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Herzog gewährt Friesoythe eine eigene Verfassung

Als Friesoythe seine erste Stadtordnung erhielt, gehört die Ortschaft erst seit kurzer Zeit zum Herzogtum Oldenburg. Regent war damals Peter Friedrich Ludwig.

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Historische Aufnahme: das Amt- und Amtsgerichtsgebäude. Heute dient das Ensemble – kombiniert mit einem modernen Trakt – als Rathaus der Stadt Friesoythe. Foto: Archiv Cloppenburg

Historische Aufnahme: das Amt- und Amtsgerichtsgebäude. Heute dient das Ensemble – kombiniert mit einem modernen Trakt – als Rathaus der Stadt Friesoythe. Foto: Archiv Cloppenburg

Vor 200 Jahren erließ der Herzog von Oldenburg für Friesoythe eine Stadtordnung. Diese Regelung hat eine interessante Vorgeschichte, die im Jahre 1803 begann, wie der Blick in die Archive zeigt.

Friesoythe gehörte damals erst kurze Zeit zum Herzogtum Oldenburg. 1803 war das Fürstbistum Münster durch den Reichsdeputationshauptschluss zu Regensburg verändert worden. Neuer Landesherr für die münsterschen Ämter Vechta und Cloppenburg – dazu gehörte auch Friesoythe – wurde Herzog Peter Friedrich Ludwig von Oldenburg, der so für den Verlust des Weserzolls entschädigt wurde. Im Jahre 1810 annektierte der Kaiser von Frankreich das Herzogtum Oldenburg und schuf hier eine französische Verwaltungs- und Gerichtsorganisation. Die französische Fremdherrschaft dauerte bis zum Herbst 1813.

Vogt, Amtmann, Auditor – da gibt es eine klare Ordnung

Ein Jahr später, am 15. September 1814, ordnete der Herzog von Oldenburg den Behördenaufbau neu. Mehrere Kirchspiele bilden ein Amt und mehrere Ämter einen Kreis. Zum Amt Friesoythe gehören die Kirchspiele Friesoythe, Altenoythe, Barßel, Scharrel, Strücklingen, Ramsloh und Markhausen. Die Ämter Friesoythe, Cloppenburg und Löningen bilden den Kreis Cloppenburg. Jedem Kirchspiel steht ein Kirchspielsvogt vor, jedem Amt ein Amtmann, dem ein Amtsauditor beigeordnet ist. Das Kirchspiel ist dem Amtmann untergeordnet. Beide werden vom Regierungs-Collegio in Oldenburg ernannt.

Über eine Änderung zur Friesoyther Stadtverfassung ist in der Gesetzgebung von 1814 nichts gesagt. Fünf Jahre laufen dann Beratungen über eine neue Stadtverfassung. Erst in einer Regierungsbekanntmachung vom 25. Dezember 1820 wird mitgeteilt, dass „Seine Herzog­liche Durchlaucht den Städten Wildeshausen, Vechta, Cloppenburg, und Friesoythe eigene Stadt-Ordnungen zu erteilen gnädigst geruhet“ habe.

Zum Amt Friesoythe gehörten 1814 sieben Kirchspiele

In dieser Stadtordnung für die Stadt Friesoythe ist bestimmt, dass unter der Leitung des Amtes das städtische Gemeinwesen durch den Stadtmagistrat, bestehend aus dem Bürgermeister und vier Ratsmännern (diese fünf Personen bilden den eigentlichen Stadtrat), verwaltet wird. Ihnen sind als städtische Offizielle ohne Stimmrecht ein Stadtschreiber, ein Stadtkämmerer, ein Stadtdiener und – falls erforderlich – ein Feldhüter zugeordnet. In wichtigen Fällen entscheidet ein Bürgerausschuss.

Die Gesamtheit der Bürgerschaft wählt unter Vorsitz des Amtes den Bürgermeister, die vier Ratsmänner, den Stadtschreiber, den Stadtkämmerer und den Bürgerausschuss. Der Bürgermeister wird auf Lebenszeit angestellt. Die neue Stadtordnung brachte im Vergleich mit der Zeit des Fürstbistums Münster eine schärfere Aufsicht.

Bürgermeister in Friesoythe war von 1820 bis zu seinem Tode im Jahre 1841 Kaufmann Franz Bitter, der an der Mühlenstraße wohnte. Das Rathaus befand sich in der Stadtmitte an der Ecke Lange Straße/Wasserstraße gegenüber der Pfarrkirche. Es wurde in den Jahren 1820/1821 baulich verbessert und auch für schulische Zwecke genutzt.

Amtmann Bartel errichtete das stattliche Gebäude

Erster Leiter des Amtes Friesoythe war der Amtmann Conrad Bartel (1814 bis 1830). Er bekam vom oldenburgischen Staat auf dem ehemaligen herrschaftlichen Gelände der Tecklenburger Grafen, das 1400 an den Fürstbischof von Münster und 1803 an den Herzog von Oldenburg gelangte, ein Grundstück. Dort ließ dort auf eigene Kosten mit einem Staatszuschuss ein stattliches Wohnhaus mit Anbauten errichten. Mit dem Wohnhaus verbunden war an der Westseite ein eingeschossiger Flügel, in dem sich eine Amtsstube und eine Registratur befanden. Die Amtsstube erreichte man über den Eingang im Wohnhaus. In einem eingeschossigen Flügel an der Ostseite waren Küche und Nebenräume getrennt durch eine Diele mit Tor und ein Kuh- und Pferdestall untergebracht.

Der Amtmann Tappenbeck (1830 bis 1851) erwarb das Gebäude von seinem Vorgänger Bartel. Im Jahre 1851 kaufte das Herzogtum Oldenburg das Gebäude – im Volksmund „Amtshaus“ genannt.

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