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Heinrich Lückmann: Lehrer und Heimatkundler aus Leidenschaft

Fast 40 Jahre war Heinrich Lückmann (1869 bis 1956) im Schuldienst. Er machte Erfindungen für den Schulgebrauch. Seine Spuren finden sich indes überall in Lohne.

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Lehrer Lückmann (Mitte) mit einem jüngeren Kollegen. Lückmanns Bildunterschrift lautet dazu: „Mein Klassenzimmer oben rechts in der Knabenschule mit meinem Raritätenschrank mit 9 Bildern." Fotos: Stadtmedienarchiv im Heimatverein Lohne

Lehrer Lückmann (Mitte) mit einem jüngeren Kollegen. Lückmanns Bildunterschrift lautet dazu: „Mein Klassenzimmer oben rechts in der Knabenschule mit meinem Raritätenschrank mit 9 Bildern." Fotos: Stadtmedienarchiv im Heimatverein Lohne

Viele Lohner sind bei ihm in die Schule gegangen. Viele hat er mit seiner Liebe zur Natur und Heimat angesteckt, wieder anderen galt er als „eckig“ und sonderlich in der Durchsetzung seiner Überzeugungen. Die Rede ist von Heinrich Lückmann (1869 bis 1956), fast 40 Jahre im Schuldienst, davon 36 in Lohne, seit 1923 Konrektor an der Lohner Volksschule.

Persönlich bescheiden und genügsam war er von der Schönheit der Natur in und um Lohne fasziniert. Er wollte seine Mitbürgerinnen und Mitbürger daran teilhaben lassen. Er setzte sich uneigennützig und beharrlich, unter privatem Einsatz von Geldmitteln, für seine Heimatstadt und seine heimatkundlichen Ideen und Ideale ein.

Lückmann kümmerte sich unter anderem um das Wanderwegenetz

Jahrzehnte, bevor die Aktionen "Unser Dorf soll schöner werden" oder "Unser Dorf hat Zukunft" begannen, hat sich Heinrich Lückmann um die Schaffung eines Wanderwegenetzes und die Errichtung von Ruhebänken eingesetzt. Größte sichtbare Leistung von Heinrich Lückmann ist der Bau des Lohner Aussichtsturms an der Steinfelder Straße.

Die Lückmann’sche Doppeltafel mit Heinrich Lückmann.Die Lückmann’sche Doppeltafel mit Heinrich Lückmann.

Gegen viele Widerstände in der Öffentlichkeit konnte er mit seinem Freund, dem Architekten Reinhold Buschmann, in knapp einem Jahr die Planung, Genehmigung, Finanzierung und den Bau des Turmes 1908 realisieren. Der Wappenstein mit den Initialen "RB" für Reinhold Buschmann und "HL" für Heinrich Lückmann am unteren Rande weisen noch heute dezent auf deren Urheberschaft für den Bau hin.

Lückmann entwarf Schulmöbel und tüffelte viel

Seine persönliche Genügsamkeit und Zufriedenheit mit der Einbindung in seinen engen regionalen Bereich bedeutete nicht, dass er ein eingeschränktes Gesichtsfeld besaß. Vielmehr ist er durch einige, für seine Zeit bahnbrechende pädagogische Entwicklungen und Vorschläge weit über die Region hinaus bekannt geworden. Da sind nicht nur seine Experimente mit der Lückmann‘schen Doppel- und Klapptafel, dem Rechenstab (Eintragung in die Gebrauchsmusterrolle), der „Lesemaschine“, den Tauschkarten, dem Prototypen eines Tintenfüllfederhalters oder der Einführung eines Schulgartens zu nennen. Er entwarf Schulmöbel, stiftete eine Schulbücherei, ein Herbarium und schrieb plattdeutsche Theaterstücke. Sein Name ist im bedeutenden Lexikon der Pädagogik (Ernst Roloff) verzeichnet. 

Der langjährige Leiter des Gymnasiums Antonianum in Vechta, Josef Nordlohne, stellt seinem früheren Lohner Lehrer im Jahrbuch für das Oldenburger Münsterland 1994 folgendes Zeugnis aus: "Was war Lückmann, dieser Magister, Naturfreund und Naturkenner, Erfinder, Maler, Gelegenheitspoet und Junggeselle, für ein Mensch? Berufskollegen mögen auch fragen, welcher pädagogischen Linie er zuzuordnen ist. Mögen sie fragen! Für mich ist und war er schlicht ein 'Lehrer', nicht mit dem Beigeschmack des Schulmeisters. Seine Originalität war faszinierend. Er schaute und begriff alles von seinem Ursprung her. Was er lehrte und was wir lernten, geschah immer in Zusammenhängen, eben vom Ursprünglichen her. Während der 13 schulpflichtigen Jahre bis zum Abitur habe ich zu keiner Zeit so nachhaltig ‘für das Leben gelernt‘, wie in den zwei Jahren bei Heinrich Lückmann. Darum ist mir vieles von dem, was wir bei ihm 'erlebten‘, so unvergesslich frisch im Gedächtnis haften geblieben." 

Nicht nur der Aussichtsturm erinnert an Lückmann

Die Gemeinde Lohne, 1907 zur Stadt erhoben, und der Heimatverein Lohne, vormals Verschönerungsverein Lohne, sind ihm zu großem Dank verpflichtet. Der Heimatverein Lohne ernannte ihn zum Ehrenmitglied, die Stadt Lohne benannte nach ihm eine Straße. Die dankbare Schülerschaft der Lohner Volksschule setzte ihm einen Gedenkstein in dem Lohner Stadtteil, in welchem der Naturfreund und Naturkenner Lückmann gerne spazieren ging, an der späteren Lückmannstraße.

Anzeige für die Lückmannsche Rechenmaschine.Anzeige für die Lückmann'sche Rechenmaschine.

Seine heimatkundliche Sammlung bildet den Grundstock für die Sammlung des heutigen Lohner Industriemuseums. In der Abteilung "Schule damals" ist nicht nur das von Heinrich Klingenberg gefertigte Porträt des Konrektors Heinrich Lückmann zu sehen. Ausgestellt sind auch seine Erfindungen für den Schulbereich.

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