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Hilfe für Ukrainer: Hin mit Paketen, zurück mit Flüchtlingen

Die Solidarität mit Geflüchteten führt Stephan Büssing und Frank Schulte an die ukrainische Grenze Beide haben sich der Organisation "Fortuna hilft" angeschlossen.

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Solidarität: Stephan Büssing (links) und Frank Schulte haben sich mit Sachspenden, und um Flüchtlinge nach Deutschland zu bringen, auf den Weg an die ukrainische Grenze gemacht. Foto: privat

Solidarität: Stephan Büssing (links) und Frank Schulte haben sich mit Sachspenden, und um Flüchtlinge nach Deutschland zu bringen, auf den Weg an die ukrainische Grenze gemacht. Foto: privat

Die Solidarität und Hilfe sind seit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine ungebrochen. Die Menschen möchten helfen. Auch im Landkreis Cloppenburg greift eine Welle der Hilfsbereitschaft um sich. Geld- und Sachspenden werden gesammelt, Wohnraum zur Verfügung gestellt sowie Lkw und Transporter mit dringend benötigten Hilfsmitteln gepackt, um sie ins Krisengebiet zu bringen. Andere machen sich mit Bullis oder Privat-Pkw auf den Weg, um Flüchtlinge nach Deutschland zu bringen. Stephan Büssing aus Delmenhorst und Frank Schulte aus Höltinghausen sind zwei von ihnen.

Frauen erzählten in gebrochenem Englisch von ihren Erlebnissen

Sie sind innerhalb einer Woche zwei Mal an die ukrainische Grenze gefahren, um Flüchtlinge aus dem Auffanglager in Korczowa nach Deutschland zu holen. „Die Menschen dort brauchen so dringend Hilfe“, sagen die beiden. Den Kofferraum vollgepackt mit Hilfsgütern und Sachspenden, fahren sie die 1300 Kilometer quer durch Deutschland und Polen bis an die ukrainische Grenze. „Wir haben uns der Hilfsorganisation „Fortuna hilft e.V.“ angeschlossen. Sie koordiniert Spenden und Wohnraum, in dem die Flüchtlinge unterkommen können. „Das sind Menschen wie du und ich, die bis vor wenigen Wochen ein normales Leben geführt haben“, sagt Frank Schulte tief beeindruckt. „Oft mit weniger als einem Rucksack oder einer kleinen Handtasche mussten sie innerhalb kürzester Zeit fliehen und alles zurücklassen“, erzählt er weiter.

Auf ihrer ersten Fahrt bringen sie Olga mit ihrem elfjährigen Sohn Vadim nach Hamburg. Sie können hier bei Verwandten unterkommen. „Der Junge war total verschüchtert. Er musste mit seiner Mutter mehrmals in den Keller, als die Sirenen heulten“, berichtet Stephan Büssing. Vadims Vater arbeitet als Arzt in einem Krankenhaus unweit von Kiew, er musste in der Ukraine bleiben. Bereits auf dem Rückweg steht für Stephan Büssing und Frank Schulte fest, wenige Tage später noch einmal nach Korczowa zu fahren. Auf ihrer zweiten Fahrt nehmen sie eine junge Frau und eine Mutter mit ihrer 20-jährigen Tochter aus dem Auffanglager mit. „Die ersten gemeinsamen Kilometer in Richtung Deutschland war bei allen die Anspannung sehr hoch. Wir waren Fremde für sie und brachten sie in ein Land, das sie kaum kennen“, erzählt Frank.

Die lange Autofahrt lässt das Eis jedoch langsam schmelzen und die Frauen berichten in gebrochenem Englisch von ihren Erlebnissen. Lena erzählte, dass alles plötzlich ganz schnell gehen musste. Sie kommt aus einer Stadt knapp 80 Kilometer von Kiew entfernt, die unter Dauerbeschuss stand. Sie zeigt Frank und Stephan Bilder aus ihrem Wohnviertel, von bombardierten Häusern und Zerstörung, in einem Vorgarten liegt eine Granate. Ihr erstes Ziel führt die Fünf wieder nach Hamburg. In ihrem wenigen Gepäck hatte Lena eine Adresse, bei der sie zunächst unterkommen kann.

„Das sind Menschen wie du und ich, die bis vor wenigen Wochen ein ganz normales Leben geführt haben und jetzt alles zurücklassen mussten.“Frank Schulte über die Ukrainer, die vor dem Krieg fliehen.

Die beiden anderen Frauen wussten nicht, wohin ihr Weg sie führt. Mithilfe privater Unterstützung brachten Büssing und Schulte sie in eine gut ausgestattete Unterkunft nach Budjadingen. „Der Wohnungsbesitzer kennt eine Ukrainerin, die schon länger hier lebt und den beiden für die erste Zeit zur Seite stehen wird“, zeigte sich Frank Schulte erleichtert. Beiden Männern war vor ihren Fahrten bewusst, worauf sie sich einließen, aber das Schicksal der Menschen und die Bilder und Videos, die sie auf den Handys der Frauen gesehen haben, werden sie emotional noch eine Zeit lang begleiten. Es hält sie jedoch nicht davon ab, sich sobald wie möglich wieder auf den Weg zu begeben.

„Wir wissen, dass wir das Richtige gemacht haben und werden es wieder tun“, sind sich beide einig Die Geschichte von Stephan und Frank ist stellvertretend für die vielen Menschen im Landkreis, die derzeit in vielfacher Form Hilfe leisten und denen an dieser Stelle ein großer Dank gebührt. „Hört nicht auf zu helfen“, appellieren die beiden. Wer noch Wohnraum zur Verfügung stellen oder Geflüchtete aufnehmen möchte, kann sich an den Landkreis Cloppenburg unter Tel. 04471/15-202 wenden.

OM-hilft -  Helfen Sie mit! Das Oldenburger Münsterland hilft den Geflüchteten aus der Ukraine. Hilfsinitiativen, Wohlfahrtsorganisationen und viele mittelständische Unternehmen sind bereits dabei, die Hilfe vor Ort zu koordinieren. Und auch Sie können sich beteiligen. Wie und Wo? Das sagt Ihnen  die Webseite om- hilft.org

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