Das Nachrichtenportal vonMünsterländische Tageszeitung MT undOldenburgische Volkszeitung OV

Hilfsorganisationen im OM bitten: Geben Sie Geld statt Sachspenden für die Ukraine!

Seit Kriegsbeginn haben sich auch in Südoldenburg viele Menschen auf den Weg gemacht, um Hilfsgüter für Flüchtlinge und Kriegsopfer nach Osten zu bringen. Erfahrene Profis mahnen: Geld ist nützlicher.

Artikel teilen:
Kiste um Kiste kommen die Hilfsgüter zusammen: Per Lastwagen geht es danach an die polnisch-ukrainische Grenze.  Symbolfoto: dpa / Balk

Kiste um Kiste kommen die Hilfsgüter zusammen: Per Lastwagen geht es danach an die polnisch-ukrainische Grenze.  Symbolfoto: dpa / Balk

Geld statt Sachspenden – das ist die Essenz eines Aufrufs, den Hilfsorganisationen auch aus dem Oldenburger Münsterland angesichts des fortgesetzten Krieges in der Ukraine an die Bevölkerung richten. 

Auf Anfrage unserer Redaktion erklärte jetzt etwa Dr. Gerhard Tepe, Direktor des Landescaritasverbandes Oldenburg, durch Geldspenden könnten in den an die Ukraine grenzenden Ländern genau jene Dinge gekauft werden, "die Not-wendend sind".  Sachspenden hingegen könne das Hilfswerk Caritas International derzeit nicht mehr annehmen, wie Tepe erläutert.

Für die Malteser im Offizialatsbezirk Oldenburg unterstützt auch Pressesprecher Stephan Grabber diese Linie. Die "derzeit effektivste Möglichkeit" für Privatpersonen und Initiativen zu helfen, sei eine Geldspende an anerkannte Hilfsorganisationen. 

Grabber lobt die Hilfsbereitschaft – und warnt trotzdem

Es sei zwar "wieder einmal beeindruckend", zu sehen, wie hilfsbereit die Menschen in der Region seien, erklärt Grabber auch mit Blick auf die vielen privaten Lieferungen von Hilfsgütern an die Grenze der Ukraine, die sich seit Kriegsbeginn aus dem Oldenburger Münsterland auf den Weg gemacht haben (wir berichteten).

Aber: Humanitäre Hilfe solle "gut vorbereitet und auch abgestimmt sein", damit sie nicht "Gefahr läuft, am Ende mehr zu stören als zu helfen", wie Grabber erläutert. Denn: Nicht alles, was in guter Absicht gespendet werde, könne Menschen in den Kriegsgebieten und auf der Flucht auch tatsächlich helfen. Und: Der gezielte Einkauf benötigter Güter vor Ort könne mehr Sinn ergeben als ein Aufruf, gebrauchte Dinge zu spenden, erklärt Grabber. Beispiel Schlafsäcke: Diese seien in Polen neu und preiswert zu kaufen; sie seien schnell verfügbar und hätten kurze Transportwege und würden die Wirtschaft "in einem belasteten Land" stärken.

Die Profis wissen, wie es geht

Anerkannte Hilfsorganisationen wie Malteser, Caritas, Deutsches Rotes Kreuz und viele andere würden entsprechend handeln und seien in der Lage, "Bedarfe gut zu ermitteln und gezielt und in Abstimmung mit anderen Akteuren" darauf zu reagieren.

Abstimmung, so erklärt Grabber von den Maltesern weiter, sei nötig, damit nicht zu viele Helfer die gleichen Dinge an einen Ort brächten, während diese anderswo fehlten. Auch hier seien professionelle Organisationen "in der Regel besser aufgestellt als nicht vernetzte und unvorbereitete Privatinitiativen".

Für die Caritas erklärt Direktor Tepe, wer etwa Kontakte zu einer Klinik im Westen der Ukraine habe, der möge den Kontakt gerne weiterpflegen. Vor allen Transporten aber solle man klären: Wer nimmt die Sachspenden in Empfang? Wo werden sie entladen und zwischengelagert? Wie werden sie weiter transportiert und an Hilfsbedürftige ausgegeben?

Wenn Hilfe zu Chaos führt

Denn, so Tepe weiter: Unkoordinierte Hilfeleistungen – "so gut sie auch gemeint sein mögen" – sorgten an den Grenzen zur Ukraine für chaotische Zustände in "improvisierten Lagerhallen". Die Güter müssten ausgepackt, gesichtet, sortiert und neu verpackt werden. Daneben seien viele Sachspenden für die Flüchtlinge "unbrauchbar". Sie müssten daher "teuer entsorgt" werden. 

Dass der Aufruf, auf Sachspenden eher zu verzichten und stattdessen Geld zu spenden, manche enttäuschen könne, räumt Tepe ein – und bittet zugleich um Verständnis.

Professor Dr. Gerald Eisenkopf von der Universität Vechta. Archivfoto: M. NiehuesProfessor Dr. Gerald Eisenkopf von der Universität Vechta. Archivfoto: M. Niehues

Kleidung landet im Müll, Medikamente können nicht gebraucht werden

Der Appell der Hilfsorganisationen deckt sich mit dem, was Dr. Gerald Eisenkopf aus Vechta zu berichten weiß. Der Professor lehrt das Fach Management sozialer Dienstleistungen an der Universität Vechta und war als Jugendlicher und junger Erwachsener selbst Teil von Hilfseinsätzen in Kriegsgebieten auf dem Balkan. Auch er würdigt die vielen privaten Hilfseinsätze, stellt aber zugleich klar: Geldspenden seien besser als Sachspenden. Gespendete Kleidungsstücke etwa würden letztlich häufig auf riesigen Müllbergen landen, die dann entsorgt werden müssten; ebenso bei unbrauchbaren Medikamenten. 

Wer selbst private Verbindungen in Kriegs- und Krisengebiete habe, der solle diese ruhig nutzen. Und: Eisenkopf lobt das Engagement der vielen, die sich nicht alleine auf staatliches Handeln verlassen wollten. Trotzdem der Appell: Gerade am Anfang humanitärer Krisen solle man "auf die großen professionellen Hilfsorganisationen" vertrauen. 

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

Das könnte Sie auch interessieren

Hier klicken und om-online zum Start-Bildschirm hinzufügen

Hilfsorganisationen im OM bitten: Geben Sie Geld statt Sachspenden für die Ukraine! - OM online