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Heiko Feldhaus kämpft weiter mit der Magersucht

Seit mehr als 10 Jahren leidet der Goldenstedter an der Essstörung. Es ist noch nicht lange her, dass er daran erinnert wurde, dass die Krankheit tödlich verlaufen kann.

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Familie ist ihm wichtig: Heiko Feldhaus verbringt nicht nur gerne Zeit in der Küche, um zu backen, sondern unternimmt auch viel mit seiner Nichte Edda. Foto: C. Meyer

Familie ist ihm wichtig: Heiko Feldhaus verbringt nicht nur gerne Zeit in der Küche, um zu backen, sondern unternimmt auch viel mit seiner Nichte Edda. Foto: C. Meyer

Es sei ein „Auf und Ab“ antwortet Heiko Feldhaus auf die Frage nach seinem Wohlbefinden. Ein Jahr ist es nun her, dass der Goldenstedter die Vox-Backshow „Allererste Sahne – Wer backt am besten?“ gewonnen hat. Die Teilnahme und die damit verbundene Berichterstattung hat ihm öffentliche Aufmerksamkeit beschert. In seinem speziellen Fall galt diese vor allem seiner Erkrankung, der Magersucht, über die er sehr offen spricht.

Im Rahmen seiner Show-Teilnahme habe es insbesondere bei Social Media viel positive Rückmeldung darauf gegeben, dass der 35-Jährige so offen mit seiner Essstörung umgeht – gerade als Mann, erzählt der Goldenstedter. Die Erkrankung wird schließlich vor allem mit Mädchen und jungen Frauen assoziiert. Magersüchtige Jungen und Männer spielen in der öffentlichen Wahrnehmung einer eher untergeordnete Rolle.

Social Media ist Fluch und Segen zugleich

Auf seinem eigenen Instagram-Kanal veröffentlicht Heiko Feldhaus nicht nur Fotos von seinen Backerzeugnissen, sondern auch, seit dem Schritt in die Öffentlichkeit im vergangenen Jahr, in unregelmäßigen Abständen kurze Videos, in denen er seinen Gesundheitszustand thematisiert. Andere Betroffene kontaktieren ihn, bedanken sich bei ihm für seine Offenheit. Mehrere hundert Followerinnnen und Follower sind in den vergangenen 12 Monaten hinzugekommen. Nichtsdestoweniger hadere Feldhaus immer mit sich, ob er diese Videos veröffentlichen soll – neben seinem Back-Content. „Ich möchte mich auch nicht aufdrängen“, sagt er. Dabei wünschten sich viele regelmäßige Updates zu seinem Wohlbefinden, verrät er. Der Zuspruch ist also da.

Doch Social Media wäre nicht Social Media, gäbe es nicht die andere, dunkle Seite. Während seiner Show-Teilnahme habe es auch einige negative Kommentare geben. Eine andere Teilnehmerin warnte Feldhaus im Vorfeld davor, die Kommentare zu lesen. „Aber man ist ja neugierig“, sagt er. Im ersten Moment sei er durchaus geschockt gewesen. Wie er sich mit der Magersucht so im Fernsehen zeigen könnte, fasst er es freundlich zusammen. Aber er habe nicht lange darüber gegrübelt, versichert er. Der Goldenstedter steht zu seiner Essstörung, spricht auch Menschen direkt an, wenn sie ihn anstarren. Seine Erfahrung: Diese fühlten sich mehrheitlich ertappt, schämten sich für ihr unfreundliches Verhalten. Der 35-Jährige betont immer wieder, dass er es schätzt, wenn die Menschen ehrlich mit ihm umgehen. Im Gegenzug macht er es seinem Gegenüber sehr leicht, mit ihm über dieses wenig erfreuliche Thema zu sprechen.

Trotz seines offenen Umgangs mit der Magersucht beherrscht ihn die Erkrankung immerzu. Mal hat die „Freundin“, wie die Magersucht von Betroffenen oft genannt wird, weniger Macht, mal mehr. Die Essstörung begleitet den 35-Jährigen schon seit mehr als 10 Jahren. Professionelle Hilfe in Form von Therapie hatte noch keinen durchschlagenden Erfolg. Den Gang in eine Klinik möchte er sowieso unbedingt vermeiden, gibt Feldhaus zu. Aufgrund zahlreicher Vorerkrankungen in seiner Jugend habe er schlechte Erfahrungen gemacht, begründet er seine Einstellung.

Der Tiefpunkt im Dezember

Dabei hätte er kürzlich fast keine andere Wahl mehr gehabt. Im Dezember habe er einen „totalen Zusammenbruch“ erlitten, erzählt der Goldenstedter. Heiko Feldhaus rekonstruiert den entscheidenden Tag: Am 6. Dezember habe ihn seine Mutter zu einem Frühstück in Oldenburg eingeladen. Es sei ihm irgendwann so schlecht gegangen, dass seine Mutter einen Krankenwagen habe rufen wollen. Doch, so erzählt er weiter, davon habe er sie abhalten können. Am Abend habe er auf dem Sofa gelegen, es ging ihm nicht besser. Irgendwann kam ihm der Gedanke: „Jetzt hat sie mich.“ Er rechnete mit dem schlimmsten. Bei vielen Betroffenen verläuft die Magersucht tödlich.

Doch Feldhaus wollte partout in keine Klinik, um sich behandeln zu lassen. Er nahm sich zusammen, begann wieder, etwas mehr zu essen. Wie es überhaupt so weit kommen konnte, kann er nicht sagen. Es sei schleichend verlaufen. Er habe einfach immer weniger gegessen. „Die Essstörung sagt mir, dass die 100 Gramm, die ich esse, direkt 100 Gramm auf der Waage sind“, versucht er zu erklären. Dann feilscht er beim Essen mit sich selbst um jedes Gramm.

Ablenkung hilft am meisten

In der ersten Woche nach seinem Zusammenbruch sei er sehr geschwächt gewesen. Das Perfide: „Die ‚Freundin‘ schob es auf die Impfung, die ich kurz davor bekam“, sagt Feldhaus. Doch ihm sei mittlerweile klar, dass die Sucht die Überhand gewann. Es gebe die Momente, da sehe er sich als normalgewichtig, verrät der Goldenstedter. Experten sprechen von Dysmorphophobie, einer gestörten Wahrnehmung des eigenen Körpers. In anderen Momenten sehe er ein, dass er schwer krank ist.

Seitdem habe er mehrere Kilogramm zugenommen, sagt Heiko Feldhaus. Ihm hilft dabei unter anderem hochkalorische Trinknahrung, die für medizinische Zwecke eingesetzt wird. Der Vorteil für ihn: „100 Milliliter zu trinken, geht schneller.“ Schneller als die gleiche Menge Kalorien in Form von üblicher Nahrung zu essen. Zum anderen setzt der Goldenstedter auf Ablenkung nach dem Essen. Er unternimmt viel mit seiner Nichte, seinem Patenkind Edda, erzählt er. Und da ist natürlich das Backen.

So kreiert der Hobby-Bäcker nach wie vor auf Wunsch individuelle Kuchen und Torten. Aktuell gebe es vermehrt Anfragen anlässlich von Erstkommunion- und Konfirmationsfeiern, sagt Feldhaus. Eine schöne Abwechslung sei auch der Koch- und Backkurs, den Heiko Feldhaus gemeinsam mit Diana Kröger alle 2 Wochen für Kinder im Grundschulalter anbietet. Und könnte er sich nach dem Erfolg im vergangenen Jahr einen weiteren TV-Ausflug vorstellen? Der 35-Jährige lacht. Er schließt es zumindest nicht aus.


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