung der Kreuzung Im kleinen Esch/Osterort.

Bürgermeister Dr. Wolfgang Krug musste zuerst zwar einige kritische Nachfragen beantworten, vor allem von den Vorstandsmitgliedern der IGeHo. Doch am Ende überwog das Gefühl eines konstruktiven Treffens, weshalb Bürgermeister Krug am Tag danach auch von einem „fruchtbaren Informationsaustausch“ sprach, „auf Basis der Fragen, die das Projekt kritisch sehen“.

Die Hofstelle Münzebrock soll in den neuen Bürgerpark zwischen Ostring und Osterort versetzt werden. Foto: VollmerDie Hofstelle Münzebrock soll in den neuen Bürgerpark zwischen Ostring und Osterort versetzt werden. Foto: Vollmer

Also: Was kritisierten die Kritiker denn nun? Im großen Ganzen ging es vor allem um zwei Aspekte. Erstens: Die Holdorfer Bürgerinnen und Bürger würden bei dem Projekt (bislang) zu wenig mitgenommen. Es seien zu wenig oder gar keine Informationen geflossen. Wer habe überhaupt was entschieden?

Zweitens: die Translozierung der Hofstelle. Die Kosten von 1,2 Millionen Euro stünden in keinem Verhältnis. Außerdem gehören die Gebäude dort nicht hin. Ist die Hofstelle überhaupt historisch? Und: Hält überhaupt die Bausubstanz?

Den Vorwurf der mangelnden Transparenz der Gemeindeverwaltung für die Projekte im Allgemeinen und für die Translozierung im Speziellen wollte der Bürgermeister nicht gelten lassen. Er wies wiederholt darauf hin: Auf der Bürgerversammlung am 24. April 2019 hätten sich die Holdorfer eindeutig für die Translozierung ausgesprochen. Die zahlreichen Ideen für den Bürgerpark seien auch schon in die Konzepterstellung mit eingeflossen.

Krug warb noch einmal eindringlich für das Vorhaben, für das er die Unterstützung von den Fraktionen von CDU/FDP und SPD hat, den Hof Münzebrock in den Bürgerpark zu verlegen. „Wir können damit zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen: Die Erhaltung der historischen Bausubstanz und ein Kultur-, Vereins- und Heimatzentrum bauen. Diesen Mehrwert daraus zu ziehen, etwas Lebendiges zu schaffen, diese Chance müssen wir nutzen. Wenn die Chance weg ist, dann ist sie weg.“

Für die Translozierung erhält Holdorf hohe Fördergelder

Der Verwaltungschef ist sich sicher: Wenn die Gebäude erst einmal im Bürgerpark stehen, dann seien später alle zufrieden. Die Bausubstanz des 1825 errichteten Gebäudes sei außerdem noch mehr als ordentlich. Und: Für die Kosten von 1,2 Millionen erhält die Gemeinde 800.000 Euro Fördergelder.

Der flammende Appell des Bürgermeisters kam dann auch bei Manfred Frilling (IGeHo), bislang ein durchaus vernehmbarer Kritiker der Translozierung, offenbar gut an. Die Diskussion in der Bevölkerung – „Wir wollen nicht so viel Geld für so viel Schrott ausgeben“ – werde vielleicht auch einfach falsch geführt, meinte er.

Entschieden ist noch gar nichts

Klar ist aber auch: Außer einer Karte und den gesammelten Ideen für den Bürgerpark ist noch nichts entschieden. Weshalb die Gemeinde  Zeitdruck hat. Bis Ende des Jahres – so die Vereinbarung mit dem neuen Grundstückseigentümer – muss die Hofstelle Münzebrock in den Bürgerpark verlagert werden. Also dorthin, wo sie laut dem Bürgermeister schon früher einmal stand. Gesucht wird allerdings noch eine Firma, die das kann.

Gesucht wird auch ein Planer für das Bürgerpark-Konzept, weshalb der Arbeitskreis die Ausschreibungsunterlagen – der eigentliche Grund der Sitzung – festlegte. Gespannt sind Politik, Verwaltung und Bürger dann sicherlich, welche Ideen den Holdorfern präsentiert werden. Denn es gibt noch zahlreiche zu lösende Fragen: Wird es eine Verbindung zwischen Osterort und Dersastraße geben? Zwischen Osterort und Ostring? Wo sollen Parkplätze entstehen (zum Beispiel an der Dersastraße), die nicht nur nötig sein werden, weil auf Dauer welche beim Rathausvorplatz wegfallen? Werden Barrierefreiheit und Klimaresilienz berücksichtigt?

Viele Fragen, auf die Politik und speziell der Arbeitskreis Antworten suchen wollen. In Form gegossen werden soll dies später auch noch bei einer Bürgerversammlung, versicherte Dr. Krug. Stichwort: Transparenz.


Fakten:

  • Die Chance, den Ortskern zu sanieren, bietet sich der Gemeinde Holdorf dank der Aufnahme in das Städtebauförderungsprogramm „Lebendige Zentren“. Der Antrag der Gemeinde hat ein Finanzvolumen von rund 4,267 Millionen Euro. Davon muss die Gemeinde 1,422 Millionen Euro (= ein Drittel der Gesamtkosten) selbst aufbringen; 2,845 Millionen Euro fließen von außen als Zuschuss nach Holdorf (= zwei Drittel).
  • Die Kosten für den Abriss und Aufbau der Hofstelle Münzebrock (Translozierung) liegen bei rund 1,2 Millionen Euro – dafür gibt es rund 800.000 Euro Zuschüsse; aus dem Programm „Lebendige Zentren“ und Leader der EU.
  • Für die Gestaltung des Bürgerparks steht rund 1 Million Euro zur Verfügung.
  • Für die Sanierung des Rathausvorplatzes schätzt die Gemeinde Holdorf die Kosten auf grob 600.000 Euro.
  • Für die Entschärfung der Kreuzung Im kleinen Esch / Osterort plant die Verwaltung für Grunderwerb und Baukosten ebenfalls rund 600.000 Euro ein.
  • Eine Besonderheit an dem Städtebauförderungsprogramm ist außerdem, dass auch Privatpersonen Geld für Investitionen bekommen können, wenn sie im Fördergebiet leben. Dafür hat die Gemeinde ein Budget von 100.000 Euro eingeplant.
  • Innerhalb der vier Projekte ließe sich das Geld auch umverteilen, sagte Holdorfs Bürgermeister Dr. Wolfgang Krug. Davon sei er in so einem frühen Projektstadium jetzt aber noch kein Freund.

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