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Hilfswelle aus Südkreis Vechta für Ahr-Flutopfer reißt nicht ab

Mitarbeiter der Firma Wiebold in Neuenkirchen sowie Malteser aus Damme und Dinklage waren in Ahrweiler im Einsatz. Eine tolle Idee hatten Karla und Johann Angelbeck aus Nellinghof.

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Aufladen und wegbringen: Reinhard Marstall hat in Ahrweiler 2,5 Tage lang mithilfe seines Baggers Schutt auf Lkw verladen, damit die ihn abtransportieren konnten. Der Neuenkirchener und seine Kollegen räumten nicht nur Straßen, sondern auch Gärten und Plätze frei. Foto: Wiebold

Aufladen und wegbringen: Reinhard Marstall hat in Ahrweiler 2,5 Tage lang mithilfe seines Baggers Schutt auf Lkw verladen, damit die ihn abtransportieren konnten. Der Neuenkirchener und seine Kollegen räumten nicht nur Straßen, sondern auch Gärten und Plätze frei. Foto: Wiebold

Die Welle der Hilfsbereitschaft aus Neuenkirchen und Damme für die Opfer der Flutkatastrophe im Ahrtal in der Nacht des 14. Juli reißt nicht. Jetzt waren 6 Mitarbeiter der in Neuenkirchen ansässigen Firma "Wiebold Straßen- und Landschaftsbau" in Ahrweiler vom vergangenen Donnerstag bis Sonntag im Einsatz.

Bereits vom 1. bis 6. August hatten ebenfalls 4 Malteser-Mitglieder aus Damme und eines aus Dinklage die sanitätsdienstliche Versorgung ehrenamtlich tätiger Helfer in Ahrweiler unterstützt.

Wiebold-Mitarbeiter Reinhard Marstall, der zusammen mit Holger Gräpel, Yannick Hamker, Jürgen Wiebold, Dieter Heye und Andre Berens samt einem 18-Tonnen-Radbagger, 2 Zwei-Tonnen-Baggern sowie jeweils 2 Radladern und Lkw am späten Donnerstagabend aufgebrochen war, ist immer noch fassungslos ob des Ausmaßes der Zerstörung: "Das ist ganz schlimm."

„Es war so, als wären die Vögel mit der Flutwelle fortgezogen.“Reinhard Marstall, Firma Wiebold

40 Kilometer lang und mehrere Kilometer breit sei die Schneise der Verwüstung. Deren Ausmaß lasse sich mittels Fernsehbildern nicht mal ansatzweise erfassen.

Und etwas hatte ihn besonders erschrocken: Als er am Samstagmorgen nach kurzem Schlaf wach wurde, herrschte Totenstille. Nicht mal Vögel zwitscherten: "Es war so, als wären die Vögel mit der Flutwelle fortgezogen."

Team arbeitete mit schwerem Gerät

Reinhard Marstalls Appell lautet klipp und klar: "Es müssen sich viele junge Menschen auch aus dem Kreis Vechta auf den Weg machen und den Menschen im Ahrtal beim Aufräumen helfen." Jede Unterstützung sei dort willkommen und werde dringend benötigt.

Das Wiebold-Team übernahm mit seinem schweren Gerät Aufräumarbeiten, befreite Straßen und Gärten von Schutt, Schlamm und Müll. Die Einsatzorte suchte es sich selbst. Denn, so Reinhard Marstall: "Es gab keinen, der die Einsätze koordiniert hat."

Der eigene Lkw sei zwischen Freitagmorgen und Sonntagmittag mindestens 30 Mal voll beladen zu dem außerhalb Ahrweilers gelegenen Müllabladeplatz gefahren. Zudem hatten sie auch andere Lkw beladen und bei ihrem Einsatz mit Beschäftigten eines Mainzer Gartenbauunternehmens zusammengearbeitet.

Für die Helfer soll es nicht der letzte Einsatz gewesen sein

Bei der Räumung der privaten Grundstücke konzentrierten sich Reinhard Marstall und seine Kollegen auf die von älteren Bürgern, die sich nicht mehr selbst helfen konnten. Die Menschen seien unendlich dankbar gewesen für die Unterstützung, erzählt Reinhard Marstall.

Für ihn und die anderen ist klar: Wenn die Firmenleitung die Fahrzeuge noch einmal zur Verfügung stellt, dann wollen sie gegen Ende August wieder an die Ahr fahren, um erneut zu helfen.

Malteser waren täglich 10 Stunden unterwegs

Die Malteser – Kai Huesmann, Emma Hemni, Florian Rolfes, Robert Buhl (alle aus Damme) und die Dinklagerin Laura Trumpf – waren als Teil des Betreuungsplatzes 500 des Landes Niedersachsen in Ahrweiler im Einsatz.

Jeweils von 8 bis 18 Uhr waren sie nach Worten Kai Huesmanns, der auch stellvertretender Leiter der Schnell-Einsatz-Gruppe (SEG) des MHD in Damme ist, unterwegs, um Helfer zu behandeln, die etwa Schürfwunden oder Schnittverletzungen davon getragen hatten oder unter Erschöpfungszuständen litten.

Schützenspende: Einen Scheck überreichten (von links) Rainer Scheper, Andreas Kampsen und Thomas Schulte an Michaela Varenau, Laura Trumpf, Kai Huesmann und Emma Hemni. Foto: LammertSchützenspende: Einen Scheck überreichten (von links) Rainer Scheper, Andreas Kampsen und Thomas Schulte an Michaela Varenau, Laura Trumpf, Kai Huesmann und Emma Hemni. Foto: Lammert

Diese Hilfe war dringend erforderlich. Allein aus der Gemeinde Grafschaft, von wo aus ein Shuttle-Bus-Verkehr vom Haribo-Werksgelände aus nach Ahrweiler verkehrt, seien täglich rund 1500 Helfer eingetroffen, sagt Kai Huesmann.

Dammer Schützenverein spendet 8711 Euro für Kindergartenaufbau

Den Einsatz der Malteser an der Ahr unterstützt der Dammer Schützenverein mit einer Spende von 8711 Euro. Das Geld hatten die Mitglieder der einzelnen Kompanien auf Anregung des Vorstandes bei ihren jüngsten Treffen am eigentlichen Schützenfestwochenende gesammelt.

Einen symbolischen Scheck überreichten jetzt Schützenpräsident Andreas Kampsen, sein Stellvertreter Rainer Scheper und Kassenwart Thomas Schulte an die 5 Malteser, die in Ahrweiler waren sowie an die Stadtbeauftragte Michaela Varenau. Sie teilte mit, das Geld sei für den Wiederaufbau des Kindergartens in Dernau gedacht, den die Malteser finanziell unterstützen.

Klara und Johann spenden Erlös aus Marmeladenverkauf

Ebenfalls geholfen haben Klara (8) und Johann (5) Angelbeck aus Nellinghof. Sie kochten Marmelade, fertigten Lesezeichen und Schmetterlinge mit Lutschern. Alles das gaben sie gegen Spenden für eine vom Hochwasser betroffene Familie in Ahrweiler ab, zu der die Angelbecks über eine Freundin in Kontakt kamen.

Zirka 700 Euro kamen zusammen, nachdem die Angelbecks auf Facebook und WhatsApp für die Aktion die Werbetrommel gerührt und am Heerweg einen kleinen Verkaufsstand aufgebaut hatten. Einen festen Verkaufspreis nannten Klara und Johann nicht, sie baten einfach um eine Spende.

Verkaufstalente: Johann und Karla Angelbeck gaben Marmeladen und andere Sachen gegen Spenden ab.  Foto: AngelbeckVerkaufstalente: Johann und Karla Angelbeck gaben Marmeladen und andere Sachen gegen Spenden ab.  Foto: Angelbeck

Ein kleiner Junge bekommt neues Spielzeug

Zu allererst kauften die 8- und der 5-Jährige Spielzeug für den Sohn der Familie in Ahrweiler. Zudem hat Nicole Angelbeck mit ihren Kindern Hausrat erstanden, den sie Mitte August zu der Familie bringen wird, die eine neue Wohnung bezogen hat.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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