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Helfer registrieren tote Tiere

Sogenannte Totfundgruppen suchen noch Ehrenamtliche im Landkreis Cloppenburg. Sie kümmern sich um verendete Haustiere.

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Nancy Solitair. Foto: Nadine Cording

Nancy Solitair. Foto: Nadine Cording

Angefangen haben sie als kleine Facebookgruppe, nach knapp fünf Jahren folgen der Seite „TotFundHund“ mehr als 14 000 Menschen. Mittlerweile kooperiert die Organisation deutschlandweit mit dem Tierhilfe-Team, verschiedenen Tierrettungen sowie Tiernotrufen – und mit dem Klärwerk in Friesoythe.

Es ist vermutlich das Schlimmste, was Haustierbesitzern passieren kann: Der Hund reißt aus, die Katze kommt einfach nicht nach Hause. Nach tagelangem Suchen und Hoffen, dass das Tier den Weg alleine nach Hause findet, heißt es meist aufgeben. Gewissheit, was dem Tier passiert ist, bekommt man nicht. „Tote Tiere werden nirgendwo registriert“, sagt Nancy Solitair, „da kommen wir ins Spiel.“ Mit „Wir“ meint sie ihre Arbeitsgruppe „TotFundHund“, die sie gemeinsam mit Susanne Maurer seit etwas mehr als einem Jahr leitet. „Wir übermitteln meist traurige Nachrichten, aber die Besitzer sind dann auch froh, dass sie wissen, was passiert ist.“

Die Organisation dokumentiert Vermisstenanzeigen von Hunden, Katzen und manchmal auch Frettchen und sammelt Informationen zu tot aufgefundenen Haustieren, um ihre Besitzer über den Verbleib des geliebten Tieres zu informieren. Manchmal entdecken Spaziergänger tote Tiere und melden Polizei, Jäger oder Straßenmeisterei den Fund. Diese entsorgen die Tiere dann häufig, ohne zu versuchen, den Besitzer oder die Besitzerin ausfindig zu machen.

Aus Facebookgruppe wird große Organisation

Deshalb gründete Susanne Riedel „TotFundHund“ im Dezember 2015. Vorläufer war ihre Facebook-Gruppe „Überfahrene/tot aufgefundene Hunde – Arbeitsgruppe“. Innerhalb von zwei Jahren entwickelte sich die Social-Media-Gruppe zu einem Netzwerk mit 16 Ortsgruppen und Ablegern in Österreich und der Schweiz. Seit September 2016 arbeiten sie gemeinsam mit dem Tierhilfe-Team. Über 14000 Menschen folgen ihnen auf Facebook.

Nancy Solitair ist seit 2018 dabei und hat im Sommer letzten Jahres die Teamleitung übernommen. In die Arbeitsgruppe ist sie zufällig reingerutscht – über eine Google-Suche: „Ich habe eigentlich als Suchhelferin angefangen und mich dann gefragt, was eigentlich mit Tieren passiert, die tot gefunden werden.“

Mittlerweile besteht das Team aus 180 Helferinnen und Helfern, die sich auf ganz Deutschland verteilen. „Wir sind ganz gut aufgestellt, aber es gibt noch Lücken“, erklärt Solitair. So seien Mecklenburg-Vorpommern, Bayern, Brandenburg, und Baden-Württemberg nicht gut abgedeckt. Aber auch im Oldenburger Münsterland gebe es Nachholbedarf. Das ist der Hundefreundin aufgefallen, als sie eine Zeit lang privat in Cloppenburg zu tun hatte. Eigentlich lebt sie nämlich in Bad Zwischenahn. „Beim Spazierengehen sind mir viele tote Tiere aufgefallen.“

Zur Ausrüstung gehört auch ein Chip-Lesegerät

Die wenigen Vermisstenmeldungen und ihre vielen Totfunde findet sie ungewöhnlich: „Ich habe mich natürlich gefragt: Vermisst die keiner? Das ist doch schade.“ Bei der Straßenmeisterei erfährt sie, dass Totfunde sofort entsorgt werden. Wie es im restlichen Umland aussieht, weiß sie nicht. „Ich hatte aber mal mit dem Klärwerk in Friesoythe zu tun, und jetzt sind wir in Kontakt. Die kümmern sich sehr gut um Tiere, die sie finden.“ Entlaufene Tiere würden zwei Wochen im Klärwerk bleiben, bevor sie ins Tierheim kommen. Darüber freut sie sich. „In Cloppenburg fehlen uns aber Helfer.“

Ihre Helferinnen und Helfer koordiniert sie über eine WhatsApp- und eine Facebookgruppe. „Wenn ein Fall reinkommt, schreibe ich das in die Gruppen und gucke, ob ich vor Ort jemanden habe“, erklärt die Hotelfachfrau. Die Helferinnen machen sich dann auf den Weg, das Tier zu suchen. Ausgestattet sind sie mit Desinfektionsmitteln, Einmalhandschuhen und einem Chip-Lesegerät.

„Wenn die Tiere nicht gechipt oder registriert sind, messen wir sie aus, fotografieren und untersuchen wir sie auf besondere Merkmale“, erklärt Solitair. Die Helferinnen fragen meistens auch einfach Anwohner vor Ort, ob sie ein Tier vermissen. Finden sie die Besitzer nicht sofort, macht Solitair einen Eintrag auf Facebook und ihrer Internetseite. „Aber auf Face­book ohne Foto“, wirft sie ein. „Das wäre zu makaber.“ Wenn sie den Besitzer ausfindig machen, bearbeiten sie den Eintrag. Auf diese Weise entstehe ein kleines Archiv. Was sie nicht machen, ist die Tiere bergen. Das müssen die Besitzer oder Behörden erledigen.

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