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Herzliche Grüße vom Manager

Kolumne: Das Leben als Ernstfall – Die Arbeitswelt ist eintönig geworden. Gefühlt jeder 2. Job trägt die Bezeichnung "Manager". Nicht immer ist auf Anhieb klar, worum es geht.

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Wenn ich groß bin, werde ich Manager. Andere Jobs, Arbeitsplätze oder Berufe scheint es – das zumindest suggerieren mir die Sozialen Netzwerke – auch gar nicht mehr zu geben. An manche Neuschöpfungen hat man sich inzwischen ja gewöhnt. An den HR-Manager etwa. Der hieß früher "Sachbearbeiter/in Personal“ oder auch, eine Etage höher, „Bereichsleitung Personal“. Seit Menschen nurmehr Ressourcen sind, ist es eben der/die Human Ressources Manager/in. Oder der SEO-Manager. Das sind die Typen, die dafür sorgen, dass eine Webseite über die Suchmaschinen optimal gefunden wird. Und dass es keine „Mitarbeiter/innen für die Veranstaltungsorganisation“ mehr gibt, ist eh klar, seit jedes Sommerfest ein Event sein muss, das es zu managen gilt.

Inzwischen tauchen allerdings auch Manager auf, bei denen ich ohne Wörterbuch keine Ahnung habe, was die den ganzen Tag so machen. Der „Senior Marketing Manager Customer Insights“ etwa. Einen Teil davon verstehe ich noch. Alt sollte er oder sie wohl sein, Marketing ist inzwischen ohnehin alles, was nicht bei 3 auf den Bäumen ist, und irgendwas mit Kunden wird es wohl auch zu tun haben. Vielleicht sucht die Firma ja eine Gastroenterologin, Radiologin oder Psychologin, die tiefere Einblicke (insights) in den Gemüts- oder Gesundheitszustand der Kunden liefert.

Oder der „Performance Marketing Manager Remote“. Dass man im Job heutzutage eine gute Performance hinlegen muss, ist klar. Aber wozu benötigt man dabei eine Fernbedienung? Oder geht es einfach nur um fern, entfernt liegend? Dann würde der Manager also immer im Homeoffice arbeiten. Vielleicht ist der Job ja aber auch einfach nur abseitig oder weltentrückt – remote hat so herrlich viele Bedeutungen.

Besonders schön finde ich auch den "Manager Regulatory Affairs". Das ist nicht etwa ein Mitarbeiter, der für den Chef außereheliche Liebesverhältnisse ordnet, sondern einfach ein Lobbyist. Aber zugegeben: Manager klingt hier einfach besser.

Kurz habe ich auch überlegt, ob der Job als Product Owner was für mich wäre. Ich habe im Laufe meines Lebens schon viele Produkte gekauft, und 'ne ganze Menge davon besitze ich noch. Wer träumt nicht davon, dafür bezahlt zu werden, Dinge zu besitzen. Hab‘ mich dann aber dagegen entschieden, weil in dem Jobtitel das Wort Manager nicht auftaucht.

Das aber muss sein, denn ich hoffe, dass auch der neueste Trend aus den USA bald nach Deutschland schwappt. Die Investmentbank Goldman Sachs erlaubt ihren Managern – und nur denen –, so viel Urlaub zu nehmen, wie es ihnen gefällt. Sicherheitshalber passe ich meine Berufsbezeichnung schon mal der modernen Arbeitswelt an. Außerdem fühlt man sich als „Local Content Manager Writing“ irgendwie gleich ganz anders.


Zur Person:

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