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Heißes Fest und kühle Köpfe

Kolumne: Batke dichtet – Gibt es in anderen Ländern wohl auch Stoppelmärkte – und wie würden sie heißen? Meine Gedankenspiele zum Trubel auf der Westerheide.

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Macht ja kaum Sinn, über etwas anderes zu schreiben als über Stoppelmarkt. Okay, ein anderes populäres Thema wäre Wetter. Wetter geht immer. Jetzt aber haben wir Stoppelmarkt und Wetter. Und möglicherweise lehne ich mich gar nicht zu weit aus dem Fenster, wenn ich behaupte: Das ist der heißeste Stoppelmarkt aller Zeiten. Vielleicht war es 1593 noch etwas heißer – oder 1864, ich kann mich nicht recht erinnern. Und sowieso: Das sollen die Historiker ausdiskutieren.

Fest steht, und das sei auch unseren aus England angereisten Festgästen gesagt: It's a very hot stubblemarket. Würde zwar kein Engländer verstehen, aber eins zu eins übersetzt müsste es auf "stubblemarket" hinauslaufen, was ja auch lautmalerisch dem Original entspricht. Vom Klang her weit entfernt sind andere Varianten wie etwa das französische "chaume marché", das spanische "rastrojo mercado" und erst recht das türkische "aniz pazar". Ganz zu schweigen vom chinesischen "Hú chá Shichang", wenn ich das mal schlaumeierisch anmerken darf.

"Und ein leckeres Stück vom Grill gibt’s weiter beim Schinderhannes, nicht bei der Schinderhanna."Alfons Batke

Ob es in den genannten Ländern auch vergnügliche Feste in Zusammenhang mit dem "nach dem Mähen stehen gebliebener Rest des Getreidekorns" (Definition "Stoppel") gibt, entzieht sich meiner Kenntnis. Gleichwohl – und dieser kleine Wermutstropfen ist zu vergießen – hat Vechta mit dem Stoppelmarkt kein Alleinstellungsmerkmal, denn Veranstaltungen mit diesen Namen gibt es auch in Barmstedt (Kreis Pinneberg) und Darfeld (Kreis Coesfeld). Selbstverständlich können sie ihrem großen Bruder auf der Vechtaer Westerheide nicht das Wasser reichen.

Gut, dass unser Stoppelmarkt selbstbewusst genug ist, um sich dem grassierenden Gender-Wahnsinn zu entziehen. Es ist und bleibt "der" Stoppelmarkt, auch wenn es vorneweg um "die" Stoppel geht. Und wir sprechen weiterhin von Stoppelmarktsbesuchern und nicht von den Besuchenden. Der Festwirt bleibt ein Festwirt und wird nicht zur "Gastronomiebetriebsleitung" umfunktioniert. Linnemann bleibt Linnemann und wird nicht alternativ zur "Linnefrau". Wie auch Stratmann ein Stratmann bleibt und eine weibliche Besucherin in nämlichem Festzelt nicht zur "Stratfrau" wird. Und ein leckeres Stück vom Grill gibt’s weiter beim Schinderhannes, nicht bei der "Schinderhanna".

Wichtig und richtig ist es, in dieser brüllenden Hitze kühlen Kopf zu bewahren. Dabei besteht natürlich die Gefahr, dass man ärztliche Ratschläge ("Viel trinken bei diesem Wetter") zu eindimensional auslegt und der Wechsel von Haake Beck zu Veltins möglicherweise die anempfohlene Vielseitigkeit der Getränkezufuhr konterkariert. Gönnen Sie sich daher zwischenzeitlich ruhig mal eine Schorle. Und um beim kühlen Kopf zu bleiben: SPD-Chef Lars Klingbeil wird, wenn er am Montag in die Bütt steigt, schlau genug sein, die versammelte Stoppelmarktsprominenz nicht mit "Liebe Genossinnen und Genossen" zu begrüßen. Obwohl: Eine Abkühlung würde das auf jeden Fall bringen.


Zur Person:

  • Alfons Batke blickt auf eine über 40-jährige journalistische Laufbahn zurück.
  • Der 66-Jährige lebt als freier Ruheständler in Lohne.
  • Den Autor erreichen Sie per E-Mail an:  redaktion@om-medien.de

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