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Hiobsbotschaft für den Stoppelmarkt: Alkoholfreies Zelt steht vor dem Aus

Die Ehrenamtlichen wollen sich wegen zunehmender Personalsorgen vom Volksfest zurückziehen. Die Stadt Vechta hat die Hoffnung noch nicht aufgegeben.

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Gemischte Gefühle: Bürgermeister Kristian Kater (rechts) und Marktmeister Jens Siemer (links) danken Hildegard Bröring und Karl-Heinz Heidemann, stellvertretend für die vielen ehrenamtlichen Helfer, für den Einsatz. Aber die Blumen können über den möglichen Verlust des Alkoholfreien Zeltes nicht hinwegtäuschen. Foto: Speckmann

Gemischte Gefühle: Bürgermeister Kristian Kater (rechts) und Marktmeister Jens Siemer (links) danken Hildegard Bröring und Karl-Heinz Heidemann, stellvertretend für die vielen ehrenamtlichen Helfer, für den Einsatz. Aber die Blumen können über den möglichen Verlust des Alkoholfreien Zeltes nicht hinwegtäuschen. Foto: Speckmann

Das Alkoholfreie Zelt ist eine feste Institution auf dem Stoppelmarkt. Es bildet einen willkommenen Gegenpol zu den Partyzelten. Hier können sich die Besucher in Ruhe niederlassen und dem Rummel für einen Moment entfliehen. Doch die traditionsreiche Einrichtung steht vor dem Aus. Sofern sich kein neuer Betreiber findet, wird die Westerheide vom 11. bis 16. August um ein Angebot ärmer sein.

Vor 6 Jahren haben die ehrenamtlichen Betreiber noch allen Grund zur Freude. Sie feierten den 40. Geburtstag des für ein Volksfest wohl einmaligen Schankzeltes und erzielten einen Rekord-Überschuss in Höhe von rund 11.000 Euro, der wie gewohnt für soziale Zwecke gespendet wird. Alles erwirtschaftet ohne einen Tropfen Alkohol, dafür mit viel Kaffee und Kuchen und noch mehr Herzblut. Doch die Zeiten ändern sich.

Die Corona-Pandemie hat auch hier ihre Spuren hinterlassen. „Die 2 Jahre waren zu lang. Man fängt bei null wieder an. Da ist es schwer, die Leute zum Mitmachen zu motivieren“, erklärt Hildegard Bröring, die sich schon seit dem Start im Jahr 1977 im Alkoholfreien Zelt engagiert, zunächst als Bedienung und schließlich federführend in der ebenfalls ehrenamtlich tätigen Arbeitsgemeinschaft.

"Ich finde es schade, dass wir aufgeben. Aber wir können das nicht mehr leisten und finden niemand, der sich verantwortlich einsetzen möchte.“Hildegard Bröring, Mitglied der Arbeitsgemeinschaft

Schon vor längerer Zeit hätten sich die Organisatoren um Nachwuchs bemüht, der sich in das Projekt einbringt, sei es in führender Position oder auch als fleißiger Helfer, berichtet Bröring. In der Vergangenheit seien mehrere hundert Kräfte im Einsatz gewesen, um die Schichten während des sechstägigen Volksfestes zu besetzen. Doch mittlerweile stünden viele Stammkräfte aus Altersgründen nicht mehr zur Verfügung.

Der Personalbedarf beschränkt sich nicht nur auf die Öffnungszeiten. Ein Problem ist es auch, Nachtwachen für das Zelt zu finden. Das sei in jüngster Vergangenheit immer schwieriger geworden, berichtet Karl-Heinz Heidemann, der sich vor allem um die technischen Belange kümmert. Dass es vor einigen Jahren zum Diebstahl eines Stromkabels gekommen ist, ärgert den ehemaligen Polizeibeamten verständlicherweise immer noch.

Stirnrunzeln im Rathaus

Aufgrund der Personalsorgen hat sich der 8-köpfige Arbeitskreis vor wenigen Wochen zusammengesetzt und die Situation noch einmal eingehend erörtert. Dabei sind die Beteiligten zu dem Entschluss gekommen, die Reißleine zu ziehen. „Ich finde es schade, dass wir aufgeben. Aber wir können das nicht mehr leisten und finden niemand, der sich verantwortlich einsetzen möchte“, bedauert Bröring.

Die Hiobsbotschaft sorgt – bei aller Vorfreude auf die Rückkehr des Volksfestes – für betrübte Gesichter im Rathaus. „Da geht was verloren“, sagt Bürgermeister Kristian Kater (SPD) stirnrunzelnd. Er verweist auf die große Tradition des Alkoholfreien Zeltes. Es sei eine feste Einrichtung des Stoppelmarktes. Es biete Menschen, die sich nicht in Partyzelten zuhause fühlten, die Möglichkeit, sich ohne laute Musik in Ruhe zu unterhalten.

Auch Marktmeister Jens Siemer weiß den Sonderstatus des Angebotes zu schätzen. Die Gründe der Verantwortlichen kann aber auch er gut nachvollziehen. Es sei schwierig, Personalplanung, Einkäufe, Aufbau und die vielen weiteren organisatorischen Aufgaben rund um einen Zeltbetrieb in ehrenamtlicher Form zu bewerkstelligen. „Das ist unfassbar viel Arbeit“, erklärt der Verwaltungsvertreter.

Stadtverwaltung appelliert an mögliche Nachfolger

Die Stadtverwaltung dankt den Ehrenamtlichen für die geleistete Arbeit. Sie hat die Hoffnung aber noch nicht aufgegeben, dass das Angebot unter neuer Regie weitergeführt werden könnte und sich Interessierte im Rathaus melden. Ihr Appell richtet sich an Vereine, Institutionen und sonstige Gruppen. Vielleicht wäre das Zelt auch eine Chance für Jugendverbände, gemeinsam etwas zu gestalten, sagt Kater.

Im Marktkonzept hat das Angebot einen festen Platz. Das Standgeld für das 300 Quadratmeter große Zelt wird den Betreibern erlassen, und an der Ausstattung sollte es auch nicht mangeln. Die bisherige Arbeitsgemeinschaft würde ihr über Jahrzehnte angesammeltes Inventar mit Küchengeräten, Geschirr und sonstigem Zubehör zur Verfügung stellen und auch als Ratgeber fungieren.

Wichtiges Ehrenamt

„Ich würde sogar noch 2 oder 3 Jahre weitermachen, wenn sich jemand findet, der Verantwortung übernimmt“, sagt Bröring, die sich als Pfarrsekretärin der Kirchengemeinde St. Mariä Himmelfahrt kürzlich in den Ruhestand verabschiedete. Für das Ehrenamt hat sich die Vechtaerin während des Stoppelmarkts stets Urlaub genommen, und sie hat es wie viele andere Mitstreiter gerne gemacht: „Es ist viel Arbeit, aber auch viel Spaß dabei.“


Fakten zum Alkoholfreien Zelt:

  • Das Alkoholfreie Zelt ist im Jahr 1977 durch den Katholischen Deutschen Frauenbund Vechta und die Katholisch-evangelischen Pfarrjugend Vechta-Oythe ins Leben gerufen worden.
  • Anlass ist die sprunghafte Zunahme der Suchtkranken, die gerade im südoldenburgischem Raum über dem Bundesdurchschnitt liegt. Gefährdete Menschen sollen einen Treffpunkt haben, an dem niemand zum Alkoholtrinken animiert werden kann.
  • Die Idee geht auf eine Aktion des Katholischen Frauenbundes zurück, der bereits in den 1920er Jahren das alkoholfreie Schankzelt „Zur fröhlichen Einkehr“ angeboten hatte. Vorausgegangen war eine Ausstellung zur „Bekämpfung des Alkoholverderbens“ auf dem Marktplatz im August 1926.
  • Die Stadt Vechta stellt den Platz auf dem Stoppelmarkt kostenfrei zur Verfügung. Die Zeltbetreiber spenden den Gewinn für einen guten Zweck.

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