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Hilfe, das Kind ist krank!

Kolumne: Das Leben als Ernstfall – Wenn der Nachwuchs plötzlich fiebert, hustet und schnieft, bricht das fragile System "normaler Alltag" von jetzt auf gleich in sich zusammen.

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Am Montagabend habe ich noch die Hoffnung – wie sich schnell herausstellt: ver­gebens –, mich getäuscht zu haben: Etwas blass sitzt mein 2-Jähriger am Abendbrottisch, er wünscht sich leicht nasal "Wurst!", isst schließlich so gut wie gar nichts und findet es eine gute Idee, nach dem Essen direkt schlafen zu gehen. Normalerweise heißt es immer "Nicht in die Heia", doch an diesem Abend gibt es keine Diskussion, kein Widerwort. Im Bett verlangt er noch nach einer Winnie-Puuh-Geschichte, in der auch unbedingt Peppa Wutz (Eltern wissen, wovon ich rede) vorkommen muss. Dann niest er dreimal laut und schläft ein.

Ein paar Stunden später meldet sich ein heißes, hustendes Kind. Die Nacht ist kurz. Für alle Beteiligten. Spätestens am nächsten Morgen, als der Kleine ohne Gegenwehr ein Fieberzäpfchen akzeptiert, ist klar: Der Nachwuchs ist krank. So richtig, richtig krank.

"Gute Besserung", wünscht uns die Kita-Leiterin mit verständnisvoller Stimme, denn auch sie weiß, was nun für ein Organisationsaufwand folgt. Denn: Der sorgsam austarierte Alltag kann einem ganz schön um die Ohren fliegen, wenn das kleine, aber entscheidende Zahnrädchen "Kind" nicht läuft wie geschmiert. Und trotzdem, liebe Eltern: Relaxt, atmet tief durch, kocht euch einen 2. Kaffee, freut euch darüber, dass es so etwas wie bezahlte Kind-krank-Tage in unserem Sozialsystem gibt, und noch keine Karriere so fix an Kinderschnupfen zugrunde gegangen ist! 

"Innerhalb von 90 Minuten haue ich so schnell in die Tasten, als wäre ich Harrison Ford in dem Film 'Auf der Flucht'."Sandra Hoff

Mein eigener Rat, der mit dem Relaxen, klappt allerdings nur weniger gut. Wenn ich meine Nacht damit verbringe, ein fieberheißes Köpfchen wieder in den Schlaf zu streicheln und klar ist, dass ich um 9.30 Uhr eher im Wartezimmer des Kinderarztes sitze statt in der Redaktions­konferenz, gehe ich schlaftrunken bereits hektisch alle meine Termine durch. Welches Interview fällt flach, welches Thema muss ich auf nächste Woche verschieben, welcher Kollege kann für mich einspringen? Das Ergebnis: Irgendwas ist immer. Und am Ende gibt es für dieses "irgendwas" immer eine Lösung. 

Der große Notfallplan hätte jetzt einen Anruf beim Opa um 6.30 Uhr sein können. Alternativ haben mein Mann und ich das Spiel "Wer-ist-heute-bei-der-Arbeit-wichtiger" gespielt. Für diesen Dienstagmorgen gehe ich als "Verliererin" hervor, alle meine Themen sind schon "im Block", wie es bei uns Journalisten gerne mal heißt, ich habe keine Termine. Ich muss "nur" noch schreiben, was mit einem Kleinkind zu Hause, das gerne auf meiner Tastatur herumklimpert oder die SD-Karte in Dauerschleife rauszieht und wieder reinsteckt, eine echte Herausforderung darstellt.

Der Mittagsschlaf des Zwergs rettet mich schließlich. Innerhalb von 90 Minuten haue ich so schnell in die Tasten, als wäre ich Harrison Ford in dem Film "Auf der Flucht". Puh. Durchatmen. Die nächste schlaflose Nacht kann kommen und morgen Früh fängt das Spiel noch mal von vorne an. Denn die grüngelb schillernde Rotznase und der tief sitzende Husten verraten schon jetzt, diese Woche wird das nichts mehr mit Kita. Kuscheln ist angesagt. Und dafür lasse ich jeden Termin sausen.


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