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Helau, Alaaf und Horrido: Das Oldenburger Münsterland feiert Karneval

Mehrere Hundert Dammer haben den Auftakt der 5. Jahreszeit gestartet. Hier geht es zu den Karnevalsfeiern im Oldenburger Münsterland.

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Marsch der Narren: Die 5. Jahreszeit in Damme hat begonnen. Foto: Oevermann

Marsch der Narren: Die 5. Jahreszeit in Damme hat begonnen. Foto: Oevermann

Damme: Die Sehnsucht nach "ihrem Carneval" ist groß. Das war nicht nur optisch deutlich zu merken. Mehrere Hundert Dammerinnen und Dammer verfolgten den Auftakt der 409. Session an der Dammer Narrensäule und feierten anschließend im Rathaus den diesjährigen Ehrennarren Siegfried Mela.

Pünktlich um 11.11 Uhr eröffnete der Präsident der Dammer Carnevalsgesellschaft von 1614, Moritz Enneking, die "fünfte Jahreszeit" in der Carnevalshochburg Norddeutschlands. "Ganz Damme weiß, es ist soweit. Auf in die fünfte Jahreszeit", rief Enneking zu den Närrinnen und Narren, welche die Große Straße und Mühlenstraße in großer Anzahl säumten. Musikalisch begleitet wurde der Carnevalsauftakt zum 20. Mal vom Dammer Narrenblech.

Der Präsident der Dammer Carnevalsgesellschaft von 1614 Moritz Enneking (rechts) zeichnete Siegfried Mela (links) als Ehrennarren aus .Foto: Oevermann
Der Präsident der Dammer Carnevalsgesellschaft von 1614 Moritz Enneking (rechts) zeichnete Siegfried Mela (links) als Ehrennarren aus. Foto: Oevermann
Zum 20. Mal begleitete das Dammer Narrenblech den Sessionsauftakt in der Dammer Innenstadt. Foto: Oevermann
Zum 20. Mal begleitete das Dammer Narrenblech den Sessionsauftakt in der Dammer Innenstadt. Foto: Oevermann
Bürgermeister Mike Otte enthüllte seine geheimen Pläne zur Fußball-WM. Foto: Oevermann
Der Geehrte spricht zum Dammer Narrenvolk. Foto: Oevermann
Der Präsident der Dammer Carnevalsgesellschaft von 1614 Moritz Enneking (links) und Bürgermeister Mike Otte (rechts) gratulieren Siegfried Mela zur Ehrennarr-Auszeichnung. Foto: Oevermann

Für Enneking selbst war es seine Premiere, war er erst im Frühjahr an die Spitze der Dammer Carnevalsgesellschaft gerückt. Seinem Amtsvorgänger Benno Goda stattete er mit reichlich Dank aus. "Du hast mehr für den Dammer Carneval getan, als ich aufzählen kann", so Enneking. Dies sollten jedoch nicht seine einzigen lobenden Worte am närrischen Vormittag bleiben. Schließlich wurde im Rathaus noch die begehrte Auszeichnung des Ehrennarren verliehen, die seit dem Jahr 2000 vergeben wird. Lediglich 2020 fand eine solche Ehrung aufgrund der Corona-Pandemie nicht statt.

Seit 66 Jahren engagiert sich Mela für den Dammer Carneval

Die "22. Auszeichnung im Jahr 2022" ging an Siegfried "Siggi" Mela. "Du hast dich um unseren Carneval seit 66 Jahren auf einzigartige Weise verdient gemacht", sagte Enneking in seiner Laudatio auf den  1942 in der "carnevalsfreien Zone" Polen geboren Preisträger.

Sein Debüt im Damme feierte Mela mit 14 Jahren als Teil der Prinzengarde vor dem Wagen der Tollität Otto I. Busch im Jahr 1956. "Von da an ist er dem Carneval nicht nur treu geblieben, er wurde sogar zu einem der versiertesten Wagenbauer, die Damme je gesehen hat", meinte Enneking. Jahr für Jahr erhielt seine Gruppe "CC Wienerei" den Sonderpreis. Melas Expertise als regelmäßiger Sonderpreisträger führte ihn Ende der 1990er Jahre folgerichtig in die Preisrichterkommission. 21 Jahre lang bewertete er die baulichen und technischen Finessen der verschiedensten Wagenbauer. Zudem verdankt ihm die Carnevalsgesellschaft die Auffindung eines historischen, nun im Stadtmuseum zu sehenden "Schwellkopfes" der Gebrüder Leiber, die in den 1950er Jahren einen Höhepunkt der Dammer Carnevalsumzüge bildeten.

Ottes geheime Fußball-WM-Pläne werden enthüllt

Die Freude im Dammer Rathaus über den Auftakt der 409. Session, die unter dem Motto "Die Freiheit liegt uns Narren im Blut. Wir feiern sie als höchstes Gut" steht, war auch beim Bürgermeister Mike Otte sehr groß. "Nach zweijähriger Zwangspause wünsche ich uns allen eine fröhliche und in diesen Zeiten mehr denn je friedliche Carnevalszeit", meinte Otte. Zuvor war gerätselt worden, was in der Nähe seines Rednerpultes verhüllt war – eine Nachbildung des WM-Pokals. Zur Überraschung aller Beteiligten präsentierte Fußballfan Otte die selbstredend nicht vollends erst gemeinten geheimen Pläne der Fifa und der Stadt Damme die diesjährige WM nicht in Katar, sondern in Dammensia auszutragen. Gespielt werden soll diese im "Wembley-Stadion" Dammes, dem Dersa-Sportpark, in der "Klünenberg-Arena", dem "Maracana des Ostens" sowie auf dem Sportplatz in Rüschendorf, der selbst das "legendäre Camp Nou in den Schatten stellt". Das Finale der mit "8 Mal 11 Tagen" längsten WM aller Zeiten werde natürlich am 13. Februar 2023, am Dammer Rosenmontag, ausgetragen. Denn welcher Ort sei für die Austragung der Fußball-WM besser geeignet als "ein Ort, in dem die Elf in doppelter Hinsicht eine große Rolle spielt", so der ehemalige Zweitliga-Schiedsrichter.


Dinklage: Ein wenig enttäuscht war Prinz Hubert Drees ja schon: Warum sich in Dinklage in puncto Rathaus-Bau immer noch nichts getan hätte? Das Dreigestirn des KC Dinklage mit ihm, Bauer Frank Meyer und Jungfrau Ralf(aela) Bührmann hätte Bürgermeister Carl-Heinz Putthoff doch im vergangenen Jahr eine perfekte Zeichnung übermittelt. Nach 40 Jahren des Stilltstands wollten die Lüscher doch endlich Bewegung in die Dinklager Rathaus-Debatte bringen.

Doch Prinz Hubert, ein Mann der Tat, hatte für den Bürgermeister gleich den passenden Gegenvorschlag. Wenn Bakum bald Vechta übernehmen wolle, wie er es jüngst in der OV habe lesen können, dann könne Dinklage doch auch Lohne angreifen, oder?

So feiert der KC Dinklage Karneval. Foto: Böckmann
So feiert der KC Dinklage Karneval. Foto: Böckmann
So feiert der KC Dinklage Karneval. Foto: Böckmann
So feiert der KC Dinklage Karneval. Foto: Böckmann
So feiert der KC Dinklage Karneval. Foto: Böckmann
So feiert der KC Dinklage Karneval. Foto: Böckmann
So feiert der KC Dinklage Karneval. Foto: Böckmann
So feiert der KC Dinklage Karneval. Foto: Böckmann
So feiert der KC Dinklage Karneval. Foto: Böckmann
So feiert der KC Dinklage Karneval. Foto: Böckmann
So feiert der KC Dinklage Karneval. Foto: Böckmann
So feiert der KC Dinklage Karneval. Foto: Böckmann
So feiert der KC Dinklage Karneval. Foto: Böckmann
So feiert der KC Dinklage Karneval. Foto: Böckmann
So feiert der KC Dinklage Karneval. Foto: Böckmann
So feiert der KC Dinklage Karneval. Foto: Böckmann
So feiert der KC Dinklage Karneval. Foto: Böckmann
So feiert der KC Dinklage Karneval. Foto: Böckmann
So feiert der KC Dinklage Karneval. Foto: Böckmann
So feiert der KC Dinklage Karneval. Foto: Böckmann
So feiert der KC Dinklage Karneval. Foto: Böckmann
So feiert der KC Dinklage Karneval. Foto: Böckmann
So feiert der KC Dinklage Karneval. Foto: Böckmann

"Das ist ein super Vorschlag", fand Bürgermeister Carl Heinz Putthoff. Der Lohner Vorstoß sei wegen der Sperrung des Muttentunnels ja gescheitert. Jetzt wolle Dinklage zum Gegenschlag ausholen, sagte Putthoff zur Freude des bestens aufgelegten Dreigestirns, der Haus-und-Hof-Band "Kölsch & Klüngel" sowie den Mitgliedern des Elferrates und der Prinzengarde, die ihren Tag nach diversen im XXL-Planwagen angesteuerten Stationen im Vereinslokal "Bistro im Stern" ausklingen lassen wollten.

Carl Heinz Putthoff selbst nahm die Einladung für die Generalversammlung des KC Dinklage am 21. Januar (19.11 Uhr bei Meyer in Bünne, Karten gibt es bei den Vorstandsmitgliedern) gerne an. Und in welcher Funktion? Als Bürgermeister, als Gast, als Redner – oder doch vielleicht als neuer Prinz? Seine Frau Claudia versicherte jedenfalls via Kurznachricht ins Rathaus: Sie würde immer hinter ihrem Mann stehen. Egal, in welchem Amt. Doch aktuell ist Putthoff amtslos, wieder ein Bürgermeister außer Dienst. Denn er übergab den großen Rathausschlüssel mit einem Lächeln und einem guten Gewissen wie im Vorjahr an das Dreigestirn aus Lüsche.


Vechta: Die Narren haben am Freitagnachmittag die Herrschaft über die Kreisstadt Vechta übernommen. Der neue Stadtprinz Siggi I. Windeler übernahm gleich nach seiner Proklamation die Amtsgeschäfte. Bürgermeister Kristian Kater (SPD) überließ dem Stadtprinzen beim traditionellen Karnevals-Empfang im Rathaus den symbolischen Schlüssel zur Stadt ganz ohne Gegenwehr.

Siggi I. Windeler ist der neue Stadtprinz. Foto: Chowanietz
Seit langem gibt es in Vechta erstmals wieder ein Jugend-Dreigestirn: (von links) Bäuerin Nilah Jatsch, Prinzessin Lilu Ellert und imd Jungfrau Johanna Bastubbe. Foto: Chowanietz
Die Tanzgruppen des Vereins waren stark vertreten. Foto: Chowanietz
VCC-Präsident Hubert Lübberding (rechts) verabschiedete das scheidende Stadtprinzenpaar Anja Muhle und Jens Mlinarzik. Sie waren wegen der Pandemie 3 Jahre im Amt. Foto: Chowanietz
Foto: Chowanietz
FOto: Chowanietz
Foto: Chowanietz
Bürgermeister Kristian Kater (rechts) überreichte dem Stadtprinzen den symbolischen Schlüssel zum Rathaus. Foto: Chowanietz
VCC-Ehrenpräsident Bernd Tepe (links) und Präsident Hubert Lübberding begrüßten die Ehrengäste aus Langförden. Foto: Chowanietz
Tanzmariechen Carla Oevermann lieferte einen akrobatischen Auftritt. Foto: Chowanietz
Uwe Heider ist neues Mitglied der Ehrengild des VCC. Foto: Chowanietz
Foto: Chowanietz

Der neuen Tollität zur Seite steht seit vielen Jahren erstmals wieder ein Jugend-Dreigestirn: Prinzessin Lilu I. Ellert, Bäuerin Nilah I. Jaksch und Jungfrau Johanna I. Bastubbe. Die Schülerinnen sind dem Verein bereits als Tänzerinnen der Prinzengarde verbunden.

Siggi I. Windeler ist der Solo-Stadtprinz in der Geschichte des Vechtaer Carnevals Clubs. Alle 41 Vorgänger waren mit einer Prinzessin oder im Dreigestirn angetreten. Windeler ist Reiseunternehmer aus der Gemeinde Goldenstedt und organisiert seit Jahren mit seiner Firma  Merlino Ski-Tours unter anderem Reisen in die Alpen. Er betreibt außerdem Reisebüros in Goldenstedt und Ankum.

Um 16.11 Uhr hatten die Vechtaer Narren mit einem vielfachen "Vechta, Helau" ganz friedlich das Rathaus gestürmt und die Karnevals-Session 2022/2023 eröffnet. Das Motto dieses Mal: „Langförden, als Domstadt bekannt, im OLdenburger Münsterland“

Bürgermeister sieht guten Grund zum Feiern

Das Jahresmotto lieferte erneut der von VCC-Ehrenpräsident Bernd Tepe entwickelte Jahresorden, der dieses Mal die Langfördener Kirche St. Laurentius zeigt. Nicht ohne Grund: Auf dem Wappen Langfördens steht der alte Kirchturm mit der römischen Jahreszahl 1011. Und dies sei in diesem Jahr genau 1011 Jahre her, rechnete Tepe.

Nach den Corona-Einschränkungen der Vorjahre zeigten sich die Vechtaer Narren gut gelaunt. VCC-Präsident Hubert Lübberding führte durchs Programm, kündigte eine Tanzgruppe nach der anderen an, ehrte verdiente und aktive Mitglieder. Bürgermeister Kristian Kater begrüßte das Narrenvolk. Er sah gerade in den aktuell schwierigen Zeiten guten Grund zum Karneval-Feiern: Die Sorgenfalten vieler Menschen seien schon tief genug – "sie bedürfen dringend einer Aufhellung".

Traditionell gab es bei dem Empfang auch in diesem Jahr die Neuaufnahme der Ehrengilde des VCC. Das neue Mitglied ist der Vechtaer Kaufmann und Unternehmer Uwe Heider. Gilde-Bruder Ludwig Voss überreichte ihm die Insignien – den Holzschuh am Band. Die „Brüder von der Eisernen-Birnbaum-Blüten-Tafelrunde“ sind Freunde, Förderer und Unterstützer des Carnevals-Vereins. Neue Mitglieder werden durch die Gilde selbst nach einstimmiger Wahl bestimmt.


Neuenkirchen-Vörden: Pünktlich um 11.11 Uhr stürmten die Narren in Neuenkirchen-Vörden das Rathaus – coronabedingt ohne amtierendes Dreigestirn. Die Führung bei der Eroberung der örtlichen Zentrale der Macht übernahm ausnahmsweise Moritz Wiebold, Präsident des Clubs Neuenkirchener Narren (CNN).

Diese trafen auf wenig Widerstand des Hausherrn Ansgar Brockmann. Der gut aufgelegte Bürgermeister begrüßte auch den zweitgrößten Karnevalsverein der Gemeinde, die „VIPs mit Schwips (oder Schlips?)“. Auf sie komme die wichtige Rolle eines Kontrollgremiums zu, damit im CNN-geführten Rathaus alles mit rechten Dingen zugehe.

Wem aber solle er den Rathausschlüssel übergeben, wenn es keinen amtierenden Prinzen gebe, fragte sich Brockmann. Er entschied sich für Wiebold. Dessen Weg zur Arbeit werde kürzer und er habe Führungserfahrung als Firmenchef und Vorsitzender des CNN, nur zu Hause könne er diese Qualitäten noch nicht richtig entfalten.

Wiebold entgegnete, die Vorbereitungen für die Sitzungen im kommenden Januar würden auf Hochtouren laufen. In der Gemeinde habe er festgestellt, dass an Halloween einige Bürger als Gas- oder Stromrechnung verkleidet durch die Straßen gezogen seien, um Angst und Schrecken zu verbreiten. Mit Tränen in den Augen hätten viele Neuenkirchener den Abriss der Brücke zwischen Neuenkirchen und Vörden mit angesehen – Freudentränen seien es gewesen! Auch die Ortschafts Nellinghof bekam ihr Fett weg: Da, wo die Frauen noch mit den Schweinen unter einem Dach wohnten, solle jetzt ein Luxuscampingplatz entstehen, mit Champagner und Kaviar. Mit Einzug der Narren in den Ratssaal gab es sofort tiefgreifende Veränderungen im hohen Haus: Die Stimmung war schnell viel besser als bei jeder Rats- oder Ausschusssitzung. Einen großen Anteil daran hatte die kleine, aber feine Narrenkapelle, bestehend aus Reiner und Harald Kolhosser sowie Ulrich Kettler.

Man muss schon einen Knall haben, wenn man sich das antut“, sagte Bürgermeister Ansgar Brockmann (links), als er den Rathausschlüssel an Präsident Moritz Wiebold übergab. Foto: Schmutte„Man muss schon einen Knall haben, wenn man sich das antut“, sagte Bürgermeister Ansgar Brockmann (links), als er den Rathausschlüssel an Präsident Moritz Wiebold übergab. Foto: Schmutte

Cloppenburg: Um 11.11 Uhr hatten es auch die Cloppenburger Karnevalisten geschafft: Sie stürmten das Rathaus der Stadt. Bürgermeister Neidhard Varnhorn sowie weitere Mitglieder des Stadtrates und der ehemalige Bürgermeister Dr. Wolfgang Wiese hatten sich lange zur Wehr gesetzt. Doch es reichte nicht. Zu guter Letzt kamen die Kanone und der Rammbock zum Einsatz, aber auch dabei blieb die Tür weiter verschlossen. Doch einen Pfeil hatte Präsident Dirk Lanfermann noch im Köcher. Die Cloppenburger Narren hatten in diesem Jahr einen Spion ins Rathaus eingeschleust. Ratsmitglied Stefan Busse zeigte sich schließlich auf dem Rathausbalkon im Kostüm und warf den Schlüssel für den Eingang zu Boden.

Sturm aufs Rathaus: Die Narren des CCV haben um 11.11 Uhr in Cloppenburg das Alte Rathaus gestürmt. Foto: HermesSturm aufs Rathaus: Die Narren des CCV haben um 11.11 Uhr in Cloppenburg das Alte Rathaus gestürmt. Foto: Hermes

Lastrup: Pünktlich um 11.11 Uhr machten sich auch die Lastruper Närrinnen und Narren auf zum Rathaussturm. Empfangen wurden sie dabei vom "weiblichen Dreigestirn" der Gemeinde Lastrup: Susanne Schnelten, als Vertreterin des Bürgermeisters, Birgit Heitmann und Sabrina Pech versuchten alles, doch es half nichts. Auch die Bauzäune, die der Bauhof den Damen zur Verfügung gestellt hatte, halfen nichts: Die Karnevalisten mit ihrem Bock "LuDi" eroberten das Rathaus und sicherten sich den Schlüssel der Gemeinde. "Besonders freut es mich, dass ihr mit Katharina Thiel erstmals eine Präsidentin habt. Außerdem ist es schön, dass ihr trotz Corona weitergemacht habt", betonte Susanne Schnelten. Die rot-weißen Funken sorgten mit ihren Tanzeinlagen zudem für beste Festtagsstimmung auf dem Rathausvorplatz.

Marschieren Richtung Rathaus: Bewaffnet“ mit Narrenkappe und Bock LuDi“ wollen die Lastruper Karnevalisten die Gemeindezentrale stürmen. Foto: Wienken
Verbarrikadiert: Susanne Schnelten, Vertreterin des Bürgermeisters, hat einige Vorkehrungen zur Abwehr der Narren getroffen. Foto: Wienken
Kein Durchkommen: Die Narren starten ihren ersten Angriff auf das Rathaus. Foto: Wienken
Am Ziel: Nach einigen Versuchen haben es die Narren letztlich doch ins Rathaus geschafft. Foto: Wienken
Geschafft: Katharina Thiel, Präsidentin des Lastruper Karnevalsvereins, hält den Gemeindeschlüssel in den Händen. Foto: Wienken 
Die rot-weißen Funken sorgen für richtige Karnevalsstimmung. Foto: Wienken

Steinfeld: "Steinfeld Helau" hörte man am Freitag endlich wieder in Steinfeld. Pünktlich um 11.11 Uhr hatten die Närrinnen und Narren vom Karnevalsclub "Halb 11" laut Mitteilung mit Rammbock und Raketen das Rathaus gestürmt. Bürgermeister Sebastian Gehrold hatte als Karnevalsneuling, trotz kräftiger Unterstützung von seinem allgemeinen Vertreter und Ersten Gemeinderat, Oliver Netzband, und seinen Mitarbeitern, keine Chance gegen die erfahrene Narrenpower. Präsident Burkhard Haskamp alias "Kicker" versicherte mit seiner Schar ehemaliger Prinzessinnen und Prinzen, dass die Narren alle Amtsgeschäfte mit bestem Wissen und Gewissen, mit Spaß und Freude führen werden. In der 5. Jahreszeit regiert der Humor in der Gemeinde und auch im Steinfelder Rathaus haben nun die Narren das Sagen. Doch Steinfelds Bürgermeister erinnerte, dass spätestens an Aschermittwoch die Rückgabe eingefordert wird. Die närrischen Verordnungen und Maßnahmen der Närrinnen und Narren müsse dem Volk von Steinfeld also in nur wenigen Wochen näher gebracht werden. Mit einem dreifach kräftig donnernden "Steinfeld Helau" überreichte die Rathausspitze den Karnevalisten die Schatzkiste und den Rathausschlüssel. Gemeinsam wurde nach der Rathausstürmung bei Overmeyer noch weiter gefeiert und gelacht.

Premiere: Steinfelds Bürgermeister Sebastian Gehrold hatte als Karnevalsneuling keine Chance gegen die erfahrene Narrenpower. Foto: HoffmannPremiere: Steinfelds Bürgermeister Sebastian Gehrold hatte als Karnevalsneuling keine Chance gegen die erfahrene Narrenpower. Foto: Hoffmann

Emstek: Was den Emsteker Rathaussturm von den meisten Eroberungen der Verwaltungszentralen unterscheidet, ist die sich anschließende Ratssitzung. Und die ist, anders als die Treffen der gewählten Vertreter, stets überaus gut besucht. Das liegt am musikalischen Rahmenprogramm mit Blasmusik, aber auch auch an der Grundhaltung der Bührener Narren, die Realpolitik "zum Anfassen und zum Streicheln" vorsieht.

Da ist das Ding: Joe Knagge hat zusammen mit den Prinzen den Rathausschlüssel erobert. Foto: Thomas VorwerkDa ist das Ding: Joe Knagge hat zusammen mit den Prinzen den Rathausschlüssel erobert. Foto: Thomas Vorwerk

Die Gegenwehr durch Bürgermeister Michael Fischer sei schon einmal stärker gewesen, befand Narren-Präsident Joe Knagge, nachdem er und seine Mitstreiter das Zentrum der Macht über die an den Rathausbalkon angelehnte Leiter erklommen hatten. "Angesichts der Übermacht ist das aber auch nicht verwunderlich"; sagte er eingangs der Sitzung, die von Praktikant Hubertus Aumann fortgeführt wurde. Dieser sprach gar von göttlicher Unterstützung, denn der orange leuchtende Abendhimmel könne man nur als himmlisches Zeichen für die in gleicher Farbe gewandeten Narren verstanden wissen.  

Da Gas eingespart werden muss, wurde Bürgermeister Michael Fischer zum Hausmeister degradiert und zum Kohlenschippen in den Keller verbannt. Die Prinzen hatten zur Lösung der Energiekrise aber noch eine weitere Idee: Fernwärme aus dem Cloppenburger Rathaus, wo die gewählten Vertreter nach ihrer Ansicht viel zu viel heiße Luft produzieren würden.

Paul Thie hat die Bührener Narrenkappe 2022 verliehen bekommen.

Besondere Menschen und Daten verdienen besondere Straßen. Das neue Baugebiet in Hesselnfelde soll deshalb nach den einzelnen Prinzen benannt werden und in Halen sollen die Prinzessinen als Patin stehen. Die Halener Straße wird gleich in die "Straße des 11. November" umbenannt, was große Zustimmung unter den rund 100 Gästen hervor rief. Das Ingenieurbüro VSL, seit Jahren verlässlicher Partner in allen Lebensfragen, regte an, im Zuge der Umbenennung auch den Belag gegen eine andere Oberfläche auszutauschen. Eine Versiegelung, die  ähnlich wie Teflon Anhaftungen abstößt, soll es Klimaaktivisten schwer machen, sich daran festzukleben.

Durchaus ernst gemeint ist die Vergabe der "Bührener Narrenkappe". Diese Auszeichnung bekommen nur verdienten Menschen und Gruppen und deshalb fiel die Wahl in diesem Jahr auf Paul Thie. Der Handwerker stellt Jahr für Jahr sein Betriebsgelände für den Aufbau des Umzugs zur Verfügung und ist den Narren auch darüber hinaus wohlgesonnen. Unter dem Applaus der Gäste nahm er die Auszeichnung aus den Händen von Narren-Präsident Joe Knagge entgegen. 

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