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Heinrich Engelmann restauriert St.-Josefs-Figur aus dem 19. Jahrhundert

Der Malermeister restauriert seit 40 Jahren Modelle und Kunstwerke. Nun befasst sich der Rentner mit einer St.-Josefs-Figur des Kolpinghauses Vechta. Auch für den Routinier eine besondere Aufgabe.

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Der Routinier Heinrich Engelmann bei der Arbeit: Die Augen des Heiligen Josef müssen sorgfältig bearbeitet werden. Foto: Thomes

Der Routinier Heinrich Engelmann bei der Arbeit: Die Augen des Heiligen Josef müssen sorgfältig bearbeitet werden. Foto: Thomes

Grundieren, Schleifen, Fassen:  Heinrich Engelmann hat das Restaurieren für sich perfektioniert. Seit 3 Wochen widmet der Rentner seine Freizeit einer St.-Josefs-Figur des Kolpinghauses Vechta. Die lebensgroße Skulptur, die neben dem heiligen Josef auch einen Jesusknaben abbildet, wird bei dem ehemals selbständigen Malermeister von Grund auf erneuert.  Zur Karwoche soll sie wieder an ihren Platz am Kolpinghaus zurückkehren.

1969 übernahm Engelmann den Betrieb seines Vaters, der wiederum 1898 von seinem Großvater gegründet worden war. 40 Jahre lang leitete er das Familienunternehmen in dritter Generation, ehe er es im Jahre 2009 an Dennis Niehues weitergab. So wirklich trennen von der Arbeit kann Engelmann sich aber nicht. So ist das Restaurieren neben dem Sammeln von Uhren zu seinem Hobby geworden. 

St.-Josefs-Figur ist aus Terrakotta-Ton 

Die Josefs-Figur jetzt wieder "hübsch" zu machen, das ist auch für den 75-Jährigen ein außergewöhnlicher Auftrag. Eine Terrakotta-Figur, die 1,80 Meter hoch ist, Ende des 19. Jahrhunderts angefertigt wurde und den Heiligen mit Jesus im Knabenalter darstellt. Das sei eine Besonderheit, erklärt der Vechtaer.

80 Kilogramm wiegt die Figur und ist auf einem Sandsteindeckel befestigt. Risse oder andere Beschädigungen gebe es kaum, lobt Engelmann. Einzig an dem Stängel der Lilie in Josefs Hand habe er eine Bruchstelle entdeckt – und mittlerweile wieder behoben. 

Die Skulptur ist mit ihrem Sandsteindeckel größer als Heinrich Engelmann. Foto: ThomesDie Skulptur ist mit ihrem Sandsteindeckel größer als Heinrich Engelmann. Foto: Thomes

"Ich habe die Figur polychrom gefasst. Die ursprünglichen Anstriche hingegen waren einfarbig", erzählt Engelmann. Das heißt? Eine polychrome Fassung aufzutragen bedeute, dass mehrere Farbschichten übereinander abgestimmt werden, erklärt der Vechtaer. Die ursprünglich beigefarbene Skulptur erscheine so in vielen unterschiedlichen Farben. Dafür müsse zunächst doppelt grundiert werden. Erst im Anschluss daran erfolge die Fassung. 

Er bereite sich immer sehr gewissenhaft vor, erzählt der 75-Jährige. Auch in diesem Fall. Das Kolpinghaus habe ihm keine strengen Vorgaben gemacht. Da aber die Figur nach ihrer Schönheitskur wieder am Kolpinghaus hängen werde, komme Gold, wie es oft für Heiligen-Statuen in Kirchen gewählt werde, nicht infrage. Er werde auf Brauntöne setzen, erklärt Engelmann. Das passe zum Kolpinghaus und seinem Namensgeber Adolph Kolping, dem als volksnaher Priester zu viel Prunk sicher nicht gefallen hätte.

Detailreiche wie geduldfordernde Arbeit

"Am schwierigsten sind die Augen und der Haaransatz. Daran erkennt man, ob das ein Profi gemacht hat oder ein Laie", erläutert Engelmann. Bei den Augen müsse beispielsweise darauf geachtet werden, dass die Blickrichtung stimme und auch die Augenspiegelung berücksichtigt werde. Immerhin sollen sich der Heilige Josef und der kindliche Jesus direkt in die Augen schauen können.

Freut sich um die Fertigstellung: Heinrich Engelmann neben der Figur, die in der Karwoche am Kolpinghaus aufgehängt werden soll. Foto: ThomesFreut sich um die Fertigstellung: Heinrich Engelmann neben der Figur, die in der Karwoche am Kolpinghaus aufgehängt werden soll. Foto: Thomes

Auch bei der Gesichtsfarbe – Inkarnat für die Hautfarbe hellhäutiger Menschen – müsse genau abgestimmt werden, erklärt der 75-Jährige. Bei der Bearbeitung der Augenringe, Lippen und Fingernägel sei sehr viel Geduld gefragt. Mit einem kleinen Pinsel habe er sehr, sehr fein arbeiten müssen. Selbst kleine rötliche Einfärbungen an den Fingernägeln habe er gemalt.

Am Ende seiner Arbeit ist der Malermeister zufrieden. "Ich habe mir sehr viel Mühe mit der St.-Josefs-Figur gegeben und hoffe, dass es dem Kolpinghaus gefallen wird." Ab dem Beginn der Karwoche soll das mehrfarbige Kunstwerk dann an der Fassade des Kolpinghauses begutachtet werden können. 

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