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Hoffnungen auf den Stoppelmarkt schwinden

Ohne ausreichende Impfung der Bevölkerung räumen die Vechtaer Stadtverwaltung und die Schausteller dem Volksfest kaum Chancen ein. Trotzdem laufen die Vorbereitung erst einmal weiter.

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Trubel auf der Westerheide: Ob sich die Karussells vom 12. bis 17. August drehen, ist angesichts der Corona-Pandemie äußerst fraglich. Schon im vergangenen Jahr musste der Stoppelmarkt ausfallen. Foto: M. Niehues

Trubel auf der Westerheide: Ob sich die Karussells vom 12. bis 17. August drehen, ist angesichts der Corona-Pandemie äußerst fraglich. Schon im vergangenen Jahr musste der Stoppelmarkt ausfallen. Foto: M. Niehues

An Großveranstaltungen ist in Deutschland kaum zu denken. Dafür genügt ein Blick auf das aktuelle Infektionsgeschehen, das mit einer 7-Tage-Inzidenz von mehr als 300 auch im Oldenburger Münsterland neue Höchststände erreicht. Mehrere Schützenvereine in der Stadt Vechta haben bereits die Reißleine gezogen und ihre Schützenfeste abgesagt. Festivals wie "Tante Mia tanzt" und „Ladioo" fallen ebenfalls aus. Es ist es wohl nur noch eine Frage der Zeit, bis auch die Veranstalter des Stoppelmarktes die Segel streichen müssen.

Im vergangenen Sommer hatte Bürgermeister Kristian Kater (SPD) noch gesagt: "Das ist ein Jahr der Entbehrungen. Der Stoppelmarkt wird uns fehlen." Doch zu diesem Zeitpunkt war kaum absehbar, dass die Corona-Pandemie sich derartig entwickelt, dass die Menschen in Vechta und Umgebung möglicherweise ein weiteres Mal auf den geliebten Trubel mit hunderttausenden Menschen auf der Westerheide verzichten müssen.

"Die Zuversicht, die wir noch im November hatten, ist zwischenzeitlich einer Ernüchterung und einer realistischen Einschätzung der tatsächlichen Möglichkeiten gewichen."Herbert Fischer, Leiter der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit, Kultur und Marktwesen der Stadt Vechta

Nach den Aussichten auf eine Durchführung des Volksfestes vom 12. bis 17. August 2021 gefragt, kommt aus dem Rathaus eine verhaltene Reaktion, die wenig Hoffnung macht: "Die Zuversicht, die wir noch im November hatten, ist zwischenzeitlich einer Ernüchterung und einer realistischen Einschätzung der tatsächlichen Möglichkeiten gewichen", erklärt Herbert Fischer, Leiter der Stabsstelle Öffentlichkeitsarbeit, Kultur und Marktwesen der Stadt Vechta.

Hygiene ist das A und O in der Pandemie: Jürgen Meyer, Vorsitzender des Vechtaer Vereins reisender Schausteller, sieht das Infektionsgeschehen mit großer Sorge. Foto: SpeckmannHygiene ist das A und O in der Pandemie: Jürgen Meyer, Vorsitzender des Vechtaer Vereins reisender Schausteller, sieht das Infektionsgeschehen mit großer Sorge. Foto: Speckmann

Er verweist insbesondere auf die schwierige Lage, in der sich die Impfkampagne in Deutschland aktuell befindet. Ohne ausreichende Impfungen würden die Chancen natürlich erheblich schwinden, in diesem Jahr einen Stoppelmarkt zu veranstalten, sagt Fischer. Gleichwohl gebe es bis dato noch keinerlei Vorschriften, die Großveranstaltungen regeln würden, die ähnlich wie der Stoppelmarkt im Monat August stattfinden.

Nach Einschätzung des Deutschen Schaustellerbundes (DSB) können große Volksfeste erst wieder veranstaltet werden, wenn eine so genannte Herdenimmunität in der Bevölkerung erreicht ist. "Dass wir bei einer riesigen Besuchermenge, wie zum Beispiel der Cranger Kirmes, mit Schnelltests arbeiten, das wird nicht gehen", erklärt DSB-Präsident Albert Ritter gegenüber der Deutschen Presse-Agentur.

Volksfeste in der gewohnten Dimension könnten in Deutschland wohl erst wieder über die Bühne gehen, wenn ein ausreichender Teil der Bevölkerung gegen das Coronavirus geimpft sei. Wichtig sei zudem, dass Kommunen nicht vorsichtshalber schon jetzt Volksfeste etwa für den Herbst komplett absagten. "Wir haben mit kurzfristiger Planung kein Problem", so Ritter weiter.

Schausteller betrachten Entwicklung mit Sorge

Der Vechtaer Verein reisender Schausteller betrachtet die Entwicklung mit großer Sorge. Die Betriebe sind durch die Pandemie schwer gebeutelt, wichtige Einnahmen sind weggebrochen. "Es ist eine zermürbende Situation. Es kommt mir zurzeit noch ein Stück schlimmer vor als im vergangenen Jahr. Da bestand noch Hoffnung auf eine baldige Besserung", erklärt Vorsitzender Jürgen Meyer auf Anfrage.

Den Stoppelmarkt 2021 möchte der Schausteller aus Goldenstedt noch nicht totsagen, aber er beobachtet das regionale und bundesweite Infektionsgeschehen ganz genau und weiß die Lage im Land realsistisch einzuschätzen: "Wenn nicht eine Beschleunigung beim Impfen stattfindet, wird es schwer, Veranstaltungen in der Größenordnung zu organisieren. Bei dem aktuellen Tempo sind die Chancen sehr gering."

Auch wenn die Vorzeichen schlecht sind, treibt die Stadt Vechta als Veranstalterin des Stoppelmarktes die Planungen voran. "Es ist ein nach der Gewerbeordnung festgesetzter Jahrmarkt. Daraus ergibt sich zunächst eine Durchführungspflicht für den Veranstalter. Somit wurde das Zulassungsverfahren auch genauso wie in den Vorjahren regulär durchgeführt", erläutert der Stabsstellenleiter.

Entscheidung bis spätestens Anfang Juni erforderlich

Unter der Federführung von Marktmeister Jens Siemer laufen diverse Vorbereitungen, die für eine theoretisch immer noch mögliche Durchführung des Marktes zwingend notwendig wären. Laut Mitteilung der Verwaltung sind jedoch keinerlei Ausgaben getätigt, alle Einsparpotentiale genutzt und bisher vergebene Aufträge unter ein Durchführungsvorbehalt gestellt worden.

"Aus rein organisatorischer Sicht wäre eine Entscheidung bis spätestens Anfang Juni erforderlich. Dieser 8-Wochen Zeitraum vor der Veranstaltung wird auch von anderen Volksfest-Großveranstaltern, mit denen wir regelmäßig in Kontakt stehen, vertreten. Allerdings wird dies auch schon Thema in der nächsten Sitzung des Marktausschusses Anfang Mai sein", sagt Fischer.

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