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Heinrich Dickerhoff über Rollenspiele in der Erwachsenenbildung

Der 67-Jährige setzte LARPs beruflich ein und sammelte positive Erfahrung. Allerdings sei die Methode sehr aufwendig und zugegebenermaßen nur ein kleiner, exotischer Teil seiner Arbeit gewesen.

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Dr. Heinrich Dickerhoff als Fingal Morgenstern.   Archivfoto: Heinzel

Dr. Heinrich Dickerhoff als Fingal Morgenstern.   Archivfoto: Heinzel

Fingal Morgenstern ist elbischer Friedensrichter und heißt eigentlich Dr. Heinrich Dickerhoff. Der 67-Jährige war lange Jahre in Stapelfeld als Dozent in der Erwachsenenbildung tätig und hält heute noch Vorträge und Seminare. Aktuell wirkt er beispielsweise an der Universität Osnabrück und am Zentrum für ethische Bildung in den Streitkräften (ZEBIS) in Hamburg.

Die Figur Fingal Morgenstern kreierte Heinrich Dickerhoff 2008. Er ließ sich dabei von den Werken J.R.R. Tolkiens inspirieren. Den langjährigen pädagogischen Direktor der Katholischen Akademie Stapelfeld faszinierten die Tolkien-Elben. Auslöser für die Figurenfindung war der Besuch eines LARP-Events mit seinen Söhnen. LARP steht für Live Action Role Playing, sprich Rollenspiele. Zuerst fand er das Ganze durchaus etwas schräg, aber schnell entdeckte er das Potenzial für die eigene Arbeit.

In der Erwachsenenbildung gehe es darum, dass Menschen ihren Klang finden. Dr. Heinrich Dickerhoff versteht unter Klang die Seele oder die Persönlichkeit eines Menschen. In seinem Sinnbild stehen die Schale für den Leib und der Klang für die Seele. Letzteres sei wie der Klang nicht greifbar. Ihm gehe es um die Frage: "Was können wir auf nicht-rationaler Ebene über uns und das Leben lernen?" Dabei sei es wichtig, um im Bild zu bleiben, die Schale nicht mit der Hand fest zu umschließen, denn in diesem Fall fehlt ihr die Freiheit zum Klingen, und die Schale nicht vollzustopfen, da sie in diesem Falle ebenfalls nicht klingen könne.

Märchen oder LARPs böten die Möglichkeit, tiefer in sich selbst zu schauen und dabei etwas über die eigenen Wünsche, Träume und auch Ressourcen und Stärken zu erfahren sowie den Umgang mit Problemen und das Aushalten von Konflikten zu üben.

Dr. Heinrich Dickerhoff verwendet das Bild einer Klangschale für seine Arbeit. Foto: HeinzelDr. Heinrich Dickerhoff verwendet das Bild einer Klangschale für seine Arbeit. Foto: Heinzel

Letztlich gehe es darum, Erfahrungen zu machen, aus denen etwas lernbar ist. Drei Punkte sind dabei für Heinrich Dickerhoff ganz zentral: Erstens: ein souveräner Umgang mit den Alltagsrollen und deren Wechsel. Ein Beispiel sei hier das „Aufgeben“ der Vaterrolle, wenn das Kind erwachsen wird. Zweitens: zum Regisseur des eigenen Lebens zu werden, indem man aktiv wird. Drittens: die Erkenntnis, dass das Leben ein Ensemblespiel ist.

"Wir haben heute die Chance, vom reinen Konsumenten zum interaktiven Mitgestalter zu werden."Dr. Heinrich Dickerhoff

Es gehe darum, "offene Erfahrungsmöglichkeiten zu schaffen", die solche Erkenntnisprozesse ermöglichen. Dabei seien kreative Vermittlungsformen durchaus hilfreich. Blickt der ehemalige pädagogische Direktor auf seine Zeit in der Erwachsenenbildung zurück, sagt er: "Wir haben heute die Chance, vom reinen Konsumenten zum interaktiven Mitgestalter zu werden." Beispielsweise, indem Menschen im wahrsten Sinne des Wortes "aus der Rolle fallen" und ihre Alltagsrolle verließen.

Zugegebenermaßen sei LARP nur ein kleiner, exotischer Teil dieser Form der Bildungsarbeit. Märchen hätten ein Drittel seiner Arbeit ausgemacht und unterstützt. Märchen bezeichnet Dickerhoff als Ermutigungsgeschichten. Sie fingen in der Regel übel an, aber gingen stets gut aus. Die Spannbreite dieser kreativen Formen in der Erwachsenenbildung sei groß. Sie reiche von Märchen und LARP über klassische Rollenspiele und Theater bis hin zu Gesellschaftsspielen wie Diplomacy. Sie alle böten die Möglichkeit der Verfremdung, diese eröffne neue Perspektiven und Lernchancen. Kreativität sei wichtig, funktioniere aber nur in einer vertrauensvollen Atmosphäre. Sprich, beim LARP stehen Menschen nicht abseits, sondern machen mit.

Persönlich würde sich Heinrich Dickerhoff mehr „schräge Menschen“ im Bildungsbereich wünschen, die „kreative Lehrformen“ einsetzen und auch ausprobieren würden.

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