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Heiliger Zorn und frisches Gemüse

Kolumne: Batke dichtet – Der Ausdruck "Horrorjahr" trifft für 2022 mit Krieg, Krisen und Katastrophen in vollem Umfange zu. Allerdings gab's auch Positives, auch wenn es nicht so leicht zu finden ist.

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Ich kann schon verstehen, dass Sie die Nase voll haben von Rückblicken jedweder Art. War ja auch ein schreckliches Jahr, dieses 2022, ein "annus horribilis", um einen von der Queen im Jahr 1992 geprägten Begriff zu gebrauchen. Okay, das könnte jetzt makaber klingen, schließlich ist die vormalige britische Regentin seit dem 8. September nicht mehr unter uns. Aber der von ihr gewählte Ausdruck "Horrorjahr" trifft für 2022 mit Krieg, Krisen und Katastrophen in vollem Umfang zu. Und um nicht missverstanden zu werden: Elisabeth II. bewahren wir ein ehrendes Angedenken.

Beim Blättern im Jahresalbum dieser Kolumne (Sie lesen heute den 45. Teil) stach mir gleich die erste vom 8. Januar 2022 ins Auge. In diesem Aufsatz mit dem Titel "Im Zeichen des Steinbocks" befasste ich mich mit meinem Jahreshoroskop, das mir exakt für den 1. Juni einen warmen Geldregen versprach. ". . . das erfreut Sie und Ihren Kontostand, der jetzt beachtlich in die Höhe schnellen kann", sagten mir die Sterndeuter voraus. Tatsächlich aber erhielt ich Post vom Finanzamt mit der unmissverständlichen Aufforderung, einen satten vierstelligen Betrag nachzuzahlen.

"Unter 'Doppel-Wumms' hatte ich mir etwas anderes vorgestellt."Alfons Batke

Steinböcken wird nachgesagt, dass sie sich so schnell nicht aus der Ruhe bringen lassen. Aber als ich den Inhalt des erwähnten Schreibens begriffen hatte, hallte ein langgezogenes "Sch..." durch die ansonsten eher stille Lohner Franziskusstraße. Es ist schon schlimm genug, dass Renten besteuert werden, aber dass dann auch noch eine Einmalzahlung aus einer berufsständischen Zusatzversicherung vom Staat aasgeierisch angeknabbert wird, macht wütend und ist mit der Reaktion "heiliger Zorn" nur milde beschrieben. Unter "Doppel-Wumms" hatte ich mir etwas anderes vorgestellt, und ich bleibe dabei: Im Umgang mit den Altersruhegeldern wenden die staatlichen Geldeintreiber Enkeltricks an.

Am Ende des Jahres bleibt noch mein Dank

Genug geschimpft. Gab's auch was Positives? Gar nicht so einfach zu finden, aber hier, im Beitrag vom 5. August 2022, lese ich von meinem "Ernteglück in der Sauregurkenzeit". Beschrieben wird unser Einstieg in den Gemüseanbau, der uns einen warmen Paprikaregen bescherte. Des Hobbygärtners Glückseligkeit war perfekt, als die ersten Schoten der Sorte "Fresno" in der Pfanne landeten. Gewarnt sei allerdings vor unserem Zweitgewächs mit dem zwielichtigen Namen "Coronor". Eine Dosis davon wirkt so, als habe man eine Tüte "Fisherman's Friend extra stark" auf Ex eingeworfen – und man ist im ersten Moment geneigt, die Feuerwehr zu alarmieren. Dennoch: Ich tendiere dazu, es in 2023 zusätzlich mit Jalapenos zu versuchen.

Bleibt am Ende des Jahres noch mein Dank an die Leser dieser Kolumne und insbesondere an jene, die sich direkt mit Reaktionen auf die eine oder andere Episode gemeldet haben. Es waren in der Regel wohlmeinende Worte, aber auch vereinzelt kritische Anmerkungen, die ich ebenso zu schätzen weiß. Wie auch jene Äußerung einer Dame, die unlängst meinte: "Ich weiß zwar nicht, worüber du geschrieben hast. Aber wenigstens haben sie jetzt ein vernünftiges Foto von dir drin." Immerhin etwas. In diesem Sinne: Alles Gute für 2023!


Zur Person:

  • Alfons Batke blickt auf eine über 40-jährige journalistische Laufbahn zurück.
  • Er lebt als freier Ruheständler in Lohne.

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