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Hildegard Tölke bringt Platt wieder zurück in den Mainstream

Die ehemalige Lehrerin widmet sich mit großer Hingabe der plattdeutschen Sprache – schwingt aber auch gerne mal den Pinsel.

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Beachtliches Portfolio: In all den Jahren des Engagements hat Hildegard Tölke bereits eine Vielzahl von Büchern und andere Projekte, wie den "Plattdütschen Kalenner", herausgebracht. Foto: Seelhorst

Beachtliches Portfolio: In all den Jahren des Engagements hat Hildegard Tölke bereits eine Vielzahl von Büchern und andere Projekte, wie den "Plattdütschen Kalenner", herausgebracht. Foto: Seelhorst

"Platt war immer schon sehr ausgeprägt bei mir", erklärt Hildegard Tölke ihre Hingabe. "Das ist ja eigentlich unsere Muttersprache. Die lag mir immer schon am Herzen." Während ihrer Einschulung im Jahr 1949 in Brägel konnten nur die damaligen Geflüchteten Hochdeutsch. Bis zu ihrer Pensionierung hat die ehemalige Lehrerin zahlreiche Plattdeutsch-AGs in Schulen geleitet.

"Der Plattdeutsche ist bodenständig und zuverlässig – für ihn gelten noch Werte. Auch Familie bedeutet ihm viel – sie ist Heimat für ihn", sagt Tölke. "Die plattdeutsche Sprache ist sehr bildhaft. Sie vergleicht oft." So sagt der Plattdeutsche: "Icke häbb den Faut inne Dörn'" und meint, dass es ihm gelingt. "Die Sprache hat mich seit der Kindheit geprägt", fährt Tölke fort. "Sie gab einen gewissen Halt, und in vielen Situationen hat Plattdeutsch die Schärfe aus Gesprächen genommen. Plattdeutsch ist nicht beleidigend." "Wat bis du för'n Däöspaddel" habe nun mal einen ganz anderen Klang als das hochdeutsche Äquivalent "Dummkopf".

Nachhaltiger Lernerfolg war immer ein großes Ziel

Schon während ihrer Zeit als Lehrerin fiel Hildegard Tölke auf, dass vor allem zeitnahe plattdeutsche Geschichten fehlen, um Kindern eine interessante erste Begegnung mit diesem Kulturgut zu ermöglichen. So schrieb sie ihr erstes Buch "Mit Plattdütsch wess du klauk – Plaseierlicke Geschichten". Tölke hat nach eigenen Angaben hochdeutsche Geschichte von Kindern gesammelt und übersetzt und diese zu einem bunten Mix aus alten Geschichten, Liedern, Gedichten und Sketche – teils auch Eigenkreationen – zusammengestellt.

Das Buch wurde ein Erfolg, und Tölke hatte ab dem Zeitpunkt auch Rückhalt in den Gemeinden. Es begann eine lange Phase, in der Tölke unter anderem Lehrmaterialien für Schulen anfertigte und eingeladen wurde, um ihre eigenen Geschichten vorzulesen. Dies setzte sich auch nach der Pensionierung fort. "Für mich war Sprachbegegnung immer wichtig", macht Tölke deutlich. "Die Kinder sind aufmerksam. Die wollen verstehen, was ich da sage."  So würden Kinder auch erkennen und wertschätzen, dass Oma und Opa nicht nur "komisch" reden, sondern zweisprachig aufgewachsen sind. 

Malen als zweite große Leidenschaft

Als die Schulwelle etwas abebbte, schrieb sie für das "Bündnis för use Platt" und hielt vermehrt Lesungen in Pflege- und Altenheimen. 2010 erschien das erste von bislang sechs Büchern, in denen Tölke ihre Geschichten zusammenfasste, und bis heute schreibt sie regelmäßig für OV-Medien. Die Arbeit scheint Früchte zu tragen. "Es ist populärer geworden", freut sich Tölke. "Vor Jahren haben die Leute nur Platt geschnackt. Das hat sich total geändert – jetzt fangen sie auch wieder an zu lesen. Es muss nur im Alltag stattfinden."

Doch auch in anderen Bereichen ist sie künstlerisch aktiv. Neben dem  Plattdeutschen ist das Malen eine weitere Leidenschaft, die Tölke auch mit ihrem verkaufsstarken Kalender kombiniert. "Ich bin ein zufriedener und fröhlicher Mensch", resümiert sie. "Die Lebendigkeit und den Elan möchte ich mir bewahren, soweit unser Herrgott mich lässt. Zum erfolgreichen Altern gehört ein achtsamer Umgang mit dem Körper, geistiges Training, eine bejahende Einstellung zu sich selbst, soziale Kompetenz und Lust am Neuen."

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